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Oberlandesgericht Düsseldorf : Hohe Haftstrafen in Al-Qaida-Prozess verhängt

  • Aktualisiert am

Urteil: der Angeklagte Abdeladim El-K. in einer Aufnahme aus dem Juli im Düsseldorfer Gerichtssaal Bild: dpa

Im Düsseldorfer Al-Qaida-Prozess hat das Oberlandesgericht die vier Angeklagten zu Haftstrafen zwischen viereinhalb und neun Jahren verurteilt. Sie sollen im Auftrag Bin Ladins Terroranschläge geplant haben.

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          Im Düsseldorfer Al-Qaida-Prozess sind die vier Angeklagten zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Das Oberlandesgericht verhängte am Donnerstag Strafen zwischen viereinhalb und neun Jahren Haft.

          Das Gericht hatte mehr als zwei Jahre lang in dem Verfahren verhandelt und 162 Verhandlungstage absolviert. Der Hauptangeklagte Abdeladim El-K. bekam wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung einer staatsgefährdeten Straftat neun Jahre Haft. Ebenfalls wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung wurden Jamil S. zu sieben Jahren und Amid C. zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der vierte Angeklagte, Halil S., erhielt eine Strafe von viereinhalb Jahren wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.

          Die Wohngemeinschaft der jungen Muslime in der Nähe der Düsseldorfer Universität war rund um die Uhr observiert worden. Als die Aktivitäten in der Wohnung auf den Bau einer Bombe hindeuteten, wurden drei der Männer am 29. April 2011 festgenommen. Der vierte Angeklagte wurde später in Bochum verhaftet.

          Fünf Wochen später wurde im Versteck Usama bin Ladins in Pakistan ein Schreiben gefunden, das auf den Hauptangeklagten Abdeladim El-K. hinweist. Er soll mit dem Auftrag nach Europa entsandt worden sein, ein Blutbad anzurichten. In E-Mails an die Al-Qaida-Führung, die ihm zugeschrieben wurden, hieß es: „Oh, unser Scheich, wir halten noch unser Versprechen. Wir werden mit dem Schlachten der Hunde anfangen.“

          Der Senat unter Vorsitz von Richterin Barbara Havliza hatte in den vergangenen beiden Jahren 22 Sachverständige gehört und 145 Zeugen vernommen, darunter FBI-Beamte, Terrorfachleute und Geheimdienst-Chefs. Die Urteilsbegründung soll mehrere Stunden dauern.

          Düsseldorf : Mehrjährige Haftstrafen für „Düsseldorfer Zelle“

          Die Verteidiger hatten den - aus ihrer Sicht - nicht hinreichend aufgeklärten Einfluss von Geheimdiensten auf das Verfahren beklagt. Entsprechende Dokumente seien massiv geschwärzt worden, berichtete Rechtsanwalt Johannes Pausch, der „die gebotene Trennung zwischen geheimdienstlichen und polizeilichen Ermittlungen“ aufgeweicht sieht

          Die Düsseldorfer Al-Qaida-Zelle

          Drei der vier Angeklagten im Düsseldorfer Al-Qaida-Prozess sind in Nordrhein-Westfalen geboren und aufgewachsen.

          Abdeladim El-K. (33 Jahre alt) - Der Anführer der Düsseldorfer Zelle ist als einziger in Marokko geboren. 2001 kam er nach Deutschland. Er studierte in Bochum Mechatronik, musste Deutschland aber 2010 verlassen, weil er sein Aufenthaltsrecht verloren hatte. Im November 2011 kehrte er illegal ins Land zurück, um seine Terrorpläne zu verfolgen. Das Urteil: neun Jahre Haft

          Jamil S. (34) - Der Deutsch-Marokkaner wurde in Düsseldorf geboren und wuchs dort auf. Er schloss die Schule mit der Fachoberschulreife ab, absolvierte eine Lehre als Monteur und arbeitete bis zu seiner Festnahme. 2003 wurde er Deutscher. Das Urteil: sieben Jahre Haft.
          Amid C. (23) - Der jüngste Angeklagte ist Deutsch-Iraner, er ist im Ruhrgebiet geboren und in einer bürgerlichen Familie aufgewachsen. Bis zu seiner Festnahme war er Schüler. Seine Mutter verfolgte mehr als zwei Jahre lang den Prozess, war oft die einzige Zuschauerin im Saal. Das Urteil: fünfeinhalb Jahre Haft.

          Halil S. (30) - Der Deutsche ist in Gelsenkirchen geboren und aufgewachsen. Zuletzt wohnte er in Bochum. Dort studierte er und wurde in einem Studentenwohnheim festgenommen - acht Monate nach dem Zugriff in Düsseldorf. Als einziger der Angeklagten legte er ein Teilgeständnis ab - das allerdings nicht die Terrorvorwürfe betraf, sondern Internet-Betrügereien. Ihn verurteilte das Gericht wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung zu viereinhalb Jahren.

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