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Hells Angels : Willkommen in der Burg

Affa - Angels forever, forever Angels
Affa - Angels forever, forever Angels : Bild: Reuters Bearbeitung F.A.S.-Grafik

Das Nebenhaus, vor Jahren ein Öllager, war jetzt sein Spielzimmer. Hier brutzelten er und seine Kumpels, spielten Dart, Tischkicker oder guckten Fußball. Eine cremefarbene Couch stand an der einen Seite, an der anderen eine kleine rotlackierte Küche, davor eine wuchtige Holztafel. An den Wänden hingen Totenschädel und der Schriftzug AFFA (Angels forever, forever Angels) im Stuckrahmen. Auf der Küchenzeile lagen noch flache alte Kartons vom Vorabend. Da hatten Hanebuth und seine Männer Pizza gegessen, nachdem die derbsten Schäden der Stürmung beseitigt waren. Die Rocker hatten ihrem Boss geholfen, die Äste wegzutragen. Die zersprungene Terrassentür hatten sie mit einer Pressholzplatte verrammelt. Es hatte bis spätabends gedauert.

Einen Raum weiter hatte Hanebuth sein Fitnessstudio, damit sein mächtiger Körper mächtig blieb. Ein Eimer Eiweißpulver half ihm dabei. Hanebuth setzte sich an den Kopf des Tisches, öffnete eine Flasche Malzbier, spielte mit dem Kronkorken und falzte das Blech zwischen den Fingern, als sei es Papier.

Der steinerne Blick seiner Torwächter

Dann blickte er mich an. Mit dem steinernen Blick seiner Torwächter. „Ich habe immer wieder gesagt, dass man mein Grundstück nicht stürmen muss, dass ich rauskomme, wenn etwas ist - egal worum es geht“, sagte Hanebuth. Er sprach ruhig, ernst, offiziell. Er sei mit erhobenen Händen aus dem Haus gelaufen, „um zu signalisieren, dass ich nicht bewaffnet bin und klar sein musste, dass keine Gefahr für die Einsatzkräfte vorlag. Ich dachte, dass die Polizisten dann ruhig vorgehen. Schließlich war ich ihre Zielperson.“ Er erzählte weiter: „Der Hund ist in meine Richtung gelaufen, da haben sie ihn gleich erschossen. Was soll ein sechs Monate alter Hund denn machen? Den muss man doch nicht erschießen.“

Bild: AP, Chrysler/Dodge, dapd, dpa, Getty Images, Polizei, privat, Bearbeitung F.A.S.

Doch das Schlimmste sei gewesen, dass sein Sohn und seine Freundin alles miterlebt hätten. „Wir können mit solchen Aktionen umgehen, wir sind Männer, wir können uns wehren, aber bei Frauen und Kindern ist es anders. Das Schlimmste für mich ist, dass mein Sohn zu mir gesagt hat: ,Papa, ich habe gedacht, dass die mich erschießen, wenn ich mich bewege.‘ So etwas wird ein Kind doch nicht mehr los. Da werden Grenzen überschritten.“ In den letzten Jahren, seit ihm Medien und Behörden auf die Pelle rückten, redete Hanebuth immer wieder über sein Kind.

Während die Ermittler Hanebuths Anwesen durchsuchten, räumten Polizisten woanders eine Lagerhalle aus, in Altenholz bei Kiel. Sie ließen Leichenspürhunde auf den Beton - und gruben anschließend mit Baggern, Bohrern und Trennschleifern. Sie suchten nach der Leiche eines Türken, Tekin B. Der war im April 2010 verschwunden, spurlos, bis Anfang dieses Jahres der frühere Präsident der „Legion 81“, eines Unterstützerklubs der Hells Angels, während einer Vernehmung auspackte. Tekin B. sei ermordet worden, erzählte der 81er-Präsident:

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