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Wegen rechter Tendenzen : Hamburger AfD-Fraktionschef tritt aus Partei aus

  • Aktualisiert am

Jörn Kruse im Februar 2015 bei einer Pressekonferenz in Hamburg Bild: dpa

Im Streit um die Ausrichtung der Partei verliert die Hamburger AfD einen ihrer führenden Köpfe: den eher gemäßigten Fraktionsvorsitzenden Jörn Kruse. Parteichef Meuthen reagiert – mit einer Attacke.

          Der Vorsitzende der AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, Jörn Kruse, verlässt seine Partei wegen rechter Tendenzen. Er werde zum 1. Oktober den Fraktionsvorsitz niederlegen und aus der AfD austreten, schrieb er am Donnerstag in einer E-Mail an die Fraktionsmitglieder, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Die zunehmende Zusammenarbeit von Teilen der AfD, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern, mit Rechten und Rechtsradikalen ist für mich vollständig untolerierbar. Irgendwann ist auch der längste Geduldsfaden zu Ende“, heißt es darin. Der Bürgerschaft wolle er weiter angehören, ab 1. November allerdings nur noch als fraktionsloser Abgeordneter.

          AfD-Parteichef Jörg Meuthen sagte, Kruses Rückzug sei „menschlich bedauerlich, aber folgerichtig“. Er erklärte auf Anfrage: „Jörn Kruses Sicht auf die Partei befand sich schon seit längerem fernab der Realität.“ Seine „kruden Beschimpfungen“ von Parteimitgliedern, die vor allem auf Unkenntnis der tatsächlichen Abläufe beruht hätten, „hatten zuletzt einen unmittelbar parteischädigenden Charakter angenommen“. Er sei in der AfD zunehmend isoliert gewesen.

          Mitte September hatte sich Kruse bereits mit mahnenden Worten an Meuthen und dessen Ko-Parteivorsitzenden Alexander Gauland gewandt. Die AfD befinde sich seit ihrer Spaltung im Jahr 2015 wieder „an einem zweiten dramatischen Scheidepunkt“. „Sie macht jetzt – jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung – gemeinsame Sache mit Rechtsradikalen. Ohne energisches Gegensteuern wird das die Partei an den rechtsradikalen Rand führen“, schrieb der Vorsitzende der AfD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft in einer E-Mail an die Parteivorsitzenden Gauland und Meuthen, die der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt.

          Kruse warf Gauland vor, sich „durch Spontan-Ausfälle bei einzelnen öffentlichen Reden unglaubwürdig“ zu machen. Über Meuthen sagte er, dieser habe „keinerlei Autorität, keinen ideologischen und strategischen Kompass und keinen Mut“. Die Lage der Partei stellte Kruse, der zu den gemäßigten Stimmen seiner Partei zählt, als dramatisch dar.

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