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Horst Seehofer : Beim Anblick der Wildschweine

  • -Aktualisiert am

Tritt er an? „Horst lässt warten“, heißt es in der CSU. Bild: dapd

Horst Seehofer lässt mit einer Ankündigung auf sich warten, ob er 2013 wieder als Ministerpräsident antreten wird. Es ist auch eine Demonstration, wer wen braucht in der CSU.

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          Der Angst der Politiker vor sommerlichen Medienturbulenzen begegnet Horst Seehofer in der ihm eigenen lässigen Art. Die von ihm Anfang dieser Woche angestimmte Melodie, er wisse noch gar nicht, ob er bei der Landtagswahl 2013 antrete, ließ der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende am Dienstag zu einem Fortissimo anschwellen. Statt Seehofer durften seine Minister Markus Söder und Christine Haderthauer, die beide als mögliche Nachfolger gelten, die traditionelle Presseunterrichtung nach der Kabinettssitzung bestreiten. „Seht, es geht auch ohne mich“, lautete die Botschaft, die Seehofer durch seine Absenz inszenierte.

          Kaum jemand in der CSU erwartet zwar, dass Seehofer nach der Sommerpause, die er in seinem Ferienhaus im Altmühltal verbringen will, mit der Ankündigung zurückkehren wird, dass er seine Amtszeit im nächsten Jahr ausklingen lassen wolle. Aus seiner Sicht dürfte sein Satz, er werde zusammen mit seiner Familie bei Rotwein „und dem Anblick von Rehen und Wildschweinen“ seine Zukunft wägen, eine sommerliche Mehrzweckwaffe sein. Seine Partei wurde wieder einmal ins Bild gesetzt, wer wen braucht - nämlich die CSU Seehofer und nicht Seehofer die CSU. „Horst lässt warten“, sagen manche in den eigenen Reihen, halb spöttisch, halb verzweifelt.

          Für die CSU käme ein Rückzug Seehofers zur Unzeit; so munter über Nachfolger spekuliert wird, so ungeordnet sind die Machtoptionen für die Zeit nach Seehofer. Überdeutlich zeigte sich dies, als in den vergangenen Tagen, noch bevor Seehofer seine Lust auf Rotwein, Rehe und Wildschweine bekannte, ein Name für die Nachfolge ins Spiel gebracht wurde, der aufhorchen lässt: Ulrich Wilhelm, gegenwärtig Intendant des Bayerischen Rundfunks. Dem früherer Regierungssprecher Angela Merkels und einstigen engsten Berater Edmund Stoibers trauen nicht wenige in der CSU zu, dass er das Wunder vollbringen könnte, die Partei zur alten Größe, sprich zu absoluten Mehrheiten, zu führen. Wilhelm sei bestens in München und Berlin vernetzt und beherrsche wie wenig andere die Kunst der politischen Kommunikation, wird er gerühmt; mit 51 Jahren sei er in einem Alter, das der Partei eine lange Perspektive gebe.

          Herausforderer Ude wird wohl lange warten

          So schwärmerisch fallen die Urteile über Wilhelm aus, dass Seehofer im Altmühltal sehr rasch feststellen könnte, dass er 2013 kandidieren werde. Allerdings gilt für Wilhelm das gleiche wie für Söder, Haderthauer und Ilse Aigner, die zweite Frau, die im Gespräch ist: Die Debatte kommt für alle Prätendenten zu früh. Auch Aigner, die Bundeslandwirtschaftsministerin und Vorsitzende des mächtigen CSU-Bezirks Oberbayern, braucht noch Zeit, über ihr Fachressort hinaus Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

          Manche in der CSU argwöhnen, dass der 63 Jahre alte Seehofer gerade deshalb laut über seine Zukunft nachdenke - die Mitteilung, er werde auch seine Ärzte konsultieren, wie es mit seiner Belastbarkeit stehe, inbegriffen. Dazu gehörten auch die öffentlich geäußerten Überlegungen Seehofers, dass auf den September, wenn er seine Entscheidung bekannt gegeben will, nicht gleich seine Kür als Spitzenkandidat auf dem CSU-Parteitag im Oktober folgen müsse; eine Nominierung sei auch erst im Wahljahr denkbar.

          Selbstverständlich wird auch die Eröffnung dieser Variante als eine Machtdemonstration gedeutet - in die eigene Partei hinein und auch gegenüber dem politischen Gegner. Schließlich habe es dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude gar nicht schnell genug gehen können, dass sich die SPD auf ihn als Spitzenkandidaten festgelegt habe; nominiert soll Ude auf einem Parteitag im Oktober werden, just in dem Monat, in dem Seehofer sich vorstellen kann, dass die CSU zusammenkommt, ohne ihn zum Kandidaten auszurufen. Ude wäre dann ein Herausforderer, der lange Monate allein auf dem Turnierplatz stünde, während Seehofer bis zur Neige auskosten könnte, dass auf ihn gewartet wird.

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