https://www.faz.net/-gpf-7v8pw

Wer wird Wowereits Nachfolger? : Jeder steht für sich allein

  • -Aktualisiert am

Schaulaufen an der Basis, leicht funktionärslastig: Raed Saleh spricht, die Gegenkandidaten Jan Stöß und Michael Müller (rechts im Vordergrund) warten auf ihren Einsatz. Bild: Gyarmaty, Jens

Michael Müller, Jan Stöß und Raed Saleh wollen nach dem Rücktritt Klaus Wowereits Regierender Bürgermeister Berlins werden. An diesem Samstag wird das Ergebnis des Mitgliedervotums bekanntgegeben.

          8 Min.

          Liegt es am Hörsaal und den Reminiszenzen an wildere Tage? Am Reiz des Neuen? Nur wenige werden das alte Schering-Hauptquartier in Wedding, heute Sitz von „Bayer HealthCare Pharmaceuticals“, von innen kennen. Oder liegt es an den Getränken, die viele trotz des ausdrücklichen Verbots in den Saal geschmuggelt haben?

          Beim vierten und letzten Mitgliederforum der Berliner SPD für die drei möglichen Wowereit-Nachfolger bleibt das Licht im Saal an, was gewiss dazu beiträgt, dass die Stimmung aufgekratzter ist als bei den früheren Foren.

          Vorhang auf: Basis trifft auf Spitze

          Begegnungen zwischen Basis und Politikern werden sorgfältig inszeniert, so sorgfältig, dass man jeden bewundert, der sich freiwillig der beißenden Langeweile solcher „Shows“ aussetzt. Die 17.200 Berliner Sozialdemokraten dürfen entscheiden, wer auf Klaus Wowereit folgen soll. Nach mehr als 13 Jahren als Regierender Bürgermeister von Berlin will Wowereit am 11. Dezember aus dem Amt scheiden.

          An diesem Samstag werden in der SPD-Zentrale in der Müllerstraße die Stimmen ausgezählt. „Willkommen in der Müllerstraße“, witzelt deshalb Michael Müller, einer der drei Männer, die sich in den vergangenen Wochen mehr als ein dutzend Mal den Parteifreunden gestellt haben.

          Übermäßig stark scheint das Interesse nicht zu sein: Die Woche begann mit der Mitteilung, bislang hätten 8402 Mitglieder ihr Votum eingeschickt. Einige hundert folgten der Einladung zu den Mitgliederforen, auf denen sich die Bewerber vorstellen konnten. Die Funktionärsquote war hoch an diesen Abenden, schließlich hängt für manchen die weitere Karriere maßgeblich davon ab, wer „Regiermeister“ und Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl 2016 wird.

          Der Nächste kann es immer besser

          Jeder Kandidat darf zehn Minuten lang reden, vorn auf der grell beleuchteten Bühne. Dem Frontalunterricht folgt ein „moderierter Talk“. Die Moderatorin, eine an Politik und begrifflicher Klarheit offenkundig zutiefst desinteressierte Dame, stellt Fragen an die drei Herren. Fragen des Publikums müssen schriftlich eingereicht werden. Die Frager werden in Dreier- oder Vierergruppen aufgerufen, ihre Fragen beantworten die Kandidaten dann mehr oder weniger ernsthaft.

          Wowereit war im Sommer 2001 Fraktionsvorsitzender der SPD, als sich seiner Partei die Gelegenheit bot, die ungeliebte Koalition mit der CDU, die „babylonische Gefangenschaft“, zu beenden. Im Plenum des Abgeordnetenhauses saß Wowereit vorn, mit ihm hatten oder suchten alle Blickkontakt, die in der Landespolitik etwas wollten: Sein Kommunikationstalent konnte man sehen.

          Dass er 13 Jahre später zu den unbeliebtesten Berliner Politikern gehört; dass er mitten in der Wahlperiode das Amt abgibt, das liegt vor allem an der Baustelle in Schönefeld bei Berlin, wo noch immer kein Eröffnungsdatum für den neuen Flughafen BER in Sicht ist. Und es liegt an Jan Stöß, der mit Lust durchblicken ließ, er könne es sicher besser.

          „Das Ende einer Regierungspartei“

          Dass es nicht einen, sondern drei mögliche Nachfolger für Wowereit gibt, liegt an der Berliner SPD. Die hatte nach zehn Jahren mit der Linkspartei 2011 abermals ein Bündnis mit der CDU geschlossen, dieses Mal als Seniorpartner, doch scheint sie wenig Spaß daran zu finden. Als der Verwaltungsrichter Jan Stöß, Sprecher der Linken in der SPD, im Sommer 2012 antrat, um den Parteivorsitzenden Michael Müller abzulösen, war das ein Angebot, das die SPD nicht ablehnen mochte. Vergebens warnte Wolfgang Thierse damals vor der „Institutionalisierung eines Dauerkonflikts zwischen Partei und ihrer Regierungsmannschaft.“ Das schade immer der Partei. Und dann sagte er noch: „So beginnt in der Regel das Ende einer Regierungspartei.“

          Weitere Themen

          Der Neue bei McKinsey

          FAZ Plus Artikel: Fabian Billing : Der Neue bei McKinsey

          Fabian Billing leitet von März an das Deutschland-Geschäft der Strategieberatung. Der 46-Jährige übernimmt in einer schwierigen Phase und soll das Geschäft stark ausbauen.

          Topmeldungen

          Sturm auf die Leipziger Stasi-Zentrale „Runde Ecke“ am 4. Dezember 1989

          Bürgerrechtler im Streit : Wer wacht über die Revolution von 1989?

          Tobias Hollitzer und Gesine Oltmanns waren in der Bürgerrechtsbewegung der DDR. Heute reden sie kein Wort mehr miteinander. Zu unterschiedlich sind ihre Vorstellungen von Aufarbeitung. Wer hat die Deutungshoheit?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.