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Jasper von Altenbockum (kum.)

Holocaust-Gedenken : Deutschlands Verantwortung

Reuven Rivlin, Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier im Bundestag. Bild: EPA

Taugt die Erinnerungskultur überhaupt, um tatsächlich zu verhindern, was sie verhindern will? Die vergangenen Tage lassen hoffen, dass Leute, die das auf fatale Weise verneinen, nicht triumphieren werden.

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          Welche Verantwortung auf Deutschland lastet, hat der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin in seiner Gedenkrede im Bundestag in wenigen Worten zum Ausdruck gebracht: „Wenn Juden hier nicht frei leben können, werden sie nirgendwo auf der Welt angstfrei leben können.“ Das sollte für Deutschland, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zuvor festgestellt hatte, Grund zur Demut sein.

          Denn Rivlins Satz ist Ausdruck der Versöhnung zwischen Deutschen und Juden, die aus deren Sicht nicht selbstverständlich ist, und er ist Ausdruck der Gründungsidee der Bundesrepublik: „Das Land, in dem die ,Endlösung’ erdacht wurde, hat die Verantwortung übernommen für den Schutz liberaler Werte, die vom Populismus bedroht werden“, sagte Rivlin. „Wenn Deutschland bei diesem Versuch scheitert, wird er überall in der Welt zum Scheitern verurteilt sein.“

          Wissen es aber die Deutschen besser als andere, wie man dieser Verantwortung gerecht wird? Steinmeier war in der Gedenkstätte von Auschwitz wie auch im Bundestag so ehrlich, angesichts von wiederkehrendem Antisemitismus, Nationalismus und Vogelschiss-Mentalität Zweifel zu äußern. Hier wie dort sagte er: „Meine Sorge ist, dass wir die Vergangenheit inzwischen besser verstehen als die Gegenwart.“ Das war Mahnung zur ständigen Überprüfung der Erinnerung. Denn taugt diese Erinnerungskultur überhaupt, um tatsächlich zu verhindern, was sie verhindern will?

          Steinmeiers Rede richtete sich angesichts dieser Frage besonders an die Abgeordneten, die rechts vor ihm saßen. Denn die AfD verneint die Frage auf fatale Weise. Unter den „Demokraten in diesem Haus“ sei man sich einig, sagte Steinmeier, dass die Auseinandersetzung mit der historischen Schuld zum Selbstverständnis der Nation gehöre.

          Dass es so bleibt, ist Sache der Wachheit nachwachsender Generationen. Diese Offenheit zu missbrauchen wird das bleibende Geschäft von Geschichtsvergessenen sein, die sich besonders geschichtsbewusst vorkommen. Gedenken wie die der vergangenen Tage lassen hoffen, dass es ihnen nicht gelingt.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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