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Sexuelle Gewalt an Schulen : Mehr als ein Strohfeuer

Kein Raum für Missbrauch: Johannes-Wilhelm Rörig, unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Bild: dpa

Erst die Odenwaldschule, dann Staufen: Nach Fällen sexueller Übergriffe an Kindern werden Rufe nach Veränderungen laut. Hessen beteiligt sich an einer Initiative – aber die anderen Länder ziehen nur schleppend nach.

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          Missbrauchsfälle wie jener in Staufen werfen zumeist die Frage auf, warum niemand früher auf die ungeheuerlichen Verbrechen aufmerksam wurde. Warum hatte etwa an der Schule niemand etwas von dem jahrelangen Missbrauch an dem Jungen bemerkt? Zwar gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Handlungsempfehlungen für die Schulen beim Thema sexuelle Gewalt, doch werden sie in den seltensten Fällen umgesetzt. Oft erst, wenn es bereits einen Missbrauchsfall gibt. In Hessen, wo es aufsehenerregende Fälle von sexueller Gewalt unter anderem an der Odenwaldschule gab, beschloss die Landesregierung 2012 einen Aktionsplan zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt in Institutionen, der in der vergangenen Legislaturperiode fortgeschrieben wurde.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Nun werden Aktionspläne häufig und gerne beschlossen, insbesondere vor Wahlterminen. Doch hängt es an der Umsetzung. Hessen zieht nun eine Zwischenbilanz des Aktionsplans mit einem Kongress, der an diesem Mittwoch in Kassel beginnt. Auch der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindermissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, wird daran teilnehmen. Er findet Lob für das Vorgehen Wiesbadens – insbesondere im Vergleich mit anderen Bundesländern. Auch an Rörigs bundesweiter Präventionsinitiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ beteiligt sich Hessen seit Anfang 2017. Viele Empfehlungen der Initiative zur Entwicklung von Schutzkonzepten finden sich auch im hessischen Aktionsplan. So erhielt etwa jede hessische Schule eine Infomappe der Initiative mit mehreren Vorschlägen zum Umgang mit dem Thema sexueller Missbrauch: Aufbau eines Verhaltenskodexes und eines Beschwerdesystems, Einbeziehung der Eltern, Regelung von Nähe und Distanz zwischen Lehrern und Schülern, Entwicklung eines Notfallplans bei einem Verdachtsfall.

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