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Hormuz-Mission : Wäre die Marine einsatzbereit?

Unterstützung für die Amerikaner: der britische Zerstörer „HMS Duncan“ Bild: AFP

Nachdem die Briten angekündigt haben, sich an der amerikanischen Sicherungsmission im Persischen Golf zu beteiligen, wird in Berlin weiter diskutiert – auch über den Zustand der Marine.

          Die Bundesregierung diskutiert weiter über einen möglichen europäischen Überwachungseinsatz in der Straße von Hormuz – auch nach der Entscheidung Großbritanniens, sich an der von den Vereinigten Staaten angekündigten Eskortierungs-Mission zu beteiligen. In Berlin hieß es, die britische Entscheidung habe sich schon vor einer Woche abgezeichnet, als der neue britische Außenminister Dominic Raab davon gesprochen habe, in britischem Interesse sei vor allem die Begleitung britischer Schiffe am Persischen Golf und die Abwehr möglicher iranischer Kaper-Versuche. Sollte eine europäische Mission am Golf zur Seeraum-Überwachung oder zur Erstellung eines Lagebilds zustande kommen, wird mit einem grundsätzlichen britischen Interesse der Einbindung in diese Bemühungen gerechnet.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace sagte am Montag, das Vereinigte Königreich sei entschlossen, seine Schiffe zu schützen. Daher nehme die Royal Navy an der „internationalen Sicherheitsmission“ teil. Er freue sich, an der Seite der Amerikaner und anderer zu arbeiten. Details, welche Kriegsschiffe oder Truppen eingesetzt werden, nannte Wallace nicht; offenbar ist keine Verstärkung der Militärpräsenz geplant. Vergangene Woche ist der britische Zerstörer „HMS Duncan“ im Persischen Golf eingetroffen, um Schiffe zu begleiten.

          Außenminister Dominic Raab nannte es ein vitales Interesse, die Freiheit des Schiffsverkehrs zu sichern. „Unsere Haltung zu Iran hat sich nicht geändert“, fügte Raab hinzu. „Wir bleiben verpflichtet, mit Iran und unseren internationalen Partnern zusammenzuarbeiten, um die Situation zu deeskalieren und das Atom-Abkommen zu erhalten.“ Teherans Außenministerium reagierte prompt auf die britische Ankündigung und warf London vor, nun beim „wirtschaftlichen Terrorismus“ der Amerikaner mitzumachen.

          Deutsche Politiker haben mit Blick auf eine eventuelle Überwachungsmission unterdessen den Zustand der Marine kritisiert. Sowohl der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels als auch die friesische Abgeordnete Siemtje Möller (beide SPD) wiesen darauf hin, dass die heutige Marine die kleinste der Geschichte sei. Bartels sagte gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, dass die Marine in den vergangenen Jahrzehnten faktisch verkleinert worden sei, ebenso wie andere Teilstreitkräfte der Bundeswehr.

          „Kleiner als jetzt war die Marine noch nie“, sagte Bartels. Die Seestreitkräfte seien „auf dem Papier nie abgerüstet worden“, sollten demnach früher wie heute 15 Fregatten haben. Tatsächlich seien sieben davon außer Dienst gestellt und erst ein neues Schiff sei dafür erworben.

          Möller, zu deren Wahlkreis der Marine-Stützpunkt Wilhelmshaven gehört, sagte, ein Einsatz im Persischen Golf sei gleichwohl „rein materiell natürlich realisierbar, weil die Marine es möglich machen würde“. Die Marinesoldaten seien sehr gut ausgebildet, sehr erfahren und erfolgreich – „wenn die Schiffe fahren“. Auch Möller sagte gegenüber der Funke-Mediengruppe, Deutschland habe eine Marine „mit einer zu kleinen Anzahl an Schiffen gemessen an den Einsatzszenarien, für die wir angefragt werden“.

          Mehrere Schiffe werden gebaut

          Tatsächlich hat die Marine in den vergangenen Jahren ganze Schiffsklassen verloren, darunter sieben Zerstörer, die besonders geeignet waren für den Kampf in der Ostsee. Von den rund vier Dutzend Landungsbooten der Marine-Infanterie ist seit dem Ende des Kalten Krieges nur eines verblieben, die „Lachs“, Baujahr 1966.

          Gleichwohl läuft bei der Marine derzeit ein ambitioniertes Bauprogramm. So werden seit Anfang des Jahres fünf neue Korvetten gebaut. Von den vier neuen Fregatten der „Baden-Württemberg“-Klasse ist das namensgebende Schiff mit rund 150 Metern Länge und 120 Mann Stammbesatzung kürzlich in Dienst getreten. Zwei weitere Fregatten sollen noch in diesem Jahr an die Marine übergeben werden, eine vierte ist in Bau. Zudem laufen Planungen für neue Mehrzweckkampfschiffe „MKS 180“ und zwei neue Tankschiffe.

          Allerdings sind wegen teilweise jahrelanger Lieferverzögerungen und finanzieller Engpässe zuletzt schneller alte Schiffe der Marine außer Dienst gestellt worden, als neue kamen. Kürzlich war die Fregatte „Augsburg“ nach 30 Jahren Dienstzeit von ihrer letzten Ausbildungsfahrt nach Wilhelmshaven zurückgekehrt.

          Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, schrieb am Dienstag zu der Diskussion auf Twitter: „Wir müssen deutlich wachsen, aber wenn politisch gewollt, dann kann die deutsche Marine.“ Die Marine habe bisher „alle an sie gestellten Aufträge erfüllt“. Allerdings hat sich in der deutschen Geschichte gezeigt, dass die Größe einer Marine allein kein Maßstab ist.

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