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Streit in der AfD : Wie Hans-Olaf Henkel das Strahlen verging

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Hans-Olaf Henkel könnte sich in der Partei geirrt haben. Bild: dpa

Hans-Olaf Henkel hat als Grund für seinen Rücktritt aus dem Parteivorstand der AfD den Ton in der Partei und rechtspopulistische Strömungen angegeben. Hätte er darüber nicht längst Bescheid wissen können? Doch, natürlich.

          Hans-Olaf Henkel ist aus dem Bundesvorstand der AfD zurückgetreten mit der Begründung, die Partei habe sich zum Schlechten verändert in den vergangenen 15 Monaten. Das mag stimmen, so wie es stimmt, dass ein dichter Urwald vor 15 Monaten vermutlich ein noch nicht ganz so dichter Urwald war. Aber kein Golfplatz. So jedoch redet Henkel.

          Kaum war er der AfD beigetreten, stellte er sich beim Politischen Aschermittwoch der Partei auf die Bühne und gab seine Überzeugung bekannt: „Das sind alles Ehrenmänner und Ehrenfrauen hier, die sollten sich den Schneid von der Presse nicht abkaufen lassen!“ In dieser Woche nun verkündete Henkel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, es gebe in der Partei zu viele „Karrieristen, Rechtsideologen, Spinner und Pleitiers“. Außerdem herrsche ein Ton unter Mitgliedern des Bundesvorstandes, der schier unerträglich sei. Derartiges wird über AfD-Leute gesagt, seit es die AfD gibt, auch von AfD-Leuten selbst. Ganz vergessener Völker Müdigkeiten befallen denjenigen, der es zum tausendsten Mal hört, und durch die Müdigkeiten hindurch flackert nur noch die Frage: Hätte man es denn nicht wissen können? Doch, natürlich.

          Hans-Olaf Henkel hat die AfD fast ein Jahr lang beobachtet, bevor er eintrat. „Politische Marktforschung“ nannte er das: Parteiveranstaltungen besuchen, mit Lucke mailen, sich mit Parteimitgliedern treffen, beschnuppern, schwanzwedeln. Er prüfte, was Bernd Lucke sagte, aber auch, was die anderen Wichtigen in der Partei von sich gaben: Frauke Petry, Konrad Adam, Alexander Gauland und so weiter. Heute zählt er gerade diese drei zu den Schlimmsten. Henkel erklärt, Persönlichkeiten hätten sich „verändert“. Einige Kollegen seien „über Nacht prominent“ geworden, was ihnen zu Kopf gestiegen sei. Er erkenne sie kaum wieder.

          Petry, Adam und Gauland prägen die AfD seit ihrer Gründung. Das war lange bevor Henkel eintrat. Sie saßen in Talkshows, standen auf Marktplätzen und kämpften darum, in den Bundestag einzuziehen. Auf dem Gründungsparteitag hatte Konrad Adam die Richtung schon mal vorgegeben: Den Vorwurf „Populist“ solle man als Auszeichnung verstehen. Derlei Aussichten lockten rasch Leute an, die man dann doch nicht gar so gern in der AfD haben wollte. Zum Beispiel ehemalige Mitglieder der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“. Im September 2013 sagte ein Hamburger AfD-Sprecher dem „Spiegel“, es lasse sich leider nicht leugnen, dass sich in mehreren Bundesländern systematisch rechte Gruppen formierten, die Einfluss auf die AfD nehmen wollten.

          Hans-Olaf Henkel focht das nicht an. Im September 2013 - da war er noch lange nicht Parteimitglied - trat er bei einer AfD-Veranstaltung in Berlin auf. Ansage Henkel: Für Rechtspopulismus in der AfD gebe es „keinen Beweis“. Der Vorwurf sei bloß der Versuch der politischen Konkurrenz, die AfD mundtot zu machen. Lucke schien das etwas anders zu sehen: Er ordnete ein paar Tage später einen Aufnahmestopp für frühere Mitglieder der „Freiheit“ an. Schon damals wehrten sich Frauke Petry und Alexander Gauland in aller Öffentlichkeit. Petry sagte: „Wir werden ehemalige Mitglieder der ,Freiheit‘ nicht generell als rechtspopulistisch abqualifizieren.“ Und Gauland kündigte trotzig an, in seinem Landesverband Brandenburg würden deren Mitgliedsanträge weiter geprüft. Ende 2013 trat Hans-Olaf Henkel in die AfD ein.

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