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Bayerischer Ministerpräsident : Horst Seehofer streicht sich selbst den Urlaub

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Seltene Auszeit: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und seine Frau Karin prosten beim Festakt zum 500-jährigen Jubiläum des Salzbergwerks Berchtesgaden den Ehrengästen zu. Bild: dpa

Während Angela Merkel in Südtirol die Seele baumeln lässt, macht Horst Seehofer ein Versprechen: Er will in diesem und im nächsten Jahr durcharbeiten.

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          Ihr Wahlprogramm hat die CSU mit einer Fülle von Garantien versehen – von einer steuerlichen „Entlastungsgarantie“ über eine „Familiengarantie“ mit einem Baukindergeld bis zu einer „Beteiligungsgarantie“ mit bundesweiten Volksentscheiden.

          Horst Seehofer gibt jetzt eine weitere Garantie: Er will in diesem und im nächsten Jahr durcharbeiten. Einen „Urlaub im eigentlichen Sinne“ werde es für ihn nicht geben, verspricht der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident; ein paar Tage Ausschlafen in diesem August reichten ihm. Gegen den Irrglauben der Moderne, den bequemen Alltag gegen ferialen Stress eintauschen zu müssen – den komfortablen Schreibtischstuhl gegen einen engen Flugzeugsitz, das wohlige heimische Bett gegen eine harte Hotelmatratze, die nette Kollegin im Büro gegen eine übellaunige Strandkorbnachbarin – hat sich Seehofer schon früher gestemmt. Die letzte Konsequenz ließ er allerdings lange vermissen; von einem Aktenstudium in seiner Datsche im Altmühltal war verlegen die Rede, wenn ihm die Gretchenfrage der Freizeitgesellschaft gestellt wurde: „Wohin geht es im nächsten Urlaub?“

          Doch im 69. Lebensjahr Seehofers ist Schluss mit den Halbherzigkeiten. Im nächsten Monat wird ein neuer Bundestag, im nächsten Jahr eine neuer Landtag in Bayern gewählt, da will der CSU-Vorsitzende ausgeschlafen sein. Und nicht gestresst von Wandertouren –, mit klobigem Schuhwerk an den Füßen und sperrigen Stöcken in den Händen, gehetzt von Südtiroler Berggeistern – völlig fertig in den Wahlkampf zurückkehren. Solche leichtsinnigen Unternehmungen überlässt Seehofer seiner Mitstreiterin – bis vor kurzem noch Gegenstreiterin – Angela Merkel, der CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzlerin.

          Auch eine böse Überraschung, dass Seehofer in einem Feriendomizil die Nachricht aus der Heimat erreicht, Markus Söder habe sich mit Joachim Herrmann verbündet, beide seien schon auf dem Weg in die Bayerische Staatskanzlei, ist damit ausgeschlossen. Aus der nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent bewährten Tradition, dass Staatsmänner, wenn sie zu Staatsbesuchen in ferne Länder aufbrechen, alle Gefolgsleute mitnehmen, die zu Hause übermütig werden könnten, zieht Seehofer eine radikale Konsequenz: Er bleibt gleich selbst zu Hause.

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