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Hans-Peter Friedrich : Der „Stellvertreter“ wird Minister

  • -Aktualisiert am

Wird Innnenminister: Der bisherige CSU-Landesgruppenchef Friedrich Bild: dpa

Beinahe geräuschlos führte Hans-Peter Friedrich bisher die CSU-Landesgruppe und trotzte auch Seehofers Störfeuern. Nun wird er Thomas de Maiziére als Bundesinnenminister ablösen. Schon seit langem wurde ihm ein Wechsel in das Kabinett zugetraut.

          Hans-Peter Friedrich - nie gehört, den Namen? Aber Franz Josef Strauß sagt Ihnen etwas oder Friedrich Zimmermann, Theo Waigel, Michael Glos, nicht wahr? Na, dann wäre es längst höchste Zeit gewesen, sich den Namen Friedrich zu merken. Denn seit Herbst 2009 der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, was die anderen auch alle mal waren, bevor sie später Bundesminister in Bonn oder Berlin wurden oder zudem, wie Strauß und Waigel, noch CSU-Vorsitzende.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Friedrich löst nun Thomas de Maiziére (CDU) als Bundesinnenminister ab. De Maiziére wiederum wird Nachfolger als Verteidigungsminister des über die Plagiatsaffäre gestürzten Karl-Theodor zu Guttenberg.

          Die Landesgruppe ist der Zusammenschluss aller CSU-Abgeordneten. Diese Gruppe hat Gewicht im Koalitionsgefüge, weil hinter ihr eine eigene Partei steht, die etwa zwanzig Prozent der Unionsstimmen bei allen Bundestagswahlen seit 1949 beisteuert. Der Chef der Landesgruppe ist mithin ein wichtiger Mann. Wenn er in Koalitionsrunden oder anderswo mitteilt, dass „seine“ Abgeordneten einem Vorhaben der Regierung nicht zustimmen, dann wird es schwierig für Kanzler oder Kanzlerin.

          Mehr Glanz, weniger Macht

          Seit Gründung der Bundesrepublik sind nicht nur Strauß, Zimmermann, Waigel und Glos Bundesminister geworden, sondern ausnahmslos alle zehn Landesgruppenvorsitzenden, die es gab, angefangen bei Fritz Schäffer im Jahr 1949 bis hin zum heutigen Verkehrsminister Peter Ramsauer. Doch wehrten sich nicht wenige von ihnen gegen diese Weiterverwendung. Sie wussten, dass sie als Bundesminister zwar mehr Glanz, aber oft doch weniger Macht haben würden.

          Michael Glos, um das jüngste Beispiel zu nennen, war von 1993 bis 2005 ein einflussreicher Landesgruppenchef. Der Wechsel ins Amt des Bundeswirtschaftsministers war der Anfang vom Ende seiner politischen Laufbahn. Er hielt nicht mal mehr eine Legislaturperiode durch.

          Kein Lautsprecher

          Das alles wusste Hans-Peter Friedrich. Sein Vorgänger Ramsauer gehörte in die Kategorie der lautstarken Landesgruppenchefs. Von ihm gab es deftige Rhetorik, die bisweilen schon einsetzte, wenn der zugrunde liegende Gedanke noch nicht ganz zu Ende gedacht war. Friedrich liefert all das nicht. Der 1957 im oberfränkischen Naila als Sohn eines Verwaltungsangestellten geborene Protestant ist ein freundlicher, ruhiger Mann. Er war schon als Schüler sozial engagiert, gesellschaftspolitisch interessiert und in der Schülermitverwaltung aktiv.

          Seine parteipolitische Laufbahn begann, wie bei vielen Bundestagsabgeordneten, früh. 1973 trat er der Jungen Union bei, wurde Gründungsvorsitzender der Schüler-Union Oberfranken, ein Jahr später CSU-Mitglied. Beruflich begann er als Regierungsrat im Bundeswirtschaftsministerium, wechselte 1989 in die Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft in Washington. Aus dem diplomatischen kehrte er in das politische Leben zurück und wurde 1991 Mitarbeiter der Unionsfraktion im Bundestag. Dort stieg er zum persönlichen Referenten des Landesgruppenchefs Glos auf. Friedrich wusste also genau, was auf ihn zukam, als er sein jetziges Amt übernahm.

          Der Stellvertreter

          Den Schritt vom Mitarbeiter zum politisch Handelnden machte Friedrich im Jahr 1998, als er Bundestagsabgeordneter wurde. Seither hat er vorwiegend Stellvertreterposten innegehabt. Um die Jahrtausendwende war er stellvertretender Vorsitzender zweier Untersuchungsausschüsse. 2005 wurde er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Selbst als Vorsitzender der Landesgruppe ist er zugleich die Nummer zwei, nämlich „Erster Stellvertreter“ des Vorsitzenden der Unionsfraktion, Volker Kauder. Und er hat den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden des CSU-Bezirksvorsitzenden Oberfranken inne. Der Vorsitzende war bisher der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

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