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Hessische Jahre des AfD-Vize : Auf der Suche nach dem früheren Gauland

  • -Aktualisiert am

Noch verwurzelt in der CDU: Der damalige hessische Staatskanzleichef Alexander Gauland in seinem Arbeitszimmer 1990. Bild: Foto Thomas Eggeling

Als Büroleiter von Oberbürgermeister Wallmann erwarb sich Alexander Gauland einst viel Ansehen in Frankfurt - auch durch seinen Einsatz für Flüchtlinge. Über die Aussagen des heutigen AfD-Politikers sind viele Wegbegleiter von damals entgeistert.

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          Alexander Gaulands erste Flüchtlingskrise beginnt Ende Januar 1979. Damals reist er als Büroleiter des Frankfurter Oberbürgermeisters Walter Wallmann nach Hongkong. Dort sind in den Wochen und Monaten zuvor immer mehr Flüchtlinge aus Vietnam gestrandet. Gauland soll 250 der „Boatpeople“ an den Main holen. Die Verhandlungen sind heikel, deshalb entsendet Wallmann seinen besten Mann. Gauland bleibt drei Wochen. Dann ist er am Ziel. Die ersten 70 Vietnamesen kommen sofort mit nach Frankfurt: 23 weibliche und 47 männliche Flüchtlinge werden registriert, der älteste ist 51 Jahre alt.

          Nach seiner Rückkehr beschreibt Gauland das Elend der in Hongkong vor sich hin vegetierenden 14 000 Asiaten. Die überfüllten Unterkünfte, so berichtet er den Frankfurter Lokaljournalisten, böten ein deprimierendes Bild: „Nissenhütten mit drei Betten übereinander, die Luft ist zum Schneiden.“ In den Worten des damals 37 Jahre alten Politikprofis schwingt Mitgefühl mit. Aber Gauland macht noch etwas anderes deutlich: Nicht Analphabeten und Fischer hat er ausgewählt - sondern Elektriker, Uhrmacher, Schneider und Mechaniker. Ein pragmatischer Umgang mit Menschen in Not.

          Was ist aus dem Retter der „Boatpeople“ geworden? Frankfurter Wegbegleiter erkennen Gauland nicht wieder. Ist das noch derselbe Mann, der mittlerweile als führender AfD-Politiker Ressentiments gegen Migranten, Ausländer und Flüchtlinge schürt? Der Angela Merkel als „Kanzler-Diktatorin“ diffamiert, die durch ihre eigenmächtige Flüchtlingspolitik „das deutsche Volk ergänzen und ersetzen“ wolle? Der davor warnt, das Land könne unter dem „Asylwahn“ zusammenbrechen?

          „Ich habe ihn als angenehm empfunden“

          Anruf bei einem, der die Frankfurter Kommunalpolitik damals so genau beobachtet hat wie kaum ein anderer. Günter Mick war viele Jahre lang politischer Berichterstatter aus dem Römer und später Ressortleiter dieser Zeitung. Mick, wie Gauland 1941 geboren, berichtet, Wallmanns Büroleiter sei „ein ruhiger, sachlicher und auch zuverlässiger Gesprächspartner gewesen“. Er habe den promovierten Juristen immer als sehr analytisch und intelligent wahrgenommen. Journalisten habe Gauland auch in den regelmäßigen Hintergrundgesprächen nie bedrängt. Mick sagt: „Ich habe ihn als angenehm empfunden.“

          Gauland kommt 1977 nach Frankfurt. Zuvor hat er zwei Jahre lang im Bundespresseamt in Bonn gearbeitet. Ein knappes Jahr war der in Chemnitz geborene Gauland außerdem als Pressereferent am deutschen Generalkonsulat in Edinburgh. Der Aufenthalt in Schottland verstärkt Gaulands Hang zum Britischen, der nicht zuletzt begründet wird durch das BBC-Radioprogramm, das er in der Ostzone hört; von dort flieht er als Achtzehnjähriger. Gauland fährt britische Autos und trägt Glencheck-Sakkos. Bis heute, gegen jeden Modetrend.

          Aus Edinburgh nach Bonn zurückgekehrt, trifft er auf Wallmann, der damals Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist. Fortan arbeitet er für ihn. Nachdem die CDU 1977 mit Wallmann als Spitzenkandidat überraschend die Kommunalwahl in Frankfurt gewinnt, legt dieser sein Bundestagsmandat nieder und wird neuer Oberbürgermeister. Gauland folgt ihm an den Main. In ein Frankfurt, das damals eine andere Stadt ist: aufgewühlt, links, voller Brüche.

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