https://www.faz.net/-gpf-9k56g

Freund von Anis Amri : Hinrichtungsszenen in Berliner Flüchtlingsheim nachgestellt

  • Aktualisiert am

20. Dezember 2016: Schaulustige vor dem Lastwagen, mit dem der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt verübt wurde Bild: dpa

Ein Freund des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri hat Kinder Hinrichtungsszenen des IS nachstellen lassen. Der Islamist Bilal Ben Ammar hielt sie in einem Video fest.

          2 Min.

          Ein enger Freund des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri hat in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft mit Kindern Hinrichtungen durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) nachgestellt. Das geht aus einem Vermerk des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor, den die Deutsche Presse-Agentur einsehen konnte.

          Bilal Ben Ammar, der als enger Vertrauter Amris beschrieben wird, hielt die Szene am 13. September 2016 in der Unterkunft in der Berliner Motardstraße in einem Video fest. Es zeigt den Angaben zufolge einen syrischen Jugendlichen, der an Händen und Füßen gefesselt auf dem Boden liegt und von einem Kleinkind mit einem Plastikschwert geschlagen wird. Ben Ammar verglich das mit der Folterung von Muslimen in Burma und forderte das Kleinkind dazu auf, zuzuschlagen. Die Ermittler notierten: „Danach forderte Ben Ammar das Kind auf, angsteinflößend zu brüllen und zeigte, wie man einen „gefangenen Kriminellen des Assad-Regimes“ befragt, bis dieser seine Verbrechen gesteht.“ Zuletzt habe er an dem Jugendlichen eine Enthauptung imitiert.

          Frühere Bewohner der Unterkunft sagten dem Vermerk zufolge aus, Ben Ammar habe sich als Islamist zu erkennen gegeben. Im Kontakt mit der Heimleitung und den Sozialarbeitern habe er sich aber „kooperativ verhalten“ und sei nicht aufgefallen.

          Unter falschen Namen mehrmals Asyl beantragt

          Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert und den Fahrer umgebracht. Mit dem Fahrzeug raste der Tunesier auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz, wo er weitere Menschen tötete. Nach dem Attentat floh er nach Italien, wo ihn die Polizei erschoss. Am Vorabend des Anschlags traf er Ben Ammar. Der wurde am 1. Februar 2017 nach Tunesien abgeschoben, wo seine Ehefrau mit den beiden gemeinsamen Kindern lebte.

          Ben Ammar fiel in Deutschland durch Diebstähle, Rauschgiftdelikte und Sozialhilfebetrug auf, die Behörden stuften ihn als islamistischen Gefährder ein. Er hatte sich unter verschiedenen Namen als Asylbewerber registrieren lassen und zahlreiche Straftaten verübt. Das geht aus dem Schreiben eines Beamten des Bundesinnenministeriums an eine Kollegin vom 16. Januar 2017 hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

          In der E-Mail an die damalige Staatssekretärin und heutige Botschafterin in Washington, Emily Haber, geht es darum, dass Ben Ammar möglichst bald abgeschoben werden sollte. Der Beamte zitiert darin Innenstaatssekretär Hans-Georg Engelke, indem er schreibt: „Das Verhetzungspotential (ein Begriff von Herrn Engelke, den ich sehr treffend finde) in dem Sachverhalt ist wieder enorm, allein schon wegen seiner 12 Aliasse“. Einer Namensliste zufolge nannte sich der Tunesier Ben Ammar unter anderem Fathi Mheni, Abu Bakir Muawed und Ahmad Hassan. Er gab sich mal als Marokkaner, mal als Ägypter und dann wieder als Libyer aus.

          Ben Ammar war nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden 2014 zusammen mit anderen Tunesiern per Boot nach Italien und dann über die Schweiz nach Deutschland gekommen. Ben Ammar beantragte unter anderem in Chemnitz Asyl. Der Untersuchungsausschuss des Bundestages, der mögliche Fehler der Behörden rund um Amris Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin aufklären soll, will Ben Ammar wahrscheinlich demnächst als Zeugen vernehmen. Ob er in Berlin oder Tunesien befragt werden soll, ist noch nicht entschieden.

          Weitere Themen

          „Juneteenth“ zum Gedenken an das Ende der Sklaverei Video-Seite öffnen

          Amerikanischer Feiertag : „Juneteenth“ zum Gedenken an das Ende der Sklaverei

          In Amerika ist der 19. Juni, an dem unter dem Namen „Juneteenth“ an das Ende der Sklaverei erinnert wird, fortan ein nationaler Feiertag. Der amerikanische Präsident Joe Biden unterzeichnete im Weißen Haus ein entsprechendes Gesetz, das vom Kongress mit überwältigender Mehrheit beschlossen worden war.

          Topmeldungen

          Menschen in Lissabon im Juni

          Lissabon wegen Corona gesperrt : Schlechte Erinnerungen an den Januar

          Weil auch die letzte Corona-Welle in Lissabon ihren Anfang nahm, wird die Stadt am Wochenende größtenteils abgeriegelt. Nur noch mit triftigem Grund darf sie betreten oder verlassen werden.
          Hier fließt der Strom: Eine Ladesäule in Rom

          Auf langen Strecken laden : So gelingt der Urlaub mit E-Auto

          Viele Fahrer von Elektroautos reisen in diesem Jahr erstmals mit ihrem Stromer in den Urlaub. Sie sollten sich gut vorbereiten, denn lange Fahrten mit einem E-Auto erfordern Planung und Geduld.
          Soldaten der Roten Armee ergeben sich im Jahr 1941 während des Russlandfeldzugs.

          Weltkriegs-Gedenken : „Erinnerung bleibt uns Deutschen eine Verpflichtung“

          In Berlin erinnert Steinmeier an den deutschen Überfall auf die Sowjetunion vor 80 Jahren. Deutschland müsse sich die Verbrechen im Osten Europas ins Gedächtnis rufen, sagt er. Dabei zählt der Bundespräsident Orte auf, die für die „deutsche Barbarei“ stehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.