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SPD-Kommentar : In den Brunnen geworfen

  • -Aktualisiert am

Stolze Vergangenheit: Willy-Brandt-Statue in der SPD-Parteizentrale in Berlin Bild: dpa

Die Erinnerung an das eigene historische Erbe ist für die SPD zum Ballast geworden. Doch die Genossen sollten nicht vergessen, wie tief ihre Gegenwart und Zukunft in der Vergangenheit wurzeln.

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          Keine deutsche Partei hat ihre eigene Geschichte so verehrt wie die sozialdemokratische. Doch jetzt ist ihr das Erinnern zum Ballast geworden. Andrea Nahles und der Parteivorstand haben klammheimlich, indes nicht unbemerkt, die Historische Kommission aufgelöst. Das Gremium hat sich fast 40 Jahre lang mit der Parteigeschichte befasst und den Vorstand beraten. Allerdings war die „HiKo“ zuletzt ein personell methusalemisiertes und unproduktives Gremium, dessen gelegentliche Publikationen in der Partei zuweilen als „interner Mumpitz“ bezeichnet wurden. Dass nun der SPD-Kassenwart beauftragt wurde, das historische Erbe zu verwalten, wirkte dennoch zynisch. Entsprechend groß war die Aufregung.

          Erinnern wurde in der SPD stets großgeschrieben. Das gilt schon für Gründervater August Bebel, dessen goldene Uhr als Parteireliquie in einem Tresor aufbewahrt wird und der Legende nach den jeweiligen Vorsitzenden zusteht. Vor kurzem hat die Sozialdemokratie ausgiebig ihren 150. Geburtstag gefeiert. Die Historische Kommission wirkte als akademisches Festkomitee, Sigmar Gabriel flocht die Girlanden. Ein wenig Melancholie war auch dabei. Ein runder Geburtstag von Karl Marx ruft ebenfalls die Vorsitzenden zum Geburtshaus nach Trier. Und um das Erbe von Rosa Luxemburg streiten Sozialdemokraten und Kommunisten seit fast hundert Jahren. Ohne Sozialdemokraten wäre Deutschland im 19. Jahrhundert nicht zu der erfolgreichen Fortschrittsgesellschaft geworden, die Bismarck unbedingt verhindern wollte.

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