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Fülle an Straftaten : Hat Hessen ein besonderes Problem mit Rechtsextremismus?

Eine große Demonstration gegen rechte Gewalt im Juli in Kassel. Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke war Anfang Juni erschossen worden. Bild: dpa

Der Mord an Walter Lübcke, Schüsse auf einen Eritreer, Morddrohungen gegen eine Anwältin, die NSU-Opfer vertritt – in Hessen ist seit dem Sommer nichts mehr normal. Was ist dort ins Rutschen geraten?

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          Der Eritreer ist mittlerweile aus Wächtersbach fortgezogen. Er ist noch in medizinischer Behandlung, kann noch nicht wieder gerade gehen und wird psychologisch betreut. Drei Schüsse hatte der Täter im Industriegebiet des kleinen hessischen Ortes im Juli auf ihn abgefeuert. Einen Kugel traf ihn in den Bauch, verletzte ihn lebensgefährlich. Danach fuhr der Täter wieder in seine Stammkneipe und prahlte vor seinen Saufkumpanen, bevor er sich ein paar hundert Meter entfernt erschoss. Die Kneipe gibt es noch: eine Art Garage im Wohngebiet, drinnen die gleichen Gestalten wie kurz nach der Tat, vor sich Schnaps und Bier. Über das, was im Sommer vorgefallen war, will man hier nicht mehr sprechen. Das sei doch schon so lange her, sagt einer. „Alles wieder normal“, sagt der Wirt.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Doch in Hessen ist seit diesem Sommer kaum etwas wieder normal. Das Land wurde erschüttert von Ereignissen, die alle im Zusammenhang mit dem Thema Rechtsextremismus stehen. Die Schüsse in Wächtersbach; der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU); die Wahl eines NPD-Mitglieds zum Ortsvorsteher; das Gerichtsurteil, in dem ein Richter die Ansichten der NPD verteidigt; die Morddrohungen gegen eine Anwältin, die Opfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) vertrat. Hat Hessen ein besonderes Problem mit dem Thema Rechtsextremismus?

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