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Hells Angels : Willkommen in der Burg

Frank Hanebuth Bild: dpa Bearbeitung F.A.S.-Grafik

Frank Hanebuth, der Präsident der Hells Angels von Hannover, lebt privat wie in einer Festung: Stacheldraht, Kamera, Aufpasser. Am Donnerstag wurde sein Fachwerkhaus von Spezialkräften der GSG 9 gestürmt. Ein Besuch am Tag danach.

          9 Min.

          In den Gärten der Nachbarn blühten die Rhododendren. Nur manchmal schlich ein Auto vorbei. Frank Hanebuth stand im Tor. Die mächtigen, meterhohen Flügel aus dunklem Holz waren einen Spalt geöffnet, gerade breit genug für einen Bären. Hanebuth blickte in den Frieden. Eine schöne, heile und meist auch reiche Waldsiedlung bei Hannover. Zahlreiche Prominente, berühmte Sänger, bekannte Sportler. Er war hierhergezogen, weil er zwar die Autobahnen und den Flughafen in der Nähe hatte, aber auch die Ruhe und das Grün. Ein Paradies für Familien.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hanebuth, der Präsident der Hells Angels von Hannover, schloss sein Burgtor und verkeilte die Flügel mit einem Brett. Die Metallstreben, die das Tor eigentlich sichern sollten, waren zerschnitten. Am Rand des Tores war das düstere Holz aufgerissen und zersplittert, eine helle Wunde. Hanebuth stieg in den schwarzen Geländewagen und rollte mit ihm so dicht an das Tor, dass es sich nicht mehr öffnen ließ.

          Letztes Jahr hatte ich schon mal vor diesem Tor gestanden. Damals waren Hanebuths Schäferhunde ausgerissen, sie hatten sechs Menschen angefallen und verletzt. Die Polizei hatte die Hunde erschossen. Ich lief am Zaun entlang, man konnte nicht drüberschauen. Von einem Betonpfeiler neben dem Tor beobachtete mich eine Kamera. Auf dem Gehweg stand ein Rocker, alt und grau, mit einem Mofa. Er schaute mich nicht an, trat den Kickstarter. Nichts geschah. Er trat noch mehrfach, bis ich das Straßenende erreicht hatte. Nun sprang sein Mofa an, er fuhr an mir vorbei.

          Ich ging an diesem Tag öfter am Grundstück Hanebuths entlang. Zu sehen war nichts, aber immer hatte ich Gesellschaft. Lieferwagen und Limousinen fuhren an mir vorüber, ihre breiten tätowierten Fahrer musterten mich. In der Nacht war das Anwesen hell erleuchtet. Ich stand vor dem Tor, als es sich öffnete. Die Scheinwerfer eines Geländewagens blendeten mich. Ich sprang zur Seite, der Wagen rollte los. Ich ging in die andere Richtung. Kurz darauf hielt das dunkle Auto. Es wendete, fuhr an mir vorbei.

          Warum lebt jemand in so einer Festung? Wohl kaum aus Angst vor Einbrechern. Und jetzt, im Mai, hatte Hanebuth mich reingelassen. Von innen lag der zwei Meter hohe, stacheldrahtbewehrte Zaun hinter einer Hecke verborgen. Sonst standen auf dem Grundstück sechzig Jahre alte Kiefern, Kastanien und Trauerweiden.

          Unter den Fenstern Stiefmütterchen

          Hanebuth schlenderte die gepflasterte Einfahrt hinauf, vorbei am Brunnen, in dem die Algen die Fische besiegt hatten, zum Haus. Zwei Stockwerke, schwarzes Fachwerk, roter Klinker. Die Fensterläden waren offen, unter den Sprossenfenstern blühten Stiefmütterchen. An der Eingangstür, die ein weißer Blumenkranz zierte, standen ein Weidenkorb mit Rhododendronblüten und zwei steinerne Torwächter, kleine, dicke Monster, die jeden Ankömmling durchdringend musterten. Ein Schildchen grüßte: „Welcome“.

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