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Wirtschaftsspionage : Verfassungsschutzchef warnt Unternehmen

  • Aktualisiert am

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen bei einer Pressekonferenz am 4. Mai in Berlin. Bild: AFP

Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen warnt Unternehmen vor spionierenden Mitarbeitern – und sieht keine Belege für Wirtschaftsspionage durch die NSA. Bundeskanzlerin Merkel dämpft die Hoffnung auf eine schnelle Aufklärung der Geheimdienstaffäre.

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          Der Verfassungsschutz sieht deutsche Unternehmen durch Mitarbeiter gefährdet, die sensible Informationen abgreifen und an ausländische Nachrichtendienste oder andere Stellen weitergeben. Die Bedrohung durch solche Innentäter sei vielen Firmen noch nicht genug bewusst, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Mittwoch bei einer Fachtagung zur Wirtschaftsspionage in Berlin.

          „Menschen stellen eine mögliche Sicherheitslücke dar, die von Unternehmen oft unterschätzt wird.“ Maaßen beklagte, bislang seien Firmen aus Angst vor Imageschäden noch sehr zurückhaltend damit, Spionagefälle durch eigene Mitarbeiter zu melden. Es gebe ein großes Dunkelfeld. Auch für staatliche Stellen und die Nachrichtendienste selbst seien Innentäter eine große Gefahr.

          „Wir müssen unsere Kronjuwelen schützen“

          Fachleute aus den Sicherheitsbehörden diskutierten bei der Tagung gemeinsam mit Wirtschaftsvertretern über Gefahren und mögliche Abwehrmechanismen bei Spionage in Unternehmen.

          Volker Wagner von der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft sagte, Spionage sorge bei Unternehmen für immense Schäden. „Wir müssen unsere Kronjuwelen schützen - egal vor welchem Angreifer.“

          Keine konkreten Beweise für Spionage

          Die Aufklärung der NSA-Affäre verläuft indes weiter schleppend. Unklar bleibt, ob den Geheimdienstkontrolleuren des Bundestags Listen mit Spähzielen zur Verfügung gestellt werden. Das entsprechende Konsultationsverfahren dauere an, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch in Berlin. Es sei „noch keine Entscheidung gefallen, inwieweit wir die Informationen an den Bundestag weitergeben.“ Die Listen im Bundeskanzleramt umfassen Zehntausende sogenannte Selektoren. Das sind absprachewidrig vom amerikanischen Geheimdienst NSA an den Bundesnachrichtendienst gelieferte Kriterien für die Ausspähung europäischer Ziele.

          Für den Verfassungsschutz beruhen Berichte über Ausspähungen der NSA in Europa vor allem auf Mutmaßungen. „Bisher liegt wenig Greifbares vor“, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen bei der Tagung in Berlin. Beweise, dass amerikanische Nachrichtendienste deutsche Unternehmen ausspähten, gebe es nicht. Unklar blieb, ob der Verfassungsschutz die Listen kennt. „Ein paar Sachen müssen geheim bleiben“, sagte Maaßen dazu.

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