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Hells Angels : Willkommen in der Burg

Bild: AP, Chrysler/Dodge, dapd, dpa, Getty Images, Polizei, privat, Bearbeitung F.A.S.

Dazu sagte Hanebuth, als die Frau wieder fort war: „Es spielt keine Rolle mehr, dass man 25 Jahre lang seinen Job gut gemacht hat, ein Rotlichtviertel befriedet hat, gute Läden aufgebaut hat. Man will uns kaputtmachen, uns wirtschaftlich und gesellschaftlich zerstören. Wenn es nichts Illegales gibt, dann muss man das doch auch von Seiten der Behörden akzeptieren.“ Weiter sagte er: „Jedes Charter ist unabhängig. Ich bin Präsident des Charters in Hannover und nur für Hannover zuständig. Ich bin davon überzeugt, dass ich in dieses Verfahren nur deshalb einbezogen worden bin, weil sich die Behörden Zufallsfunde für ein Verbotsverfahren in Hannover erhoffen.“

Die Ermittler im Fall Tekin B. verdächtigten Hanebuth, „an der Tötung Tekin B.s mindestens im Sinne einer Förderung der Tat durch Genehmigung des Vorhabens beteiligt gewesen zu sein“. Den Verdacht begründeten sie damit, dass Hanebuth in der streng hierarchischen Struktur der Hells Angels einen „besonderen Einfluss“ über Hannover hinaus ausübe. Der Präsident der Legion 81 sagte in seiner Vernehmung, dass „einzelne, besonders gewichtige Aufträge nur mit Billigung“ von Hanebuth durchgeführt werden könnten.

„Für mich ist diese ganze Aktion völlig unverständlich. Die gegen mich erhobenen Vorwürfe treffen nicht zu“, sagte Hanebuth zu mir. Und: „Ich bin mit dem Präsidenten des Kieler Hells-Angels-Charter gut befreundet, und das wird auch so bleiben. Wir kennen uns schon ewig, schon lange bevor wir Hells Angels waren. Ich persönlich bin mir sicher, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht zutreffen. Das glaube ich einfach nicht.“

Hanebuths Anwalt von Fromberg bezeichnete die Vorwürfe gegen seinen Mandanten als „an den Haaren herbeigezogen“. Sie seien „völlig abwegig“. „Das Vorgehen der Behörden - zumindest im Rahmen des ersten Zugriffs (GSG 9) - war aus unserer Sicht vollkommen überzogen und überflüssig. Die Behörden wollten ein Zeichen setzen. Die Vorwürfe sind konstruiert. Wahrscheinlich hofft man, Material zu finden, um ein Verbotsverfahren gegen die Hells Angels Hannover in die Wege leiten zu können. Aber solches Material existiert bis jetzt nach unserer Kenntnis nicht. Denn in Hannover gibt es nach unserer Kenntnis bei den Hells Angels keine schwerwiegenden Straftaten.“ Es gehe in erster Linie um eine gezielte Kampagne gegen seinen Mandanten.

Hanebuth lächelte seine hübsche Freundin an

Hanebuth erhob sich und verließ das Nebengebäude. Er zeigte mir die Pressholzplatte, wo vor nicht viel mehr als einem Tag noch die Terrassentür gewesen war. Zwei majestätische Steinlöwen standen im Garten, als bewachten sie das Haus. Ein Buddha meditierte neben den Loungemöbeln auf der Terrasse. An der Wand stapelten sich Brennholzscheite. Nicht weit entfernt hielt eine Freiheitsstatue ihre Fackel in die Höhe, eine Gartenlampe. Hanebuth lief über den Rasen, lächelte seine Freundin an, die in Jogginghosen und schwarzem Shirt vor der Tür des Hauses stand - leere Saftflaschen in einem Flaschenhalter auf dem Boden neben sich.

Hanebuth blinzelte in die Sonne, das Licht prallte auf seine Brust. Gemächlich ging er zum Tor, setzte den Wagen zurück und zog das Brett weg. Kurz darauf schwangen die Flügel wieder zusammen. Von seinem Grundstück waren nur noch der Zaun, die Wipfel der Lebensbaumhecke, die Kiefern, Kastanien und Trauerweiden, ja, und noch ein paar schwarze Biberschwanzdachziegel zu sehen. In den Gärten der Nachbarn blühten die Rhododendren. Die Luft war voller tanzender, goldener Flecken.

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