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„Historische Sondersituation : „Nachsteuern“ beim G-8-Abitur

  • -Aktualisiert am

G8 leichter als G9? Die Abiturienten des Anton-Bruckner-Gymnasiums in Straubing dürfte es freuen. Bild: dpa

Bayern hat nachträglich für die Schüler des achtjährigen Gymnasiums (G 8) die Anforderungen für das Bestehen des Abiturs gesenkt. Kultusminister Spaenle verteidigte das „Nachsteuern“.

          Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hat am Donnerstag seine Entscheidung verteidigt, für die Schüler des achtjährigen Gymnasiums (G 8) nachträglich die Anforderungen für das Bestehen des Abiturs zu senken. Da es sich um den ersten Abschlussjahrgang des G 8 handele, sei es angemessen gewesen, nach den schriftlichen Abiturprüfungen einzugreifen, sagte Spaenle im Landtag. Der Wechsel vom einer neun- zu einer achtjährigen Gymnasialzeit sei eine „historische Sondersituation“, die eine „Nachsteuerung“ rechtfertige; das sei ein besserer Weg gewesen als erst beim nächsten Abiturientenjahrgang zu reagieren. Die Opposition warf der CSU/FDP-geführten Staatsregierung vor, verdecken zu wollen, dass der Übergang vom neunjährigen Gymnasium (G 9) zum G 8 „holpriger“ verlaufe als versprochen. Zugleich wurde aber auch von den Oppositionsfraktionen SPD, Grüne und Freie Wähler gutgeheißen, dass den Schülern, die durch die Einführung des G 8 in besonderen Belastungen ausgesetzt gewesen seien, entgegengekommen werde.

          Nach den ursprünglichen Vorgaben mussten Schüler zum Bestehen des Abiturs eine Mindestpunktzahl von fünf Punkten in zwei der drei Pflichtfächer (Deutsch, Mathematik und Fremdsprache) erreichen. Nach der neuen Regelung, die das Kultusministerium nach der Korrektur der schriftlichen Abiturprüfungen in Kraft setzte, reicht es, in einem drei der Pflichtfächer fünf Punkte und in einem weiteren vier Punkte zu erzielen; zugleich müssen in drei der insgesamt fünf Prüfungsfächer fünf Punkte erreicht werden. Spaenle hob im Landtag hervor, dass sein Ministerium weder in die Korrektur der Abiturarbeiten noch in die Notengebung eingegriffen habe. Es sei nur bei den Anforderungen für das Bestehen „nachgesteuert“ worden.

          G8-Abitur fällt besser aus als G9

          Die Zahl der Schüler, die von dem Absenken der Anforderungen profitiert haben, konnte Spaenle noch nicht angeben; die Abiturprüfungen in Bayern werden an diesem Freitag mit den letzten mündlichen Prüfungen abgeschlossen. Es zeichne sich ab, dass das Abitur des G 8 deutlich besser ausfalle als des G 9, sagte der Kultusminister; nach einer Stichprobe in knapp einem Drittel der Gymnasien sei mit einem landesweiten Abiturdurchschnitt der Absolventen des G 8 zwischen 2,2 und 2,3 zu rechnen; im G 9 habe der Durchschnitt über lange Jahre bei 2,4 gelegen. Mit signifikanten Unterschieden sei auch bei den besonders begabten Abiturienten zu rechnen; die Zahl der Absolventen, die einen Notendurchschnitt zwischen 1,0 und 1,5 erreichten, werde beim G 8 im Vergleich zum G 9 voraussichtlich um vierzig Prozent zugenommen haben. „Ich freue mich, dass so viele Schülerinnen und Schüler ein sehr gutes Abiturzeugnis am achtjährigen Gymnasium erworben haben – allen Unkenrufen zum Trotz“, sagte Spaenle.

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