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Horst Seehofer : Der Repräsentant

  • -Aktualisiert am

Horst Seehofer mit dem damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen Christian Wulff im Juni 2010. Bild: dapd

Horst Seehofer übernimmt als Bundesratspräsident die Befugnisse des Bundespräsidenten. Die zusätzlichen Belastungen, die ihm die Wochen abverlangen werden, bis die Bundesversammlung einen Nachfolger für Wulff gewählt hat, wird er zu schultern wissen.

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          Horst Seehofer ist für die Zeit, in der er als Bundesratspräsident die Befugnisse des Bundespräsidenten wahrnimmt, gut gerüstet. Zu seinen Pflichten als bayerischer Ministerpräsident gehört es, neben dem Regierungsalltag - das wird zuweilen übersehen - Staatlichkeit zu verkörpern und zu repräsentieren. Seehofer ist seit 2008, als er von Berlin nach München wechselte, in diese Aufgaben hineingewachsen, denen in Bayern mit seiner großen historischen Kontinuität als Staatswesen besonderes Gewicht zukommt.

          In der Begegnung mit Bürgern findet Seehofer oft zu einer spontanen Herzlichkeit; wenn ihm nach dem Aussteigen aus dem Auto in einem oberbayerischen Dorf kleine Trachtler im Vorschulalter ein „Griaß Di“ entgegenschmettern, strahlt Seehofer zurück.

          Seehofer weiß, dass alles in der Politik seine Zeit hat: Ironie und Sarkasmus, seine schärfsten Waffen im politischen Kampf, die er manchmal so ungestüm führt, dass er sich selbst verletzt, meidet er zu Anlässen, in denen er einer demokratisch gewendeten „Repraesentatio Maiestatis“ zu dienen hat. Seehofer und seine Frau Karin treten zurückhaltend auf, auch wenn das Protokoll, wie beim Neujahrsempfang in der Münchner Residenz, zur großen Geste greift. Der Machtanspruch, den er als CSU-Vorsitzender mit einiger Härte durchsetzt - das erleben gerade wieder einmal die Europapolitiker der Partei - prägt nicht seine ganze Person.

          Darauf bedacht, kein Getriebener zu sein

          Die zusätzlichen Belastungen, die ihm die Wochen abverlangen werden, bis die Bundesversammlung einen Nachfolger für den zurückgetretenen Christian Wulff gewählt hat, wird Seehofer zu schultern wissen. Seit seiner schweren Erkrankung vor einem Jahrzehnt, die ihn an die Grenze des Lebens führte, ist er immer darauf bedacht, nicht Getriebener der Terminkalender zu sein. Daran hält sich Seehofer, der im Juli 63 Jahre alt werden wird, auch als Ministerpräsident und Parteivorsitzender, auch wenn mit diesen Ämtern ein großes Arbeitspensum verbunden ist. Je unruhiger Mitstreiter und Mitarbeiter um ihn herum werden, desto ruhiger wird Seehofer. Er achtet, anders als Edmund Stoiber, einer seiner Vorgänger, auch in turbulenten Zeiten darauf, nicht in den Griff der Apparate genommen zu werden.

          In der Geschichte der Bundesrepublik hat noch nie ein CSU-Politiker das höchste Staatsamt innegehabt. Der gebürtige Landshuter Roman Herzog ging seinen politischen Weg in der CDU; Stoiber, der es 2004 in der Hand gehabt hätte, Nachfolger des Bundespräsidenten Johannes Rau zu werden, zog es vor, in Ämtern mit mehr Gestaltungsmacht zu bleiben. Seehofer, der im vergangenen November als Bundesratspräsident auf die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft folgte, wird es einzuschätzen wissen, dass ihm als zeitweiligem Hausherren in Schloss Bellevue nur gegeben ist, einen Übergang zu gewährleisten und nicht prägende Wegmarken zu setzen. Dass er als CSU-Vorsitzender ein Wort mitzureden hat, wem er die Geschäfte übergeben wird, ändert daran nichts.

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