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Merkels Kanzlerkandidatur : Der gegebene Zeitpunkt

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War der gegebene ein zu später Zeitpunkt? Angela Merkel (CDU) äußert sich auf einer Pressekonferenz in Berlin zu ihrer Kanzlerkandidatur. Bild: dpa

Lange hat Angela Merkel ihre Partei hingehalten. Nun ist es raus: Sie will 2017 noch einmal als Kanzlerkandidatin antreten. Hat sie wirklich gezögert?

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          An diesem Sonntag, in dieser Sitzung hat Angela Merkel die Mitglieder des CDU-Präsidiums nicht lange im Unklaren gelassen. Sie sagte es gleich zu Beginn. Sie tat es von sich aus und wartete Fragen nicht ab – die womöglich nicht gestellt worden wären. Ganz so wie in den vielen Sitzungen des Gremiums zuvor, als sich die Mitglieder der CDU-Spitze schon darauf eingestellt hatten, sich mit Merkels Antwort begnügen zu müssen, der geeignete Zeitpunkt der Festlegung sei noch nicht gekommen.

          Merkel also teilte mit, was die Zuhörer – nach deren vorherigen Bekundungen – erwartet oder sich auch gewünscht hatten. Merkel sagte ja. Sie trete wieder an. Sie werde abermals für das Amt der Parteivorsitzenden kandidieren. Sie wolle zudem die Unionsparteien im kommenden Jahr auch wieder als Kanzlerkandidatin in den Wahlkampf führen.

          Gegen 13 Uhr hatte die Sitzung begonnen. Keine zwanzig Minuten später konnten die sogenannten Teilnehmerkreise den Umstand vermelden, der anderswo, in Rom, mit weißem Rauch verkündet wird. So war es auch im größeren Kreis des CDU-Bundesvorstands. Beginn der Sitzung: 15 Uhr. Kurz danach wusste auch diese Runde Bescheid.

          „Stunden über Stunden darüber nachgedacht“

          Mit einem „Der geeignete Zeitpunkt ist heute da“ begann Merkel ihre Rede im Bundesvorstand. „Viele hätten wenig Verständnis, wenn ich jetzt den Dienst für Deutschland nicht mehr tun soll. In dieser Zeit habe ich gesagt, jetzt kannst du dich nicht vom Acker machen“, wurde vernommen. Sie habe „Stunden über Stunden darüber nachgedacht“. Viele in der Partei hätten sie gebeten, ihre Arbeit fortzusetzen. Sie wolle „Deutschland dienen“, rief sie – wie ganz zu Beginn ihrer Arbeit als Bundeskanzlerin. Deutschland und die CDU hätten ihr viel gegeben. Das wolle sie zurückgeben.

          Merkel suchte um Verständnis zu werben dafür, dass sie so lange gezögert habe. Elf Jahre im Bundeskanzleramt seien „kein Spaziergang“. Und: „Die Gesundheit muss es ja auch zulassen.“ Merkel sagte einen harten Wahlkampf voraus. Er werde „kein Selbstläufer“ sein. Angriffe werde es geben – von links und von rechts. „Rot-rot-grün ist eine Herausforderung“, intonierte sie einen Teil der Wahlkampfführung der Unionsparteien. Zugleich müsse vieles bewältigt werden – auch in der internationalen Politik: Die Krisen in Europa und um den Euro. Der Brexit.

          Das alle gehe nur gemeinsam, lautete Merkels Appell an die Vorstandsmitglieder. Wenn die ihr zuriefen: „Du musst, du musst“, dann erwidere sie mit einem: „Ihr müsst, ihr müsst“. Selbstverständlich fügte Merkel an, sie habe sich mit Horst Seehofer, dem CSU-Vorsitzenden, zuvor telefonisch abgesprochen.

          Dankesreden und Belobigungen

          Lange und laut sei der Beifall gewesen, hieß es – sei es der Zustimmung wegen, sei es aus Erleichterung. Es folgten Dankesreden und Belobigungen nahezu aller Vorstandsmitglieder. Finanzminister Wolfgang Schäuble machte den Anfang. Weitere Kabinettsmitglieder folgten: Innenminister Thomas de Maizière und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Weitere stellvertretende CDU-Vorsitzende dankten auch: Armin Laschet aus Nordrhein-Westfalen, der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier, Julia Klöckner aus Rheinland-Pfalz. Wie häufig auch in anderen Sitzungen meldete sich Regina Görner aus dem Saarland. So viele waren es, dass andere fanden, nun sei es genug. Sie verzichteten auf weitere schöne Worte.

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