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Heiko Maas : Das Tor seines Lebens

Hat sich viel vorgenommen: Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) Bild: dpa

Im Saarland schaffte er es trotz hartnäckiger Versuche nicht, Ministerpräsident zu werden. Nun will Heiko Maas seine Chance in Berlin nutzen - und Gesetze machen. Über den Bundesjustizminister.

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          Anja Hoche kann erwirken, dass Züge anhalten, obwohl es nicht im Fahrplan steht. Das tat sie, als der elf Jahre alte Robin allein ins Internat nach Braunschweig fuhr. Er verpasste den Halt. Das nächste Mal sollte der Zug in Berlin zum Stehen kommen. Aufgeregt wandte sich der Junge ans Zugpersonal, an Anja Hoche. Die fand, dass elf Jahre alte Kinder nicht allein durch Berlin irren sollten, und sorgte dafür, dass der ICE anders als vorgesehen in Wolfsburg hielt und Robin gleich wieder zurückfahren konnte Richtung Braunschweig.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Diese Entscheidung brachte der Zugbegleiterin nicht nur die Bronzemedaille im Wettbewerb „Eisenbahner mit Herz“ ein. Sie kam auch noch in den Genuss einer persönlichen Begegnung mit Bundesjustizminister Heiko Maas. Oder besser: Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas. Denn in dieser Eigenschaft zeichnete der Sozialdemokrat am Mittag des 29. Aprils preisgekrönte Eisenbahner aus.

          Kein Parteitagsdompteur

          Für den Auftritt eines Bundesministers war es ein äußerst kleiner Rahmen. Ein schlichter Besprechungsraum in der zweiten Etage eines Bürogebäudes an der Reinhardtstraße in Berlin Mitte, der mit 30 Gästen und einem Buffet bis zum Bersten gefüllt war. Keine Fernsehkameras, nichts vom üblichen Berliner Betrieb. Der Minister war etwas erstaunt. Eingeklemmt zwischen einer Pappfigur, die den schmächtigen Maas um zwei Kopfeslängen überragte, und drei Siegern, von denen sich zumindest der eine nicht scheute, dem Herrn Bundesminister ins Wort zu fallen und ihn in Grund und Boden zu plaudern, machte der Mann aus dem Kabinett von Angela Merkel gute Miene zum Spiel der Eisenbahner.

          Immerhin zahlte er mit einer kleinen Spitze zurück und bescheinigte dem redseligen Lokführer, dass man „mit Ihnen gut ins Gespräch kommen“ könne. Heiko Maas ist nicht der wortgewaltige Redner, nicht der Parteitagsdompteur, der sein Publikum mit der Wucht seiner Sätze zur Begeisterung bringt. Vielmehr ist der 1966 im Saarland geborene Sohn einer Schneiderin und eines Soldaten, der nach dem Besuch der Abendschule Betriebswirt bei den Ford-Werken in Saarlouis wurde, zeit seiner politischen Laufbahn im Windschatten solcher Führungsfiguren unterwegs.

          Erst war es Oskar Lafontaine. Maas musste sich vom langjährigen Herrscher der Saar-SPD emanzipieren, als dieser sich von seiner Partei abwandte. Immerhin gelang es Maas in der Nachfolge Lafontaines für Jahre, der auch jenseits der saarländischen Grenzen wahrgenommene Kopf der Saar-SPD zu werden. Doch trotz hartnäckiger Versuche schaffte er es nicht, Ministerpräsident des kleinen Landes zu werden. Weiter als bis zum stellvertretenden Regierungschef kam er nicht.

          Es musste erst ein anderer kommen, um ihm endlich den Weg auf eine größere Bühne zu ebnen. Der zum unbestrittenen Anführer der SPD aufgestiegene Sigmar Gabriel hatte dem Mann aus dem Saarland schon vor der Bundestagswahl im vorigen Jahr signalisiert, dass er sich eine Rolle für ihn vorstellen könnte, sollte die SPD in Berlin wieder mitregieren. Noch während der Koalitionsverhandlungen fragte Gabriel bei Maas an, ob dieser sich vorstellen könne, ein Ministeramt in Berlin zu übernehmen. Er solle doch mal mit seiner Frau sprechen.

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