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Trauer um Helmut Kohl : Der Speyrer Staatsakt

Ort des Requiems für Helmut Kohl: Der Kaiserdom zu Speyer. Bild: dpa

Helmut Kohl soll nicht mit einem nationalen Staatsakt geehrt werden. Auch wenn das dem Willen des verstorbenen Kanzlers entsprechen sollte – der Wille des deutschen Staates und seiner Bürger zählt auch etwas.

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          Es war nur eine Frage der Zeit, dass das Kartenhaus eines „europäischen Staatsakts“ zu Ehren Helmut Kohls in sich zusammenfallen würde. Die kurzzeitige Stilisierung einer solchen Trauerfeier zu einem Gründungsakt europäischer Staatlichkeit wirkte bemüht und vermessen. Hieß es bislang nicht, die Europäische Union sei ein Gebilde sui generis? Kann die Europäische Kommission, so eng ihr derzeitiger Präsident mit Kohl auch zusammengearbeitet haben mag, daran über Nacht etwas ändern?

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Da aber kein Staatsakt stattfindet, wo der Staat dazu fehlt, wirkt der „Trauerakt“ in Straßburg wie eine Ablenkung davon, dass ein anderer Staatsakt partout nicht stattfinden soll, der nationale Staatsakt. Warum aber konnte sich der Bundespräsident, der dafür zuständig wäre, nicht dazu durchringen, einen solchen Staatsakt anzuordnen? Wäre ihm jemand in den Arm gefallen?

          Kohl habe es so und nicht anders gewollt, heißt es dazu, und der Wille der Hinterbliebenen spielt außerdem gewiss eine wichtige Rolle.

          Allerdings lassen die bislang bekannt gewordenen Begründungen am Respekt vor einem nicht minder wichtigen Willen zweifeln, nämlich dem des deutschen Staates und seiner Bürger, öffentlich trauern zu dürfen. Kein nationaler Staatsakt aus Rache am Bundespräsidenten, der Kohl das Leben einst schwermachte, als er gerade Kanzleramtschef geworden war? Oder aus Rache an der Bundeskanzlerin, weil die ihn seinerzeit vom Sockel stürzte?

          Wer auch immer solchen Kleingeist in Umlauf bringt: Das ist Kohls Andenken unwürdig. Niemand hätte wohl mehr Verständnis dafür gehabt als Kohl, dass ein europäisches Deutschland seiner auch dann gesondert gedenkt, wenn es eine zentrale europäische Feier gibt.

          Dass etwas schmerzlich fehlt, muss auch in Berlin bemerkt worden sein. Die deutsche Staatsführung beschränkt sich nun darauf, dass der Bundestagspräsident zu Beginn einer Sitzung im Bundestag an den ehemaligen Bundeskanzler erinnert und der Bundespräsident an dieser Gedenkveranstaltung als Zuhörer teilnimmt.

          Welch eine verdruckste Veranstaltung! Es gab Bundeskanzler, die mit mehr Stilgefühl, größerem Selbstvertrauen und beherzterem Engagement geehrt wurden – und darunter war nicht ein „Kanzler der Einheit“. Aber Europäer, Deutsche und Pfälzer haben immerhin noch das Requiem im Speyrer Dom, das zu dem nationalen Staatsakt werden dürfte, den es nicht geben soll.

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