https://www.faz.net/-gpf-9b06n

Mordfall Susanna : Hoffnung auf Sühne

Wenn die Familie unter einem anderen Namen in ihre Heimat zurückfliegt, als unter jenem, mit dem sie in Deutschland gemeldet war, liegt die Vermutung nahe, dass der hier bekannte Name falsch ist. Die Familie habe bei der Einreise in Deutschland Passdokumente vorgelegt, die in Ordnung gewesen seien, heißt es dazu von der Wiesbadener Staatsanwaltschaft. Es gäbe keine Hinweise, dass sie hierzulande unter falschem Namen gelebt hätten. Warum aber gab es bei vorhandenen Pässen dann Laissez-passer-Papiere?

Auch die Tatsache, dass gegen Bashar bereits mehrere Verfahren laufen, unter anderem wegen schweren Raubes, wirft Fragen nach der Polizeiarbeit auf. Zudem beschuldigte am 11. Mai ein elf Jahre altes Flüchtlingsmädchen einen Ali aus der Unterkunft am Kreuzberger Ring in Wiesbaden, in der Bashar lebte, sie sexuell missbraucht zu haben. Die Polizei ging den Hinweisen nach, legte den Fall dann aber offenbar zu den Akten. Die Beweislage, sagt dazu ein Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft dieser Zeitung am Freitag, sei „dünn“ gewesen. In der Unterkunft habe es „vier bis fünf Alis“ gegeben. Zu diesem Zeitpunkt war Bashar noch im Land. Weiterhin heißt es von der Polizei, Susanna habe sich mit Bashars Bruder eine Beziehung vorstellen können. Doch habe dieser das nicht erwidert. Ob sie auch Bashar selbst kannte, bleibt unklar.

Hätte Bashar abgeschoben werden müssen?

Hätte Bashar angesichts der laufenden Verfahren in Untersuchungshaft genommen werden müssen? Die Vorwürfe hätten dafür nicht ausgereicht, heißt es von der Oberstaatsanwaltschaft Wiesbaden. Für Haftgründe seien bei Heranwachsenden besonders strenge Maßstäbe anzulegen. „Das kriegen sie bei keinem Gericht durch.“

Hätte er abgeschoben werden müssen? Bashar hatte im Oktober 2016 einen Asylantrag in Gießen gestellt, der im darauffolgenden Dezember negativ beschieden wurde. Daraufhin legte ein Wiesbadener Rechtsanwalt Klage ein. Das Verfahren läuft nach Polizeiangaben noch. Erst nachdem es abgeschlossen und die Entscheidung negativ gefallen ist, Bashar also „vollziehbar ausreisepflichtig“ wäre, dürfte er abgeschoben werden.

Zunächst hatte es von der Polizei geheißen, neben Bashar werde ein 35 Jahre alter türkischer Asylbewerber ebenfalls dringend der gemeinschaftlichen Vergewaltigung und des Mordes beschuldigt. Der Mann war festgenommen und verhört worden. Am Donnerstagabend ließ ihn die Polizei jedoch wieder frei. „Er war vermutlich zur Tatzeit nicht am Tatort“, heißt es dazu von der Staatsanwaltschaft am Freitag. Aus heutiger Sicht sei damit keine direkte Tatbeteiligung wahrscheinlich. Damit konzentrieren sich alle Ermittlungen auf Bashar.

Was den Iraker betrifft, so erreicht in Quedlinburg den Bundesinnenminister während der abschließenden Beratungen der Konferenz am Freitagvormittag ein Anruf. Ihm wird mitgeteilt, dass der mutmaßliche Täter um zwei Uhr nachts von kurdischen Sicherheitskräften im Irak festgenommen worden ist. Wenig später kann der CSU-Politiker dann die Nachricht der Öffentlichkeit verkünden. Ausdrücklich lobt Seehofer die gute Zusammenarbeit mit den kurdischen Sicherheitsbehörden. „Das mit der Auslieferung läuft jetzt nach den internationalen Regeln“, sagt er. Und: Es sei gut, dass sich „niemand mehr auf dieser Erde sicher fühlen kann, der so etwas getan hat“. Nun dürfe man auf „Sühne“ für das furchtbare Verbrechen hoffen.

Weitere Themen

Iran veröffentlicht Kaperung des Tankers Video-Seite öffnen

London droht mit Sanktionen : Iran veröffentlicht Kaperung des Tankers

Iran hatte den Tanker beschlagnahmt, weil er in einen Unfall mit einem Fischerboot verwickelt gewesen sein soll und dessen Notruf ignoriert habe. Großbritannien beklagt einen Verstoß gegen das Völkerrecht – und droht mit Konsequenzen.

Topmeldungen

Spitzenfrauen : Harmonie auf Zeit

Nachdem die Personalien geklärt sind, geht es politisch bald ans Eingemachte: Mindestlohn, Arbeitslosenversicherung, Rüstungsexporte. Die mächtigsten Frauen Europas – Kramp-Karrenbauer, von der Leyen und Merkel – könnten sich dabei in die Quere kommen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.