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Mordfall Susanna : Hoffnung auf Sühne

Polizeibeamte gehen an einer Bahnstrecke nahe Wiesbaden-Erbenheim entlang auf dem Weg zu einem Leichenfundort in einem Gebüsch. Bild: dpa

Dem im Mordfall Susanna F. tatverdächtigen Ali Bashar gelang die Flucht in den Irak. Dort wurde er von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen. Doch es gibt noch viele Fragen.

          6 Min.

          Das Gefühl der Sicherheit ist in diesen Tagen in Deutschland sehr ungleich verteilt. Im hessischen Wiesbaden, wo die ermordete Susanna F. gefunden wurde, erzählt ein Anwohner, er habe seiner jüngeren Schwester wegen der Tat untersagt, abends aus dem Haus zu gehen. Im sachsen-anhaltischen Quedlinburg hingegen ist das Gefühl der Sicherheit fast schon erdrückend. Die kleine Stadt am Nordrand des Harzes, auch sonst nicht gerade ein Hotspot des Gewaltverbrechens, gleicht in diesen Tagen einer Festung. Überall stehen Polizisten mit schusssicheren Westen, dazu laufen etliche Herren in dunklen Anzügen und Knopf im Ohr durch die Innenstadt oder lehnen sich an ihre gepanzerten Limousinen. Die Innenminister der 16 Bundesländer sind in der Fachwerkstadt mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zu einer der vielleicht wichtigsten Innenministerkonferenzen der vergangenen Jahre zusammengekommen.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Nicht nur die Ankerzentren für Asylbewerber stehen auf der Tagesordnung, auch der Skandal beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), die steigende Zahl von Messerangriffen und, und, und. Dem Sog der Gewalttat von Wiesbaden können sich aber auch die versammelten Innenminister nicht entziehen. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) erstattet Bericht über den Mord und die Kette von Fehlern, Langatmigkeiten und Schludereien, die es zuvor bei den Behörden gab, über die draußen gerade die Öffentlichkeit hitzig diskutiert.

          Frage, ob es „Behördenversagen“ war

          Alle Minister sind sich bewusst, dass dieser Fall ihre Tagesordnung überschattet. Noch allerdings sei das Lagebild „bruchstückhaft“, sagt ein Minister. Die Politiker wissen aber auch, dass die junge Susanna durch die Festnahme ihres mutmaßlichen Mörders nicht wieder lebendig wird und Fragen an die Politik und die Sicherheitsbehörden bleiben. Er verstehe schon, dass es vielen Bürgern unerklärlich sei, wie der mutmaßliche Täter binnen kürzester Zeit in das Land ausreisen konnte, aus dem er zuvor nach Deutschland angeblich als Flüchtling gekommen sei und auch nicht wieder dorthin abgeschoben werden konnte, sagt Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU). Es könne auch nicht angehen, dass „Gerichtsverfahren Jahre dauern und in dieser Zeit so etwas passiert“. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hingegen bittet um ein wenig „Abwarten“ in dem Fall. Es sei schon bezeichnend für die Stimmung im Land, dass niemand genau wisse, was passiert sei, aber trotzdem viele bereits nach Gesetzesänderungen riefen, klagt der SPD-Politiker.

          Trauerbekundungen in der Nähe des Ortes, wo die Leiche von Susanna gefunden wurde.
          Trauerbekundungen in der Nähe des Ortes, wo die Leiche von Susanna gefunden wurde. : Bild: dpa

          In Wiesbaden dagegen, jenem Ort, an dem die 14 Jahre alte Susanna mutmaßlich ermordet wurde, werden nun die Fragen lauter, ob die Polizei nicht deutlich früher auf den dringend des Mordes verdächtigen Asylbewerber Ali Bashar hätte aufmerksam werden müssen, der sich im Laufe der Ermittlungen in den Irak abgesetzt hatte. So spricht etwa der Innenpolitiker Wolfgang Greilich (FDP) von einer „Reihe von Ungereimtheiten“. Es müsse die Frage beantwortet werden, ob es ein „Behördenversagen“ gegeben hat.

          Derlei Fragen fallen in der Rückschau stets leicht, zeigen sich doch mittlerweile eine ganze Reihe von Puzzlestücken, die früh auf den Tatverdächtigen hinwiesen. Doch die Polizei sah sie zunächst nicht. Zu lange? Fest steht bisher nur: Die Suche nach dem Mädchen dauert quälend lange. Schon in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai kommt Susanna F. nicht nach Hause. Am Morgen des 23. Mai meldet ihre Mutter sie bei der Polizei als vermisst und veröffentlicht auf Facebook eine Suchmeldung. Auch schreibt sie der „Bild“-Zeitung zufolge auf ihrer Facebook-Seite über ihre Tochter: „Seit sie vor ca drei Monaten diese Clique in Wiesbaden kennengelernt hat ist sie wie ausgewechselt (sic)“.

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