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Nach der Hochwasserkatastrophe : „Irgendwann funktioniert man nur noch“

  • -Aktualisiert am

Blick über das überschwemmte Altenburg Bild: Lucas Bäuml

In der Eifel stand nahezu jedes Dorf an Nims, Prüm und Kyll unter Wasser. Erst jetzt sieht man das Ausmaß der Zerstörung.

          4 Min.

          Edith Reinert wohnt nur wenige Meter von ihren Nachbarn entfernt. Sie rechts der Prüm, die anderen links davon. Eine Brücke trennt die beiden Häuser voneinander – normalerweise. Doch seit Mittwoch ist in Waxweiler im Eifelkreis Bitburg-Prüm nichts mehr, wie es war. Stundenlanger Dauerregen ließ gegen 17 Uhr den Pegelstand von Prüm und Weiherbach ansteigen, die durch den Ortskern fließen. Die kleinen Flüsse wurden zu einem reißenden Strom. Über 50 Häuser standen unter Wasser. Die beiden Familien wurden in ihren Häusern eingeschlossen.

          „Das Haus hat gezittert“

          Für Reinerts Nachbarn, die rechts der Prüm wohnen, waren es Stunden voller Angst. Weil das Gemäuer der alten Mühle einzustürzen drohte, mussten sie sich auf das Hausdach retten, sagt Wehrführer Stefan Hagedorn, der den Einsatz in Waxweiler koordiniert: „Das Haus hat gezittert.“

          Er und die Hilfskräfte versuchten alles, um die drei zu retten. Doch weder ein Boot noch Strömungsschwimmer der DLRG kamen gegen die Wassermassen an. Auch der Rettungsversuch mit einem Kran scheiterte. Gegen 4 Uhr morgens forderten die Kräfte einen Rettungshubschrauber an – weil keiner verfügbar war, musste die Familie auf dem Dach ausharren, bis die Bundespolizei sie gegen 12 Uhr mittags via Luft in Sicherheit bringen konnte.

          Autos stehen bei Erftstadt auf der überfluteten Bundesstraße 265 im Wasser. Bilderstrecke
          Hochwasserkatastrophe : Bilder wie aus einer anderen Welt

          Dort, wo früher das andere Ufer der Prüm war, streckt Edith Reinert den Kopf aus ihrem Fenster. Aus dem zweiten Stock schaut sie entsetzt dem Treiben vor ihrem Haus zu, das wie ein Fels aus den Wassermassen herausragt. In ihrem Hof steht noch immer knietief das Wasser, die Haustür ist verrammelt. Auf den Straßen liegt Schlamm, Treibgut, Unrat. Ein Feuerwehrschlauch pumpt überflutete Keller der Nachbarschaft leer.

          Ein halbes Dutzend Feuerwehrkräfte steht ratlos vor dem, was von der ehemaligen Brücke übrig geblieben ist. Die Fluten haben einen Baum und eine 16 Tonnen schwere Holzbrücke etwa einen Kilometer lang mitgerissen, ehe sie in die Brücke im Ortskern von Waxweiler krachten. Ein paar Meter weiter fand ein Traktor an einer Hauswand Halt. Hagedorn schüttelt den Kopf. „Es war nichts mehr zu halten.“

          All das spielt sich direkt vor dem Zuhause von Reinert ab. Und trotzdem ist Gehen für sie keine Option. „Ich bleibe hier“, ruft sie vom Fenster herunter, um das Tosen des Wassers zu übertönen. Denn mit ihr im Haus ist ihre 92-jährige Mutter, bettlägerig und fast blind. Eine Evakuierung, „das wollte ich ihr einfach nicht antun“. Und in Gefahr sei das Haus nicht. Doch die Schlammreste an den Fenstern im Erdgeschoss zeigen: Auch bei ihnen stand das Wasser zwei Meter hoch.

          „Wir konnten ihnen einfach nicht helfen“

          Rund 30 Kilometer weiter in Messerich durchlebten drei Rettungskräfte Ähnliches: Helfer blieben in den reißenden Wassermassen stecken. „Wir konnten ihnen einfach nicht helfen. Das war das Schlimmste für mich. Mir standen die Tränen in den Augen“, sagt Willi Schlöder, Katastrophenschutzinspektor des Landkreises. Fünf Stunden harrten sie auf dem Dach des Fahrzeuges aus. Dass das so lange gut ging, grenze an ein Wunder, so Schlöder: „Wir dachten, das Auto wird jede Sekunde mitgerissen.“ Im letzten Moment konnten die drei mit einem Bagger gerettet werden.

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