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Zum Tode von Helmut Schmidt : Ein Ästhet der Macht

1. Oktober 1982: Helmut Schmidt gratuliert Helmut Kohl im Bundestag in Bonn zur Wahl als Bundeskanzler. Bild: Barbara Klemm

Die Kanzlerjahre von Helmut Schmidt standen im Lichte der Grenzen des Wachstums. Die Folge waren eine von Angst erfüllte Kultur und Gesellschaft. Schmidt ist dieses Gefühl immer fremd geblieben.

          7 Min.

          Es wurde gerne von den zwei Leben des Helmut Schmidt gesprochen, vom Leben als Politiker und vom anschließenden, viel längeren Leben als Publizist, Denker und Deuter. Doch wenn man es recht besieht, waren es nicht zwei Leben. Schmidt kehrte im Alter zu dem Leben zurück, das ihn in die Politik gebracht hatte und das er wohl auch dort nie aufgegeben hatte.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Schmidt wollte Architekt und Städteplaner werden, bewegte sich in seiner Jugend schon in Künstlerkreisen, fühlte und bewegte sich auch später wie ein Ästhet unter den Banausen der Macht. Das brachte ihm gerne den Ruf der Hochnäsigkeit ein, war aber einer in der deutschen Politik seltenen Mischung aus Schöngeist, Politik und Macht geschuldet.

          Kanzlerbungalow als Galerie

          Unter den Kanzlern der Bundesrepublik war er der einzige, der auf den Gedanken kam, ein Buch über „Kunst und Politik“ zu schreiben, ohne damit eine Handlungsanleitung für staatliche Kulturförderung zu verstehen. Es hatte mehr mit dem Anspruch zu tun, den er in die Skulptur Henry Moores legte, die er 1976 vor dem Kanzlerbungalow in Bonn aufstellen ließ und auf den Namen taufte: „Macht und Eleganz“. Den funktionalen Kanzlerbungalow verwandelte er in eine Galerie, als entstehe gute Politik nicht zuletzt aus dem Wahren, Schönen und Guten.

          Auch sein Weg in die SPD hatte damit zu tun. Der 1918 im „Vorort der geistigen Freiheit“, in Hamburg geborene Schmidt machte die Verachtung der Nazis für „entartete Kunst“ und seine Kontakte in der Kriegsgefangenschaft dafür verantwortlich, dass er Sozialdemokrat wurde. Das Erlebnis, wie im Volksgerichtshof Widerständler des 20. Juli behandelt wurden, für ihn eine Pflichtveranstaltung, wozu er abkommandiert worden war, der er sich dann aber entziehen konnte, mag ebenfalls dazu beigetragen haben.

          Dass der Vater der uneheliche Sohn eines jüdischen Bankiers war, konnte die Familie während der Nazi-Diktatur verheimlichen. Den Plan, Architekt und Städteplaner zu werden, gab Schmidt in der Nachkriegszeit auf, der Ästhet wurde Volkswirtschaftler, statt Städteplaner wurde er schließlich ein Staatsplaner.

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          Eines Tages sollte es angesichts dieser doch sehr bürgerlichen Vorgeschichte seiner politischen Laufbahn heißen, Schmidt sei an die falsche Partei geraten. Doch das ist nicht wahr. Die Partei war nur an einen Planer, einen Macher, einen Lenker geraten, der ihre klassenkämpferischen Visionen mit Marc Aurel, Max Weber und Karl Popper korrigierte.

          Schmidt sah sich als Mann der Tat, der sich in der Krise bewährte, und litt unter nichts so sehr, als dass seine Taten nicht groß genug sein könnten. Die Rettung vieler Hamburger vor der Flutkatastrophe im Februar 1962 mit Hilfe der eigenmächtig herbeigerufenen Bundeswehr als Hamburger Innensenator war Schmidts frühe große Tat, die seinen Ruf als Krisenmanager begründete, ihn auf diesen Ruf aber auch bis über das Ende seiner politischen Laufbahn hinaus festlegte.

          Fünfzehn Jahre nach der Hamburger Katastrophe wollte es das politische Schicksal, dass Schmidt gar nicht krisenerprobt genug hätte sein können, um das Richtige zu tun. Generalbundesanwalt Siegfried Buback und der Bankier Jürgen Ponto wurden ermordet. Die RAF hatte Schmidts zweite Kanzlerschaft in eine Zeit der Krise, in den „deutschen Herbst“ verwandelt.

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