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Handgemenge in U-Bahn : Ein Video, das viele Fragen aufwirft

U-Bahnhof Sendlinger Tor: In der Linie U1 kam es zur Auseinandersetzung. Die älteren Wagon-Modelle sind nicht mit Kameras ausgestattet. Bild: Picture-Alliance

Ein Amateurvideo zeigt eine Handgreiflichkeit zwischen jungen Migranten und älteren Fahrgästen in einer Münchner U-Bahn. Hunderttausende klicken es bei Facebook an und fordern mehr Sicherheit.

          2 Min.

          Ein Mann veröffentlicht am Sonntag ein Video mit einem langen Text bei Facebook. Es wird tausendfach geteilt, kommentiert, 420.000 Mal bei Facebook angeschaut. Die britische „Daily Mail“ berichtet. Was ist zu sehen? Eine Handgreiflichkeit zwischen Männern verschiedenen Alters in einer Münchner U-Bahn. Jüngere Männer halten einen älteren fest, kurz darauf eine Handgreiflichkeit mit einem anderen, der eingreifen will. „Benehmt euch hier. Ihr habt euch zu benehmen“, ruft ein Mann aus dem Off. Das Bild ist verwackelt.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Viel ist nicht zu sehen, dem Ton der Stimmen nach zu urteilen ist die Stimmung gereizt. Den Kontext schafft der Urheber des Videos in seinem Facebook-Post. Demnach soll zuvor eine junge Frau belästigt und zwei ältere Männer, die ihr helfen wollten, attackiert worden sein.

          Facebook-Nutzer Tom R., der das Video online gestellt hat, verbindet das mit einer Botschaft: „Mir reicht es jetzt endgültig mit gewalttätigen Asylanten/Asylbewerbern!“ Er habe in den vergangenen Wochen ähnliche Ereignisse beobachtet und sei deshalb zum Schluss gekommen, dass er seine Meinung nun öffentlich machen will. Die Polizei hat die Echtheit des Videos inzwischen bestätigt. Zur Auseinandersetzung kam es zwischen Sendlinger Tor und Hauptbahnhof. Videoaufnahmen aus der U-Bahn, die für Klarheit sorgen könnten, gibt es nicht – die Fahrzeuge älteren Baujahrs sind nicht mit Kameras ausgestattet.

          Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, nachdem das Video über das Netz bekannt wurde. Der Urheber der Aufnahmen hat sich bei einer Münchner Dienststelle gemeldet, zwei Tage nach den eigentlichen Ereignissen. Eine Frau, die im Vorfeld der Aufnahmen attackiert wurde, hat Anzeige erstattet.

          Erfolg in den sozialen Netzwerken

          Inzwischen gibt es erste Erkenntnisse über den Ablauf der Ereignisse. Ein Mann soll einer älteren Frau vor die Füße gespuckt haben, diese stand auf, wollte sich gemeinsam mit ihrem Mann einen anderen Sitzplatz suchen. Der Angreifer soll ihr dabei ans Gesäß gefasst und ein Bein gestellt haben. Der Mann setzte sich zu einer anderen Frau, wollte Kontakt aufnehmen, strich ihr durchs Haar. Auch sie wehrte ab, heißt es im Polizeibericht.

          Daraufhin soll der Mann, der sich in einer Gruppe mit anderen jungen Männern befand, fest gegen die Scheibe der U-Bahn geschlagen haben. Verschiedene Personen griffen in das Geschehen ein und es kam zum Handgemenge, das im Video zu sehen ist. Am Mittwoch gab die Polizei bekannt, dass sie die Identität von drei Männern ermitteln konnte, sie kommen aus Afghanistan, sind 19, 20 und 23 Jahre alt. Der Urheber des Videos, ein weiterer Mann und die zwei geschädigten Frauen wurden außerdem vernommen.

          Auch wenn das Video zunächst den Eindruck vermittelte, dass es sich um eine aufgeheizte Stimmung handelt und die Männer handgreiflich werden –  niemand ist auf den ersten Blick sichtbar verletzt worden. Entsprechend verhalten äußerte sich die Polizei zunächst. „Ob sich dann tatsächlich herausstellt, dass es sich um eine Straftat handelt, ist noch völlig offen“, sagte ein Polizeisprecher am Mittwochnachmittag gegenüber FAZ.NET. Möglicherweise könnte es sich um Körperverletzung und sexuelle Nötigung handeln.

          Der Urheber des Videos, Tom R., distanziert sich, wie er unter dem Facebook-Post schreibt, von linker wie rechter Hetze. In den Kommentaren darunter bekommt der Video-Urheber viel Zustimmung. Einer fragt: „Wann sorgt die Polizei für Sicherheit?“ Während des eigentlichen Konfliktes wurde, wie ein Sprecher der Polizei betont, kein Notruf abgesetzt oder der Alarmknopf im Zug gedrückt. Das Video passt offenbar gut in die Stimmungslage vieler Facebook-Nutzer. Vielleicht erklärt das auch den Erfolg in den sozialen Netzwerken.

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