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Mordfall Susanna : Hoffnung auf Sühne

Mutter erhält Hinweise per Whatsapp

Die Polizei Mainz behandelt die Angelegenheit zunächst als Vermisstenfall. Dafür gibt es mehrere Gründe. Das Mädchen schwänzt nach Polizeiangaben seit Februar die Schule. Auch erhält ihre Mutter am 24. Mai eine Whatsapp-Nachricht. Darin heißt es: „ich bin mit meinem Freund in Paris – such mich nicht“. Später wird klar: Die Nachricht stammt nicht von Susanna. Zu diesem Zeitpunkt ist sie längst tot. Am 29. Mai bekommt die Mutter dann von einer Bekannten die Mitteilung, ihre Tochter sei tot, die Leiche liege an den Bahngleisen. Der Hinweis sollte sich als richtig erweisen. An den Bahngleisen macht die Polizei dann auch am Mittwoch den schrecklichen Fund. Damals, nach der Nachricht im Mai, wird die Polizei informiert, doch die Hinweisgeberin ist „nicht zu ermitteln“, da „auf Kurzurlaub“ und nicht erreichbar, wie Wiesbadens Polizeipräsident Stefan Müller am Donnerstag ausführte. Trotzdem dauert es nach der Nachricht noch mehr als eine Woche, bis die Leiche gefunden wird. Eine Woche, die Bashar mit seiner gesamten Familie, den Eltern und den fünf Geschwistern, nutzt, um sich in den Irak abzusetzen.

Erst am 30. Mai wird der Fall an die Polizei in Wiesbaden überstellt. Eine Sprecherin der Polizei in Mainz will sich dazu nicht äußern und verweist auf die Staatsanwaltschaft in Wiesbaden. Deren Sprecher, Oberstaatsanwalt Andreas Winckelmann, sagt, man habe lange gehofft, das Mädchen lebend zu finden. Daher sei die Angelegenheit lange als „Vermisstenfall“ geführt worden. Wann genau welcher Hinweis wie behandelt wurde, dazu könne man zu diesem Zeitpunkt keine Angaben machen. „Das wird alles noch ermittelt.“

Am 1. Juni veröffentlicht die Mutter von Susanna F. einen „Hilferuf“ an die Bundeskanzlerin auf Facebook. Darin erhebt sie den Vorwurf: „Wie kann es sein, dass die Polizei sich 5 Tage Zeit lässt und nichts tut und nur Dank unserer Rechtsanwältin endlich eine Handyortung sowie öffentliche Fandung (sic) veranlasst?“.

Ausreise mit Laissez-passer-Papieren

Ein junger Flüchtling ist es dann ausgerechnet, der die Polizei auf die heiße Spur führt und Bashar beschuldigt. Am 3. Juni kommt der Junge in ein Wiesbadener Revier und sagt, Bashar habe Susanna vergewaltigt und ermordet. Er hat die Information von Bashar selbst. Doch die Polizei findet Bashars Zimmer in der Unterkunft im Gewerbegebiet von Wiesbaden-Erbenheim leer vor. Ab dem 4. Juni wird nach ihm gefahndet. Ein Großaufgebot der Polizei durchkämmt immer wieder die Gegend um Wiesbaden-Erbenheim. Zu diesem Zeitpunkt geht die Angst um in der Stadt.

Dabei ist der mutmaßliche Täter zu diesem Zeitpunkt längst außer Landes. Er fliegt gemeinsam mit seiner Familie bereits am 2. Juni von Düsseldorf nach Istanbul und von dort einen Tag später weiter nach Arbil im Irak. Nach Polizeiangaben bucht die Familie die Tickets unter einem anderen Namen als jenem, der in den arabischsprachigen Laissez-passer-Papieren sowie in den deutschen Aufenthaltsdokumenten aufgeführt ist, die sie bei der Ausreise vorlegen. Laissez-passer-Papiere sind Passersatzpapiere, die die Bundesrepublik ausstellen kann, wenn keine Pässe vorliegen. Damit können etwa Asylbewerber ausreisen oder auch abgeschoben werden, deren Antrag abgelehnt wurde. Doch am Flughafen Düsseldorf vergleicht die Bundespolizei offenbar nicht die Namen auf den Dokumenten mit jenen auf den Tickets.

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