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SPD-Politiker verstorben : So trauert die Politik um Hans-Jochen Vogel

  • Aktualisiert am

Hans-Jochen Vogel 1995 auf dem Bundesparteitag der SPD in Mannheim Bild: Barbara Klemm

Der Tod des SPD-Politikers Hans-Jochen Vogel hat parteiübergreifend für Trauer gesorgt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hebt seine Geradlinigkeit und sein christliches Menschenbild hervor.

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          Jahrzehntelang hat Hans-Jochen Vogel die SPD maßgeblich geprägt – als Bürgermeister, Bundesminister, Kanzlerkandidat, Fraktions- und Parteivorsitzender. Am Sonntag starb er im Alter von 94 Jahren in München, wie seine Partei mitteilte. Parteiübergreifend wurde Vogels Einsatz für Gerechtigkeit und Demokratie gewürdigt. „Seine Disziplin und Geradlinigkeit, sein Pflichtbewusstsein und sein christliches Menschenbild haben ihm über alle Parteigrenzen hinweg größten Respekt eingebracht“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

          Der SPD-Parteivorstand würdigte Vogel als „großen Sozialdemokraten“. In einer Erklärung hieß es: „Hans-Jochen Vogel kämpfte sein Leben lang für sozialdemokratische Werte, eine gerechte Welt und für ein einiges Europa. Er wird fehlen.“

          Vogel habe „wie kaum einer für Verständnis und Fürsorge, Demokratie und Menschlichkeit gestritten“, schrieb SPD-Chefin Saskia Esken auf Twitter. Generalsekretär Lars Klingbeil sagte, Vogel sei ein Politiker gewesen, „der dieses Land über Jahrzehnte geprägt hat und dem wir alle viel zu verdanken haben“.

          Bundespräsident Steinmeier würdigte Vogel als Mann mit festen Überzeugungen: „Sein Eintreten für den Rechtsstaat, verbunden mit seinem tiefen moralischen Gefühl, was Recht und Unrecht ist, wird mir immer in Erinnerung bleiben“, schrieb Steinmeier an Vogels Witwe Liselotte. Vogels politisches Vermächtnis sei: „Soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und unser demokratisches Gemeinwesen zu stärken.“

          Ihn trieb die Sorge um seine Partei um

          Für die SPD füllte Vogel zahlreiche Spitzenämter aus. Er war Bürgermeister von München und West-Berlin, Bundesminister für Bau und Justiz und wurde 1983 als Nachfolger von Herbert Wehner Fraktionsvorsitzender der SPD, die seit dem Bruch der sozialliberalen Koalition im Vorjahr in der Opposition war. Als Kanzlerkandidat unterlag er 1983 klar dem CDU-Amtsinhaber Helmut Kohl.

          1987 übernahm Vogel dann zusätzlich den Parteivorsitz von Willy Brandt. Nach der Wende in der DDR wurde Vogel der erste Vorsitzende der wiedervereinigten SPD. 1991 gab er den Partei- und Fraktionsvorsitz ab und zog sich aus der Politik zurück. Die letzten Jahre verbrachte er in einem Seniorenstift in München. Er litt an der Parkinson-Krankheit.

          Nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik meldete sich Vogel immer wieder öffentlich zu Wort – auch in seinen letzten Lebensjahren. Vor allem die zunehmend schwierige Lage seiner Partei trieb ihn im hohen Alter um.

          Vor einem Jahr wandte er sich zusammen mit acht weiteren früheren SPD-Vorsitzendem mit einem Aufruf an die Parteibasis. „Wir sind in sehr großer Sorge um unsere Partei“, hieß es dort „Die SPD befindet sich in einer ernsten Krise, die existenzielle Folgen nicht nur für die Partei, sondern auch für unser Land haben kann.“

          CSU-Chef Markus Söder würdigte Vogel als „herausragende Persönlichkeit“. Söder fügte hinzu: „Über Parteigrenzen hinweg genoss er durch seine glaubwürdige Politik und authentische Art höchstes Ansehen.“

          Die Grünen-Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter würdigten Vogel am Sonntag als „integren und aufrechten Politiker“. Sie verwiesen darauf, dass Vogel im Nationalsozialismus aufwuchs und als Frontsoldat im Krieg kämpfte: „Sein Denken und Handeln waren geprägt vom Kriegserlebnis und der Aufarbeitung des Terrorregimes der Nazis.“

          FDP-Parlamentsgeschäftsführer Marco Buschmann würdigte den Verstorbenen als „authentischen und bescheidenen Sozialdemokraten“ und fügte einen Seitenhieb gegen Vogels Nachfolger hinzu: „Anders als anderen Ex-SPD-Chefs wäre es ihm nie in den Sinn gekommen, seinen Ruhestand zu versilbern.“

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