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Hells Angels : Willkommen in der Burg

Bild: AP, Chrysler/Dodge, dapd, dpa, Getty Images, Polizei, privat, Bearbeitung F.A.S.

Die Polizei war damit nicht gemeint. Aber gekommen war sie trotzdem, am Vortag, frühmorgens, fast noch in der Nacht. Ein Hubschrauber war über die Kiefern geflogen, hatte die Äste geknickt wie Streichhölzer. Er schwebte neben dem Haus, fünf, sechs Meter hoch über dem Rasen. Bewaffnete und vermummte Spezialtruppen seilten sich ab - GSG9, die Elite der Bundespolizei. Gleichzeitig brachen andere Polizisten Hanebuths Tor auf, weitere kletterten über die Zäune. Das riesige Grundstück war umstellt.

Hanebuth war ans Schlafzimmerfenster gerannt, sah die Beamten. Er stürzte aus dem Haus, musste sich hinlegen, die GSG9 fesselte ihn mit Kabelbindern. Dann stürmten die Polizisten weiter. Sie erschossen den Hund, einen sechs Monate alten Kangal. Den anatolischen Hirtenhund hatte Hanebuth geschenkt bekommen, nachdem seine Schäferhunde getötet worden waren. Die Polizisten drangen ins Haus ein, die gläserne Terrassentür zerbarst. Welcome.

Ein bisschen Fahrradfahren zum Abschalten

Die Ermittler nahmen Papiere, Fotos, Handys, Laptops an sich. Auch Zierwaffen und Hanebuths Kutte, behangen mit goldenen geflügelten Totenschädeln und Rangabzeichen aller Art. Bis zum frühen Nachmittag blieben sie. Danach hatte Hanebuth mit seiner Freundin eine Runde auf dem Fahrrad gedreht. Ein wenig abschalten.

Hanebuth besaß Haus und Grundstück seit gut zwanzig Jahren. Das Haus, erbaut im Krieg, war mit Eichenbrettern verschalt gewesen. Hanebuth hat Zimmermann gelernt, er und seine Männer hatten die Bretter entfernt und darunter das Fachwerk entdeckt. Sie hatten die Sauerkrautplatten, billiges Füllmaterial, zwischen dem Balken herausgerissen und stattdessen Klinker eingesetzt. Im Laufe der Jahre war das Haus gewachsen, waren Anbauten dazugekommen. Und ein Gästehaus, eine Grillhütte, die Hundezwinger und das Nebengebäude, auf das Hanebuth nun zusteuerte. Ein Rasen wie im Park, frisch gemäht und gestriegelt, Gänseblümchen tupften das Grün.

Hanebuth lief an der alten Mercedes-Limousine und an seiner Harley vorbei, die in der Sonne gleißte. Ein heißer Tag, schon jetzt. Keine Schweißperle war auf Hanebuths Glatze zu sehen, obwohl er seine rote Fleecejacke mit den Hells-Angels-Schwingen trug, dazu eine schwarze Cargohose und Pantoffeln. Vor dem Nebengebäude blieb er noch einmal stehen, schaute auf sein Zuhause. Alles perfekt. Der Rasen, die Blumen, der Mulch. Nur den Kiefern fehlte was.

Ein mächtiger Körper

Die Erstürmung dieser Festung gehörte zu einer großangelegten Aktion gegen die Hells Angels, gegen organisierte Rockerkriminalität. In Schleswig-Holstein durchsuchten 1200 Polizisten Bordelle, Gaststätten und Wohnungen - wegen Menschenhandels, Waffenhandels, Körperverletzung, Korruption. Die Beamten fanden unter anderem ein Gewehr, eine Maschinenpistole, sieben Handfeuerwaffen, 25 Messer und drei Macheten, zudem nahmen sie fünf Männer der verbotenen Kieler Hells Angels fest, darunter deren Präsident. Außer in Schleswig-Holstein gab es noch eine Razzia in Hamburg und eine Durchsuchung in Niedersachsen - die bei Hanebuth.

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