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Henkel-Rücktritt : Die AfD droht zu scheitern

Parteichef Bernd Lucke (l.) und Hans-Olaf Henkel am 14. Juli 2014 auf einer Pressekonferenz in Berlin Bild: dpa

Der Rücktritt von Vizechef Henkel bedeutet für die AfD vor allem, dass sie dabei ist, an sich selbst zu scheitern. In Bundesvorstandssitzungen der Partei wird geschrien, gehasst und misstraut.

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          Die Parteiflügel der AfD befinden sich seit Monaten in einem Zustand, den Spieltheoretiker als Gefangenendilemma beschreiben würden. Eigentlich müssten Nationalkonservative und Liberalkonservative stillhalten, um der Öffentlichkeit jenes Bild der Geschlossenheit zu vermitteln, auf das der deutsche Wähler aller Erfahrung nach größten Wert legt. Und doch wird jedes Lager gekitzelt von der Verlockung, den ersten Stein in Richtung seiner Gegner zu werfen und dem Erzfeind wenigstens kurzfristig eine Niederlage beizubringen. So hielt die Waffenruhe nicht lange, die der heftig zerstrittene Bundesvorstand im Januar bei einem Treffen in Frankfurt vereinbart hatte.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf öffentliche Kritik am Führungsstil des Bundesvorsitzenden Bernd Lucke durch das dafür schon bekannte Trio Frauke Petry, Alexander Gauland und Konrad Adam folgten nicht weniger bissige Kommentare des Vorstandsmitglieds Hans-Olaf Henkel, die in direkter Sprache dazu anhalten sollten, doch bitte - zum Wohl der Partei - die Klappe zu halten. Das Ergebnis sind Querelen, die in Vorstandssitzungen der AfD mitunter schärfer hervortreten als in den um Gesichtswahrung bemühten Äußerungen in Zeitungen.

          Es wird gehasst und misstraut

          In Bundesvorstandssitzungen der AfD wird geschrien. Es wird gehasst und misstraut. Kleine Sticheleien bestimmen den Alltag. Eigentlich leitet Lucke immer die Sitzungen, kürzlich kam Petry früher, setzte sich auf Luckes Stuhl und bestand darauf, dass sie die Sitzung leitet.

          Behauptet ein Vorstandsmitglied in einer Telefonkonferenz, ein Dokument zu besitzen, das für die Klärung eines Skandals wichtig ist, bezweifeln die übrigen Mitglieder, dass dieser das Dokument wirklich besitzt. Ein Dritter muss dann telefonisch bestätigen, dass er das Dokument gesehen hat. Dass ranghohe Funktionäre lügen, wird von den Vorstandskollegen nicht mehr ausgeschlossen - der Gipfel des Misstrauens.

          In der Öffentlichkeit werden diese Grabenkämpfe gerne anhand eines Rechts-links-Schemas gedeutet. Diese Polarisierung erklärt etliche Konflikte, aber nicht alle. Die AfD besteht im Kern aus Charakteren, die eine gewisse Lust am Aufbegehren empfinden, auch gegeneinander. Deshalb ergeben die Frontverläufe in der Partei - ideologisch betrachtet - mitunter keinen Sinn. Der Rücktritt Henkels bedeutet für die AfD vor allem, dass sie dabei ist, nicht an den verhassten Altparteien oder den „Mainstream“-Medien zu scheitern, sondern an sich selbst.

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