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Wider die dritte Welle : Was bringen nächtliche Ausgangssperren?

Drei junge Männer werden am Donnerstag in Hamburg auf einem Spielplatz von der Polizei kontrolliert. Bild: dpa

Ab Karfreitag gelten in Hamburg nächtliche Ausgangssperren. Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher begründet die Entscheidung auch damit, dass internationale Studien die Wirksamkeit der Maßnahme erwiesen hätten. Stimmt das?

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          Seit diesem Freitagabend gilt in Hamburg von 21 bis 5 Uhr eine Ausgangsbeschränkung. Zum ersten Mal in der Pandemie und vorerst bis zum 18. April. Nur wer einen triftigen Grund hat, darf noch in der Nacht auf die Straße. Bei Verstößen droht ein Bußgeld von mindestens 150 Euro und bei der Polizei richtet man sich auf verstärkte Kontrollen ein. Der Chef des Hamburger Verbands der Gewerkschaft der Polizei, Horst Niens, äußerte schon, man müsse kein Prophet sein, um zu sehen, dass Konflikte mit Brechern der Ausgangssperren drohten. In der Nacht zu Freitag hatte es in der Stadt bereits Proteste gegen die Maßnahme gegeben.

          Anna-Lena Ripperger
          Redakteurin in der Politik.
          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.
          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Auch wenn es für Hamburg das erste Mal ist, gab es schon früher in der Pandemie in anderen Bundesländern, Städten und Landkreisen nächtliche Ausgangssperren. Jetzt, da die Infektionszahlen rasant steigen, werden sie an vielen Orten in Deutschland wieder eingeführt. In Hannover war es schon in der Nacht zu Freitag soweit. Berlin beschloss für die Ostertage eine „Ausgangssperre light“ – von Freitag an dürfen sich Personen zwischen 21 und 5 Uhr nur noch allein oder zu zweit im Freien aufhalten. In München sollen Ausgangsbeschränkungen von Sonntag an wieder gelten, die Stadt muss nach drei Tagen über der 100er-Inzidenz-Grenze die Notbremse ziehen.

          Viel wird daher gerade diskutiert über die Ausgangssperren als wichtige Maßnahme im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte auf die Beschlüsse zur Notbremse gepocht, zu denen regionale Ausgangssperren gehören. Markus Söder (CSU) und Winfried Kretschmann (Grüne), die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg, hatten es in ihrem Brief an die übrigen Ministerpräsidenten ebenso getan. In Hamburg liegt die Inzidenz bei 160, trotzdem war man im Senat bei Ausgangssperren lange zurückhaltend.

          Als der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sie am Mittwoch dann doch verkündete, sprach er von einer sehr wirksamen Maßnahme und berief sich dabei auf Erfahrungen in anderen Ländern Europas und die Erkenntnisse von Epidemiologen. Doch bislang ist es wegen der relativ geringen Menge an Daten aus verschiedenen Ländern noch relativ schwer, die Wirkung einzelner Anti-Corona-Maßnahmen isoliert zu beurteilen. Auch in Hamburg wahrgenommen wurde eine aktuelle internationale Studie eines Teams um Forscher der britischen Oxford-Universität, die bislang nur als „Preprint“ vorliegt, also noch nicht von Fachkollegen begutachtet wurde.

          Verzichtbare Maßnahme oder Reproduktionswert-Senker?

          Nächtliche Ausgangsbeschränkungen können den Reproduktionswert demnach um 13 Prozent senken. Allerdings entfalte sich diese Wirkung im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen – die zum Teil einen deutlich höheren Effekt hätten, wie etwa sehr strenge Kontaktbeschränkungen oder das Schließen von Geschäften (minus 26 Prozent beziehungsweise 35 Prozent). Eine andere internationale Studie auf der Basis von Daten zur ersten Welle aus 41 Ländern schätzt den Beitrag von Ausgangsbeschränkungen eher als klein ein und hält das Instrument bei effektiveren anderen Maßnahmen – Treffen von maximal zehn Personen, Schließen von Geschäften mit hoher Kontaktdichte sowie von Schulen und Universitäten – für verzichtbar.

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