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Olaf Scholz : Glückskind

Pragmatisch wie Merkel, wuchtig wie Schröder: Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz hat noch Großes vor. Bild: Jens Gyarmaty

Wenn sich die SPD heute zum Parteitag trifft und das Wahlprogramm beschließt, dann hat er sich in weiten Teilen durchgesetzt: Olaf Scholz. Hamburgs Bürgermeister hat gerade einen Lauf. Er ist Gastgeber von G 20, Erfinder des SPD-Steuerkonzepts, Hoffnung für die Zeit nach Merkel. Ein Porträt.

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          An Selbstbewusstsein hat es ihm nie gemangelt, aber in diesen Tagen ist der Mann mit sich sehr im Reinen. Es ist Donnerstagabend, Olaf Scholz sitzt in seiner Hamburger Landesvertretung, unter den Ölgemälden verdienter Hamburger Senatoren aus alten Tagen. Von hier aus koordiniert der Erste Bürgermeister der Hansestadt seit neuestem die Aktivitäten der sieben Bundesländer, in denen die SPD noch den Ministerpräsidenten stellt, und der weiteren vier Länder, in denen sie mitregiert. Es ist eine einflussreiche Position, die er von der abgewählten nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft erbte – kraft persönlicher Autorität und weniger, weil Hamburg so ein wichtiges Bundesland wäre.

          Ralph Bollmann
          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Bürgermeister, in früheren Ämtern einst als spaßfreier „Scholzomat“ verspottet, lacht ziemlich viel an diesem Abend. Am meisten freut er sich über seinen jüngsten Coup: dass ausgerechnet seine SPD als Steuersenkungspartei für eine ziemlich breite Mittelschicht in den Wahlkampf zieht und den Solidaritätszuschlag abschaffen will.

          Das hat er gegen einigen Widerstand durchgesetzt, und wenn er sieht, wie wild die Positionen der Unionspolitiker seither in dieser Frage durcheinanderflattern, kommt er aus dem Kichern nicht mehr heraus. „Die aufgeregten Reaktionen der Union zeigen, wie richtig unser Konzept ist“, sagt er. Und legt noch einen drauf: „Wir wollen den Soli nicht allein für kleine und mittlere Einkommen abschaffen, sondern nach einer Übergangsperiode von vielleicht zwei oder vier Jahren für alle.“

          Auch der G-20-Gipfel wird den Blick auf Hamburg richten

          Wenn sich die SPD am heutigen Sonntag in Dortmund zum Parteitag trifft und das Wahlprogramm endgültig beschließt, dann hat sich Scholz in weiten Teilen durchgesetzt. Nach dem Kurzzeitjubel um das Gerechtigkeitsthema und die Absetzbewegungen von der früheren Agenda-Politik ist der Kanzlerkandidat Martin Schulz wieder deutlich in die Mitte gerückt. Sogar Gerhard Schröder, für dessen Politik sich Scholz als Generalsekretär einst prügeln ließ, bekommt in Dortmund einen großen Auftritt.

          Für einen glanzvollen Wahlsieg im September wird all das vermutlich nicht reichen. Aber danach schlägt erst recht die Stunde des Olaf Scholz, des Mannes, der sich schon seit Jahren ziemlich geschickt bereithält für die Zeit, in der Angela Merkel nicht mehr Kanzlerin ist und die SPD wieder Chancen hat, in Berlin den Regierungschef zu stellen. Als notorischer Realist hatte er sich bislang nie vorgedrängelt, wann immer die Kandidatenfrage anstand. Mit der Merkel-Dämmerung wird sich das ändern.

          Auch der Gipfel, zu dem sich die zwanzig wichtigsten Staats- und Regierungschefs aus aller Welt Anfang Juli in Hamburg treffen, wird den Blick auf die überaus erfolgreiche Hansestadt richten – und auf den Bürgermeister, der sie seit sechs Jahren mit Wahlergebnissen von 45 Prozent und mehr regiert, als hätte es eine Krise der Volksparteien nie gegeben. Wenn er Journalisten erzählt, wie Merkel ihn am Telefon fragte, ob er mit der Ortswahl für den Gipfel einverstanden sei – dann klingt es fast schon, als hätten die beiden dabei auch schon die Nachfolgefrage fürs Kanzleramt geklärt.

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