https://www.faz.net/-gpf-6qztq

„Hells Angels“ : Willkommen Polizei

Eine Macht am Main? Die Hells Angels, die sich selbst gerne als streitbare Motorradfreunde mit einer Vorliebe für Bier und schöne Frauen darstellen Bild: dpa

Vor einem Jahr wollten Frankfurter Beamte eine Razzia bei den „Hells Angels“ im Bahnhofsviertel machen. Als sie vor der Tür der Rockerbande standen, hing dort ein Begrüßungszettel. Offensichtlich waren die Rocker informiert.

          6 Min.

          Die Razzia war seit Wochen vorbereitet. Die Gebäude observiert, der Durchsuchungsbeschluss unterschrieben. Informationen über mögliche anzutreffende Personen zusammengestellt. Doch als die Beamten an jenem frühen Morgen im Oktober 2010 vor dem Büro der Rockerbande „Hells Angels“ im Frankfurter Bahnhofsviertel ankommen, hängt nur ein Zettel an der Tür: „Willkommen Polizei“.

          Es dauert wenige Augenblicke, bis den Beamten und Staatsanwälten, welche die Aktion begleiten, bewusst wird, was da an diesem Morgen vor sich geht. Ein Beamter sichert den Zettel, wie ein Beweisstück. Doch auch ihm ist klar, es geht hier weniger um Fingerabdrücke oder DNA. Vielmehr beweist der Zettel eine schon lang gehegte Vermutung: dass es innerhalb des Sicherheitsapparats eine undichte Stelle geben muss, über die Informationen an die Hells Angels weitergegeben werden. Auch diese Razzia wurde verraten. Nicht etwa Stunden vorher. Sondern Tage. Zu einem Zeitpunkt, als eigentlich nur ein kleiner Kreis von Ermittlern in die Details der Vorbereitungen eingeweiht war.

          Das ist fast ein Jahr her. Seitdem dauert die Suche an. Und immer mehr verfestigt sich innerhalb der Polizei der Verdacht, dass das Ausmaß des Ermittlungsverfahrens gegen die Hells Angels, das ursprünglich einmal mit dem Ziel eingeleitet worden war, ein Verbot gegen die kriminelle Rockervereinigung herbeizuführen, weitaus größer ist, als bisher bekannt - und möglicherweise auch in unmittelbarem Zusammenhang mit der „hessischen Polizeiaffäre“ um die frühere LKA-Präsidentin Sabine Thurau steht.

          Bis in Polizeikreise

          Seit einem Monat kursiert der Ausschnitt eines abgehörten Telefonats. Angefertigt von der Zentralen Kriminalinspektion des Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt. Am 28. Oktober 2010 um 15.41 Uhr wird ein Gespräch eines Mannes aufgezeichnet, den die Sicherheitsbehörden der kriminellen Rockervereinigung zuordnen. Eines der Mitglieder habe „im Innenministerium recherchiert“, heißt es. Dabei habe er „erfahren, dass sie bei denen erst im November auf dem Plan stehen“. Am 3. November 2010 gibt es ein weiteres Telefonat, in dem von Gesprächen über die Innenministerkonferenz und die Kontakte der Hells Angels die Rede ist. Aus dem Gespräch wird deutlich, dass man Angst vor einem Verbot hat.

          Die Kontakte, von denen gesprochen wird, reichen offenbar bis in Polizeikreise hinein. Derzeit ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen fünf Beamte - vier Frankfurter Schutzpolizisten und einen Ermittler des Hessischen Landeskriminalamts. Im Dezember wurden ihre Wohnungen und Dienststellen in Frankfurt und Wiesbaden durchsucht. Den Polizisten wird vorgeworfen, gegen Drogen und Schmiergeld Verbindungen zu den Hells Angels gepflegt und Dienstgeheimnisse verraten zu haben. Der 50 Jahre alter Kriminalhauptkommissar des LKA wird verdächtigt, Daten aus internen Informationssystemen gegen Bezahlung weitergegeben zu haben. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

          Innerhalb der Sicherheitsbehörden wird jedoch bezweifelt, dass diese Gruppe die einzige undichte Stelle ist. Bei diesen Beamten, so die Auffassung, soll es - wenn überhaupt - darum gegangen sein, „kleinere Informationen“ zu beschaffen. In die Planungen der Razzia seien sie nicht eingebunden gewesen. Vielmehr macht die Sicherheitsbehörden der nun veröffentlichte Passus aus den Abhörprotokollen nervös: dass auch im Innenministerium „recherchiert“ worden sei.

          Weitere Themen

          Überlebende berichten Video-Seite öffnen

          Massaker in Tigray : Überlebende berichten

          Beim Überfall auf die Stadt Mai-Kadra in der Konfliktregion Tigray sind hunderte Zivilisten getötet worden. Ein Überlebender berichtet von dem Angriff. Unklar ist, wer für das Blutbad verantwortlich ist.

          Topmeldungen

          Elektronenmikroskopische Aufnahme des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2), das Covid-19 verursacht

          Coronavirus : Mehr als 21.600 Neuinfektionen in Deutschland

          Das RKI meldet 379 Todesfälle binnen 24 Stunden. Am Freitag wurde die Marke von einer Million Covid-19-Fällen in Deutschland überschritten. Die Zahl der Neuinfektionen liegt unter dem Stand der Vorwoche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.