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Heimlich für Merz? : Die Grünen hoffen auf Merkel-Stimmen

Er wedelt noch, sie merkelt schon: Habeck, Baerbock und die „Merkel-Raute“ Bild: dpa

Die Grünen wollen regieren. Das ginge mit einer Laschet-CDU leichter als mit einer Merz-CDU. Vor allem wollen sie jedoch stärkste Partei werden. Den Platz dafür in der politischen Mitte könnte eher Merz als Laschet schaffen.

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          Die Grünen äußern sich öffentlich nicht zu der Frage, welcher der Kandidaten für den CDU-Vorsitz ihnen der liebste wäre. Lieber fordern sie, dass auch die neue Parteiführung jede Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt. Die Zeit, die die anderen Parteien für die Selbstfindung brauchen, wollen die Grünen für die inhaltliche Vorbereitung auf die Regierungszeit nutzen. Bei jeder Gelegenheit heben Grüne nun hervor, dass sie Teil der nächsten Bundesregierung sein wollen. Erst am Montag kündigte die Parteivorsitzende Annalena Baerbock an: Man werde um Platz eins kämpfen, jedenfalls sofern die Lage sich nicht gravierend ändere.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Trotzdem machen sich die Grünen natürlich Gedanken über ihre strategische Positionierung im nächsten Bundestagswahlkampf – und dabei spielt die Person des CDU-Chefs eine wichtige Rolle. Die „Merkel-Stimmen“, so heißt es bei den Grünen, seien ihr großes Wählerpotential: Männer und Frauen, die in den vergangenen Jahren CDU gewählt haben, weil sie Merkels Kurs richtig fanden – ihre Flüchtlingspolitik, die scharfe Abgrenzung von der AfD, die Neuausrichtung der Familienpolitik, den Atomausstieg. Wenn die CDU nach rechts rückt, so das Kalkül, dürften viele dieser Wähler beim nächsten Mal grün wählen.

          Das Urteil der NRW-Grünen über Laschet fällt nicht positiv aus

          Am besten dürfte dieser Plan aufgehen, sollte sich Friedrich Merz am 25. April durchsetzen. Ob Merz die CDU tatsächlich nach rechts verschieben würde, ist noch nicht ausgemacht. Am Mittwoch forderte er „mehr Europa“ und nannte den Klimawandel ein „massives Problem“. Es gibt also durchaus Überschneidungen mit der grünen Programmatik. Doch für die Grünen könnte sich auszahlen, dass Merz gerade jüngere Wähler an die alte Bundesrepublik erinnert. Und dass er wie kein anderer für eine Abkehr von der Ära Merkel steht.

          Skeptischer Blick: Im Studio der Talkshow „Anne Will“ trafen Baerbock und Merz Ende 2018 aufeinander.

          Das ist bei Armin Laschet, der im Team mit Jens Spahn für den Parteivorsitz kandidiert, anders. Über Laschet heißt es, dass er gut mit den Grünen könne. Tatsächlich arbeitete Laschet als Teil der legendären Pizza-Connection früh daran, Kontakte zu den Grünen zu knüpfen. Das Gleiche gilt für Norbert Röttgen, der in der vergangenen Woche bereits seinen Hut in den Ring geworfen hatte. Die gemeinsamen Abende von Grünen und Christdemokraten beim Italiener in Bonn liegen nun allerdings schon mehr als zwanzig Jahre zurück.

          Größere Spielräume im Bleiberecht – das kommt bei den Grünen an

          Bei den Grünen heißt es daher, die Kandidaten müssten sich an ihren Taten messen lassen. Das Urteil über Laschet ist da ziemlich verheerend. Die nordrhein-westfälischen Grünen kritisieren, dass er in Datteln ein neues Kohlekraftwerk ans Netz nehmen will. Auch Grüne im Bund sagen, Laschet unterminiere den Kohlekompromiss, und erinnern an die Rodung des Hambacher Forsts. In seiner Vorstellung am Dienstag sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident dann aber doch manches, das Grüne so ähnlich auch sagen würden, sogar über die Flüchtlingspolitik: In Nordrhein-Westfalen würden alle rechtlichen Spielräume genutzt, damit gut integrierte Geduldete bleiben könnten. „Wenn es nach mir geht, könnten die Spielräume noch etwas größer sein.“

          Egal mit welchem Spitzenkandidaten: Die CDU ist aus Sicht der grünen Parteiführung nicht der Wunschpartner. „Inhaltlich stehen wir der SPD immer noch am nächsten“, sagte der Vorsitzende Robert Habeck bei der Bundesvorstandsklausur im Januar in Hamburg. Doch auf absehbare Zeit hat Rot-Grün oder Grün-Rot keine Mehrheit und mit der Linkspartei tun sich die Grünen im Bund sehr schwer, vor allem wegen Differenzen in der Außenpolitik, etwa mit Blick auf Russland. So bleibt mittelfristig nur die Union als Partner. Daher machen sich Grüne dieser Tage tatsächlich Sorgen um die Stabilität der CDU. So weit ist es gekommen.

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