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Hochrechnungen in Bayern : Historische Verluste für CSU und SPD

  • Aktualisiert am

Herbe Niederlage: Markus Söder auf der CSU-Wahlparty im Münchner Landtag Bild: dpa

Das prophezeite Wahldebakel für die CSU ist eingetreten: Sie stürzt ebenso wie die SPD ab und verliert die absolute Mehrheit. Die Grünen werden zweitstärkste Kraft – und die AfD erzielt ein zweistelliges Ergebnis.

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          Die CSU hat bei der bayerischen Landtagswahl am Sonntag ihre absolute Mehrheit verloren und eines der schlechtesten Ergebnisse ihrer Geschichte erzielt. Laut Hochrechnungen erhält die Partei lediglich 37,3 Prozent der Stimmen. Im historischen Vergleich ist 1950 damit das einzige Wahljahr der Nachkriegsgeschichte, in dem die CSU mit damals 27,6 Prozent noch schlechter abschnitt als bei der aktuellen Wahl. Bei der vergangenen Wahl hatte sie noch mit 47,7 Prozent die absolute Mehrheit erreicht.

          Zweitstärkste Kraft im Landtag werden wie erwartet die Grünen mit rund 17,8 Prozent, das bedeutet nahezu eine Verdopplung ihres vorherigen Ergebnisses und das mit Abstand beste Ergebnis in Bayern seit Gründung der Partei.

          Die SPD setzt ihre Abwärtsentwicklung bei vergangenen Wahlen fort und erzielt in den Hochrechnungen 9,5 Prozent der Stimmen, was im Vergleich zur Landtagswahl von 2013 einer Halbierung ihres Ergebnisses und einem Verlust von mehr als zehn Prozentpunkten entspricht. Es ist das mit Abstand schlechteste Wahlergebnis der bayerischen SPD seit 1946.

          AfD nun fast in allen Landtagen vertreten

          Die AfD zieht bei dieser Wahl erstmals in den bayerischen Landtag ein und ist nun mit der Ausnahme von Hessen in allen deutschen Landesparlamenten vertreten. Sie erreicht 10,7 Prozent und bleibt damit unter ihrem in Bayern erzielten Ergebnis bei der vergangenen Bundestagswahl von 12,4 Prozent.

          Nichts zu feiern: CSU-Anhänger bei der Wahlparty am Sonntag in München.

          Auf die Freien Wähler entfallen 11,6 Prozent der Stimmen, was im Vergleich zu dem Ergebnis der vorherigen Wahl einem Zugewinn von rund zwei Prozentpunkten entspricht.

          Die FDP erlebte am Wahlabend eine Zitterpartie nahe der Fünfprozenthürde, sie kommen aktuell auf genau 5 Prozent.

          Der Linken hingegen sind abermals an der Fünfprozenthürde gescheitert. Sie kommen nur auf 2,9 Prozent der Stimmen, was aber immerhin einem Zuwachs von 0,8 Prozent im Vergleich zum Ergebnis der vergangenen Landtagswahl entspricht.

          Daraus ergibt sich folgende Sitzverteilung: CSU 83, SPD 20, Grüne 38, Freie Wähler 25, AfD 23 und FDP 11. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 71,8 Prozent und war damit deutlich höher als bei der vergangenen Landtagswahl mit 63,9 Prozent.

          Welche Koalitionen möglich sind

          Die CSU, die Bayern seit 1962 mit Ausnahme der Wahlperiode 2008 bis 2013 allein regiert hat, muss sich nun einen Koalitionspartner suchen. Um als Ministerpräsident im Amt zu bleiben, könnte der CSU-Spitzenkandidat Markus Söder eine Koalition mit den Grünen eingehen. Eine solche Koalition galt vor der Wahl wegen inhaltlicher Differenzen gleichwohl als unwahrscheinlich.

          Naheliegender ist bisher eine Koalition der CSU mit den Freien Wählern. Ob diese beiden Parteien im neuen Landtag allein eine Mehrheit haben würden, ging aus den ersten Prognosen zunächst nicht hervor. Reicht die Zahl ihrer Mandate nicht, steht die Möglichkeit eines Dreierbündnisses von CSU, Freien Wählern und der FDP im Raum.

          Söder: Die Grünen inhaltlich weit von uns entfernt

          Nach dem schlechten Abschneiden der CSU hat der amtierende Ministerpräsident Markus Söder angekündigt, dass er das Ergebnis „mit Demut“ annehmen wolle. „Aber eines steht auch fest: Entgegen mancher Prognosen, entgegen mancher Diskussionen, mancher Kommentare - die CSU ist nicht nur wieder stärkste Partei geworden, sie hat auch den klaren Regierungsauftrag erhalten.“ Seine Priorität für die anstehenden Koalitionsgespräche sei ein bürgerliches Bündnis. „Die Grünen sind inhaltlich weit von uns entfernt“, sagt Söder in der ARD. Er werde aber mit allen Parteien über eine mögliche Koalition reden, mit Ausnahme der AfD. Der Frage nach politischer Verantwortung für das schlechte CSU-Ergebnis weicht Söder aus. Die CSU werde in den kommenden zwei Tagen intensiv beraten, wie es weitergehe.

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