https://www.faz.net/-gpf-u8rd

Hamburger SPD : Naumann will mit Schröder siegen

  • Aktualisiert am

Naumann mit Schröder im Wahlkampf 1998 Bild: dpa

Der designierte Spitzenkandidat der Hamburger SPD will den Altkanzler für seinen politischen Werbefeldzug in der Hansestadt einspannen. Gerhard Schröder sei „einer der besten Wahlkämpfer, den die Republik je erlebt hat“, sagt Michael Naumann.

          2 Min.

          Der designierte Spitzenkandidat der Hamburger SPD, Michael Naumann, will gemeinsam mit dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder in den Wahlkampf ziehen. „Ich halte Gerhard Schröder für einen der besten Wahlkämpfer, den die Bundesrepublik je erlebt hat“, sagte Naumann am Donnerstag bei seiner offiziellen Vorstellung in der Hamburger SPD-Parteizentrale zur Begründung. Naumann versicherte, er selbst stehe für die von Schröder eingeschlagene Politik. Der Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“ war unter Schröder Kulturstaatsminister.

          Die Entscheidung, bei der Bürgerschaftswahl 2008 gegen CDU-Bürgermeister Ole von Beust anzutreten, sei ihm „relativ leicht gefallen“, sagte Naumann. Die Führungskrise der Hamburger SPD in den vergangenen Wochen bezeichnete er als eine „prekäre Situation“. Er habe die jüngsten Auseinandersetzungen jedoch „niemals als eine Art Schisma betrachtet, sondern als einen klassischen Familienkrach“. Es gebe zwar divergierende Ansichten in der Partei über das Wahlprogramm, gestand Naumann ein. Diese seien jedoch so minimal, dass diese ohne Schwierigkeiten in das Programm einfließen könnten.

          „Hamburg eine zerfallende Stadt“

          Naumann, will das Bemühen um mehr sozialen Zusammenhalt und wirtschaftliches Wachstum in den Mittelpunkt seiner Politik stellen. Er nannte Hamburg eine „zerfallende Stadt“, in der sich die soziale Schere rapide öffne. Dies gelte besonders für Kinder und Jugendliche. „Das Bildungssystem mit einer größeren sozialen Sensibilität zu betreiben, sehe ich daher als eine wichtige Aufgabe an“, sagte Naumann.

          2002: Schröder als Matinee-Gast beim „Zeit”-Herausgeber

          Zugleich gelte es, den wirtschaftlichen Wachstumskurs fortzusetzen, den die SPD über Jahrzehnte in der Hansestadt betrieben habe. Naumann sagte, er wolle besonders im Dienstleistungs- und Medienbereich Fördermaßnahmen und Ansiedlungen betreiben.

          „Land zurückgewinnen“

          Die SPD erhofft sich nicht nur in Hamburg einen Auftrieb durch die Nominierung Naumanns . „Wir werden den Schub, der mit dieser Nominierung ausgelöst wird, in Norddeutschland und in ganz Deutschland gut gebrauchen können“, sagte Generalsekretär Hubertus Heil in Hamburg. In Bremen gelte es dieses Jahr die Landtagswahl zu gewinnen, Anfang 2008 wolle man bei der Bürgerschaft in Hamburg „Land zurückgewinnen“.

          Mit der Präsentation Naumanns als Spitzenkandidat und Ingo Egloffs als designierten Landesvorsitzenden hat die Hamburger SPD einen ersten Schritt aus ihrer schweren Führungskrise gemacht, in die sie in den letzten Wochen gestürzt war. Sowohl Egloff als auch Naumann müssen auf dem außerordentlichen Parteitag am 24. März noch offiziell gewählt werden.

          „Reihen schließen, kämpfen und überzeugen“

          „Ich bin froh darüber, dass diese vorübergehende Krise jetzt weg ist“, sagte der SPD-Vorsitzende Kurt Beck in München. Mit Naumann habe man den besten Kandidaten, den die SPD habe finden können. Vizekanzler Franz Müntefering rief die Hamburger SPD zu uneingeschränkter Unterstützung Naumanns auf: „Meine Erwartung an die Partei in Hamburg ist, dass sie ihm geschlossen an die Seite tritt. Jetzt heißt es: Die Reihen schließen, kämpfen und überzeugen“, sagte der SPD-Politiker dem „Tagesspiegel“.

          Vor gut einer Woche war der Landesvorstand geschlossen zurückgetreten, nachdem bei einer parteiinternen Abstimmung über die Spitzenkandidatur für 2008 knapp 1000 Briefwahlstimmen verschwunden waren. Die Wahl, bei der der Landesvorsitzende Mathias Petersen und seine Stellvertreterin Dorothee Stapelfeldt gegeneinander angetreten waren, wurde abgebrochen und annulliert.

          Nachdem Petersen und Stapelfeldt ihre Ambitionen auf die Spitzenkandidatur zurückgezogen hatten, suchte die SPD eine Woche lang nach einem geeigneten und willigen Kandidaten. Doch ein Genosse nach dem anderen winkte ab, darunter der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Olaf Scholz und der ehemalige Bürgermeister Henning Voscherau.

          Weitere Themen

          Keine Revolution Video-Seite öffnen

          SPD-Parteitag : Keine Revolution

          Wird das Duo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans die SPD in eine erfolgreichere Zukunft führen? Daran kann man einige Zweifel haben, kommentiert F.A.Z.-Redakteurin Mona Jaeger.

          Topmeldungen

          SPD unter neuer Führung : Auf Linkskurs

          Unter Esken und Walter-Borjans wird die SPD einen Linkskurs einschlagen, mit dem sie vor die „Agenda 2010“ zurückfällt. Damit gibt sie allerdings auch den Anspruch auf die „Mitte“ auf.

          Bundesliga im Liveticker : 2:2 – Frankfurt ärgert Klinsmann

          Die Hertha von Jürgen Klinsmann geht in der zweiten Halbzeit mit 0:2 in Frankfurt in Führung. Doch die Eintracht gibt nicht auf – und kommt kurz vor dem Ende zum Ausgleich. Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.