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Früherkennung von Brustkrebs : Österreichischer Politiker in Skandal um Bluttest verwickelt

Gewebeprobe einer Brustkrebspatientin (rechts) (Symbolbild) Bild: Universitätsklinikum Heidelberg

Der frühere österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser war wohl für eine führende Position innerhalb der Bluttest-Firma im Gespräch. Währenddessen fürchtet das Universitätsklinikum Heidelberg um seinen Ruf.

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          Im Skandal um den Heidelberger Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs haben Recherchen der F.A.Z. ergeben, dass an der Vorbereitung der Markteinführung des Tests auch der frühere österreichische Finanzminister Karl-Heinz Grasser beteiligt war. Im Jahr 2017 soll er an mehreren Beratungen teilgenommen haben, als der vorbestrafte Unternehmer Jürgen B. Harder seinen Einstieg in die Firma Heiscreen mir seiner Beteiligungsgesellschaft „Mamma Sceeen“ vorbereitete. Das bestätigte ein Anwalt Harders der F.A.Z.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Es sei sogar überlegt worden, Grasser in der Bluttest-Firma eine aktivere Rolle zu geben, möglicherweise in der Geschäftsführung.  Auch die Leitung der Universitätsklinik ist über die Beteiligung Grassers mittlerweile informiert. Grasser musste sich 2018 in einem Korruptionsverfahren verantworten; Harder erhielt wegen Korruption im Jahr 2015 eine Bewährungsstrafe.

          Die Heidelberger Universitätsklinik hatte Ende Februar verkündet, dass der neue Bluttest ein „Meilenstein“ in der frühen Brustkrebsdiagnostik sei. Weil wissenschaftliche Nachweise, eine abschließende Studie und eine Veröffentlichung in einer medizinischen Fachzeitschrift fehlten, musste die Universität sich Ende März für diese voreilige Ankündigung entschuldigen. Bis der Test funktioniert, dürfte es mindestens noch sieben Jahre dauern.

          Einige Mediziner bezweifeln auch, dass der Test jemals zuverlässig zur Diagnose eingesetzt werden kann. An der Universität Heidelberg gibt es mittlerweile Befürchtungen, dass der Skandal die Bewerbung der Hochschule im Exzellenzwettbewerb beeinträchtigen könnte. Über die Verleihung des Exzellenztitels soll Mitte Juli entschieden werden.

          Die Leitung des Universitätsklinikums hat auf Vorschlag des Aufsichtsrats eine Kommission zur Aufklärung des Skandals eingesetzt. Ob die Kommission noch vor der Entscheidung über die Exzellenz-Auszeichnung ein Ergebnis vorlegen kann, ist derzeit unklar. Bernhard Eitel, der Rektor der Heidelberger Universität, hatte sich kürzlich in einem Interview mit der „Rhein-Neckar-Zeitung“ vom Vorgehen der Klinik distanziert. Die Klinik hat außerdem wegen des Verdachts des Insiderhandels Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt. 

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