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Harald Kujat : General im Aufsichtsrat von Heckler & Koch

Ein Mann der klaren Worte: Harald Kujat Bild: dpa

Harald Kujat ist bei der Bundeswehr und als Sicherheitsberater bekannt für seine scharfe und klare Denkweise. Mit der hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Nun soll er in der Führungsetage von Heckler & Koch mitwirken.

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          Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat hat seine beachtliche militärische Karriere im Verteidigungsministerium und dann als Vorsitzender des Nato-Militärausschusses im Frühsommer 2005 beendet, als ihn Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) mit Großem Zapfenstreich in den Ruhestand verabschiedete. Es folgte als zweite Laufbahn eine Karriere als Fernseh- und Radiogeneral. Kujat war jahrelang häufiger Gast vor Kameras und am Mikrofon als sachkundiger Begleiter und Kritiker der Sicherheitspolitik. Nun folgt, im höheren Alter, noch eine berufliche Station als Vorsitzender des Aufsichtsrates beim Waffenhersteller Heckler & Koch. Am Freitag wurde er auf der Hauptversammlung der Firma zunächst mit deutlicher Mehrheit in den Aufsichtsrat gewählt und dann zum Vorsitzenden desselben bestimmt.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Die mittelständische Firma im schwäbischen Oberndorf am Neckar stellt Pistolen und Gewehre vieler Art her, exportiert in viele Länder und hatte in den vergangenen Jahren erhebliche Probleme. Das lag einerseits an illegalen Exportgeschäften, in die Mitarbeiter verstrickt waren, andererseits an der öffentlichen Auseinandersetzung um die Standardwaffe der Bundeswehr, das Sturmgewehr G36.

          Diese Waffe erfreut sich bis heute größter Beliebtheit bei den Soldatinnen und Soldaten. Und dies ungeachtet einer scharfen Kontroverse um ihre Zielgenauigkeit bei Erhitzung und andere technische Details, die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor Jahren bewogen hatten, das Gewehr auszumustern. Was allerdings bis heute nicht geschehen ist. Die Oberndorfer hoffen, den Nachfolger liefern zu dürfen, der wirtschaftlichen Situation der Firma würde das helfen. Andererseits gibt es um die Ausschreibung wieder Konflikte zwischen Ministerium und Firma.

          Ob Kujat dabei irgendwie nützlich sein kann, hängt auch davon ab, wer das Ministerium künftig führt. Mit der gegenwärtigen Hausleitung verbindet den 77 Jahre alten General a. D. aus dem heute polnischen Mielke jedenfalls eine herzliche Abneigung. Schon kurz nach von der Leyens Amtsübernahme hatte Kujat gesagt, sie habe „ganz offensichtlich keine Ahnung vom Militär“ und komme ihm vor „wie eine gute Hausfrau, die ihre Kinder versorgt“. Später entschuldigte er sich bei ihr für den überzogenen Ton seiner Anwürfe. Im Grundsatz blieb er dabei: Von der Leyen schade der Bundeswehr.

          Kujat, verheiratet und Vater von drei Kindern, war als scharfer Denker und freimütiger Redner bekannt. Auf vielen Stationen seiner Laufbahn hat er die Politik und vor allem sozialdemokratische Verteidigungsminister aus nächster Nähe kennenlernen können: als Ordonnanzoffizier und Adjutant, später als Chef des Planungsstabes und schließlich als oberster militärischer Ratgeber von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Zuletzt hatte der frühere Luftwaffengeneral aber vor allem durch wohlwollende Äußerungen zu Russland und Wladimir Putins Außenpolitik von sich reden gemacht, was ihm den böswilligen Beinamen „Sowjet-General“ eintrug. Sein Wirken für ein ominöses Institut des Putin-Vertrauten Waldimir Jakunin sorgte ebenfalls für Stirnrunzeln.

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