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Hells Angels : Willkommen in der Burg

Tekin B. hatte vor vielen Jahren einen Kurden erschossen. Er war dafür wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden, doch der Vater des Opfers hatte zwischen 100.000 und 150.000 Euro Kopfgeld auf Tekin B. ausgesetzt, der sein Fladenbrot als Zuhälter verdiente. Dabei kam er den Hells Angels in die Quere, auch - so immer der Präsi - „Häusern von Hanebuth“. Erst fielen böse Worte, dann flogen die Fetzen. Außerdem machte Tekin B. auch Waffengeschäfte mit dem Angel Abdullah T. Der wurde verhaftet. Tekin B. bezahlte, anders als vereinbart, den Anwalt nicht, und er sorgte, wie ebenfalls vereinbart, auch nicht dafür, dass eine Zeugin den Mund hielt. Langer Rede kurzer Sinn: Abdullah T. und drei andere Rocker töteten Tekin B. Vorher allerdings folterten sie ihn noch eine Weile. Und hinterher sorgten sie dafür, dass er ins Fundament einer neu errichteten Gewerbehalle eingegossen wurde. Das ist die Version vom Präsidenten (der 81er) - aber auch die der Staatsanwaltschaft, die dessen Aussage als „zuverlässig“ einordnet.

Der Lohn für den Auftragsmord: die Gründung eigener Hells-Angels-Charter

Das Kopfgeld, glauben die Staatsanwälte, haben die vier Männer erhalten und aufgeteilt. Ein Teil des Geldes floss in die Klubkasse der Hells Angels. Dariusz S. erhielt nach dem Mord die Erlaubnis, eigene Hells-Angels-Charter (so heißen die örtlichen Vereine) in Polen zu gründen. Philip K. wurde Präsident des Charters „Southport“. Das sei der Lohn für den Auftragsmord gewesen - den der Präsident der Kieler Hells Angels in Absprache mit Hanebuth vergeben habe. Die Aussagen des Zeugen, befanden die Ermittler, deckten sich wesentlich „mit unabhängig gewonnenen Erkenntnissen der Strafverfolgungsbehörden“.

Hanebuth blickte durch die Fenster seines Männerspielzimmers hinaus in den Garten. Auf den Scheiben klebten Abziehbilder in Schmetterlingsgestalt. Hanebuths Pranken, groß wie Bratpfannen, brauchten etwas zu tun. Sie zerknüllten den nächsten Kronkorken. Seine schöne blonde Freundin betrat den Raum. Sie hatte während der Razzia die Schüsse gehört, hatte Hanebuth am Boden liegen sehen. Kurz stand sie am Tisch, schaute fragend, mich braucht ihr ja nicht. Dann wehte sie wieder davon.

Es gab eine Zeit, da war Hanebuth der König des hannoverschen Rotlichtviertels, das er befriedet und in eine Amüsierzone verwandelt hatte. Die Menschen strömten zum Steintor, Party, Sex und Alkohol, die Hells Angels sorgten für Ordnung. Lange war es her, dass die Polizei massiv gegen Hanebuth vorgegangen war, inzwischen mehr als zehn Jahre. Damals hatten Ermittler schon einmal sein Grundstück gestürmt. Schnee von gestern. Es folgte eine Dekade friedlicher Koexistenz. Geschäftsgrundlage war die Losung: „Lieber Rocker als Kosovo-Albaner, lieber Herrschaft als Krieg“. Auch das ist Schnee von gestern, seit zwei Jahren.

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