https://www.faz.net/-gpf-85qla

Umfrage zur Homo-Ehe : Schneller akzeptiert als gedacht

  • -Aktualisiert am

Schnell akzeptiertes Bild: Ein Paar bei der Trauung in einer Kirche in Stuttgart. Bild: Picture-Alliance

Die Deutschen haben die Homo-Ehe längst anerkannt. Für sie sind andere Themen viel wichtiger. Nur bei der Kinderfrage in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften scheiden sich die Geister.

          Am 25. Juni wurde in dieser Zeitung ein Gastbeitrag von Boris Palmer veröffentlicht, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen und Mitglied der Grünen. Unter dem Titel „Entspannt Euch!“ rief er den Emanzipationsbewegungen, Verteidigern von Minderheitenrechten und damit nicht zuletzt den Vertretern seiner eigenen Partei zu, sie mögen doch die Attitüde der eifernden Außenseiter ablegen, denn viele ihrer Forderungen seien längst zu Mehrheitspositionen geworden. „Nahezu alle emanzipatorischen Bewegungen“, schrieb er, „haben ihren Kampf zunächst aus einer gesellschaftlichen Außenseiterposition geführt und mussten sich radikal zur Wehr setzen, um gesellschaftlichen Fortschritt zu bewirken. Mittlerweile haben sie aber ein Stadium breiter Akzeptanz erreicht, das einen viel gelasseneren Umgang mit den Relikten früherer Mehrheitshaltungen erlauben und erfordern würde.“

          Man muss Palmers gesellschaftspolitische Positionen nicht teilen, um zu erkennen, dass er mit seinem Beitrag auf ein bemerkenswertes Phänomen hinweist: So manche Forderung, für die mit revolutionärem Eifer versucht wird, Akzeptanz zu erreichen, hat sich in der Gesellschaft schon durchgesetzt, ohne dass es ihren Verfechtern bewusst wird. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Forderung nach der Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe zwischen Mann und Frau.

          Homo-Ehe durchgehend „weniger wichtig“

          Über die sogenannte „Homo-Ehe“ ist in den vergangenen Monaten, befördert durch die Volksabstimmung in Irland am 22. Mai, in den deutschen Medien in einer Intensität diskutiert worden, die den meisten Deutschen befremdlich erschienen sein dürfte. In der jüngsten Repräsentativumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag dieser Zeitung legten die Interviewer den Befragten eine Liste mit insgesamt 14 aktuellen politischen Streitthemen vor und baten sie anzugeben, welche davon ihrer Meinung nach besonders wichtig seien. Mehr als drei Viertel der Befragten, 77 Prozent, nannten daraufhin den Flüchtlingsstrom aus Afrika, fast ebenso viele, 72 Prozent, den Terror des „Islamischen Staats“.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Eine Mehrheit verwies außerdem auf den Klimawandel, die Stabilität des Euros, die Integration von Einwanderern, die Sicherheit der Renten und die Krise in der Ukraine. Die Frage nach der Zulassung der gleichgeschlechtlichen Ehe wurde dagegen gerade einmal von 17 Prozent als besonders wichtiges Thema genannt. Es stand damit an letzter Stelle, noch hinter so komplexen und abstrakten Themen wie dem demographischen Wandel und dem geplanten Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten.

          Dieser Befund gilt für alle Bevölkerungsgruppen: Von den unter Dreißigjährigen nannten 20 Prozent die gleichgeschlechtliche Ehe ein besonders wichtiges Thema, von den Befürwortern der Homo-Ehe 20 Prozent, von den Wählern der Grünen 22 Prozent. Bei allen steht dieses Thema an letzter Stelle der Rangliste.

          Mehrheit für Gleichstellung

          In der Sache selbst hat sich in der Bevölkerung in den vergangenen Jahren aber ein deutlicher Meinungswechsel vollzogen. Seit dem Jahr 2000 hat das Allensbacher Institut wiederholt gefragt, wie man gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich behandeln sollte. Die Frageformulierung wurde dabei immer wieder der aktuellen Rechtslage angepasst, doch die vorgelegten Antwortvorgaben waren stets die gleichen. Dass gleichgeschlechtliche Paare Verheirateten rechtlich vollständig gleichgestellt werden sollten, meinten vor 15 Jahren nur 24 Prozent. Heute sind es 49 Prozent. Dass ihnen ein Teil der Rechte zugestanden werden sollte, die verheiratete Paare auch haben, sie mit diesen aber rechtlich nicht völlig gleichgestellt werden sollten, meinte damals wie heute rund ein Drittel der Bevölkerung. Der Anteil derer, die gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich nicht anerkannt sehen wollen oder gar grundsätzlich ablehnen, ist in der gleichen Zeit von 35 auf 17 Prozent gesunken.

          Weitere Themen

          Darf ich heiraten, Chef?

          Arbeitsrecht : Darf ich heiraten, Chef?

          Ein Arzt erstritt sich kürzlich das Recht, zum zweiten Mal heiraten zu dürfen, trotz eines katholischen Arbeitgebers. Auch anderswo versuchen Chefs immer wieder bei der Partnerwahl mitzumischen – in teilweise kuriosen Fällen.

          Topmeldungen

          Amerikas Präsident Donald Trump könnte nun Grund zur Zuversicht haben.

          Ermittlungen abgeschlossen : Entlastet Mueller Trumps Team?

          Der Sonderermittler Robert Mueller hat seinen Abschlussbericht vorgelegt. Dass es keine weiteren Anklagen in der Russland-Affäre gibt, ist eine gute Nachricht für Donald Trump.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.