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Baden-Württemberg : Unbekannter greift Oberbürgermeister an

  • Aktualisiert am

Der Hockenheimer Oberbürgermeister Dieter Gummer steht seit 2004 an der Rathausspitze. Am 15. Juli 2019 wurde der SPD-Kommunalpolitiker von einem Unbekannten attackiert. Bild: dpa

Wieder wird ein Stadtoberhaupt angegriffen. Mit schweren Verletzungen liegt Hockenheims Oberbürgermeister Gummer im Krankenhaus. Die Polizei sucht nach dem Täter.

          Der Oberbürgermeister von Hockenheim in Baden-Württemberg ist von einem Unbekannten angegriffen und verletzt worden. Das teilte das Polizeipräsidium Rheinpfalz am Dienstag mit. Der Angreifer habe am Montagabend am Haus des 67 Jahre alten Dieter Gummer (SPD) im rheinland-pfälzischen Böhl-Iggelheim nahe Mannheim geklingelt. Der SPD-Politiker sei laut Polizei zur Tür gegangen und schließlich nach unten in den Hof seines privaten Anwesens, weil ihn der Fremde am Tor um ein Gespräch gebeten habe. Auf dem Hof habe der unbekannte Mann zum Angriff angesetzt. Unvermittelt sei der Schlag gewesen und hart. Gummer verlor das Gleichgewicht, stürzte und schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf.

          Der Politiker erlitt einen Kieferbruch und kam ins Krankenhaus. Der Täter verließ den Tatort zu Fuß. Die Motivlage sei unklar, sagte ein Sprecher der Polizei. Aufschluss über Täter und Motiv sollen nun die Ermittlungen der Kripo Ludwigshafen bringen.

          Der Hockenheimer Bürgermeister Thomas Jakob-Lichtenberg äußerte sich schockiert und entsetzt über den Angriff auf Gummer. „Über den konkreten Tathergang und über den Täter wissen wir derzeit nicht viel“, erklärte Jakob-Lichtenberg in der baden-württembergischen Kreisstadt. „Die Polizei ermittelt in der Sache“, fügte der Bürgermeister hinzu. „In diese Ermittlungsarbeit haben wir vollstes Vertrauen. Wir verurteilen diesen feigen Angriff auf Dieter Gummer auf das Schärfste.“

          Polizei sucht nach Täter

          Gummer ist in der Kommunalpolitik ein alter Hase. Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist er dort unterwegs – in Ludwigshafen, Haßloch und Mannheim, seit 2004 als Stadtoberhaupt in Hockenheim im Rhein-Neckar-Kreis. Er scheidet demnächst altersbedingt aus dem Amt aus. Über seine Nachfolge entscheiden die Bürger von Hockenheim bei der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag. Im Rennen um das Rathaus des Motorsport-Orts Hockenheim hatte sich bei der ersten Abstimmung keiner der fünf Kandidaten durchsetzen können.

          Von dem mutmaßlichen Täter veröffentlichte die Polizei folgende Beschreibung: männlich, etwa 40 Jahre alt, etwa 1,65 m groß, dunkelhäutig und schlank. Der Mann habe kurze schwarze Haare und deutsch mit leichtem Akzent gesprochen. Bekleidet war er demzufolge mit einer schwarzen Hose und einer roten Jacke.

          Nach Angaben des Städtetags gab es im vergangenen Jahr mehr als 1200 politisch motivierte Straftaten gegen Amtsträger. In den vergangenen Wochen hatten Angriffe, Drohungen und Beleidigungen gegen Kommunalpolitiker in Deutschland abermals für eine starke Debatte gesorgt. Unter anderem waren Forderungen nach härterer Strafverfolgung laut geworden.

          Die Debatte um die Sicherheit der Kommunalpolitiker war angestoßen worden durch den gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der am 2. Juni vor seinem Haus erschossen worden war. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der 45 Jahre alte Stephan E. hatte die Tat zunächst gestanden, später aber sein Geständnis widerrufen. Auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, der Bürgermeister des sauerländischen Altena und weitere deutsche Politiker haben bereits Morddrohungen erhalten.

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