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Hamburgs grüne Spitzenkandidatin : Wie hoch kann sie noch fliegen?

Katharina Fegebank: Bald die erste grüne Bürgermeisterin Hamburgs? Bild: Lucas Wahl

Die Grünen sind im Aufwind – und in Hamburg unter Katharina Fegebank noch ein wenig mehr als anderswo. Die Wissenschaftssenatorin könnte bald die erste grüne Bürgermeisterin der Hansestadt werden.

          Neulich hat Katharina Fegebank einen Ballon steigen lassen. Da eröffnete gerade der „Sommer des Wissens“ – ein Fest auf dem Hamburger Rathausplatz, bei dem Kinder erfahren können, wie ein Laser funktioniert oder was Planeten sind. Katharina Fegebank, die Wissenschaftssenatorin, stand auf der Bühne. Lächelnd ertrug sie den Moderator, der sie als unglaubliche Frau vorstellte, die eigentlich jeder kennen müsse, und der von den Grünen sprach, die ja happy sein müssten mit ihren guten Umfragewerten.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Dann kam der Ballon. Es war ein riesiger Wetterballon, und Fegebank hielt ihn zusammen mit dem Präsidenten der Hamburger Universität so lange, bis alle Fotografen ihr Foto gemacht hatten. Dann ließen sie los, und der Ballon stieg in den grauen Hamburger Himmel. Immer höher, bis er dann platzt, hatte ein Wissenschaftler auf der Bühne erklärt.

          Bei Ballons weiß man, wann Schluss ist: In 20 bis 25 Kilometern Höhe knallt es. Beim Höhenflug der Grünen weiß man das nicht. Schon gar nicht in Hamburg, wo manche Katharina Fegebank schon als Erste Bürgermeisterin sehen. Überall steigen die Grünen in neue Höhen, und in Hamburg sogar noch ein bisschen höher als anderswo.

          Bei der Europawahl haben sie hier mit 31 Prozent das beste Ergebnis aller Landesverbände geholt. Bei der Bezirkswahl am selben Tag lief es genauso gut. In vier von sieben Bezirken konnten sie die SPD überholen, mit der sie im Rathaus gemeinsam regieren.

          Seitdem wabert die Frage durch Hamburg, wie hoch sie noch fliegen können – und was passiert, wenn Fegebank die Stadt führt. Sie wäre die erste grüne Bürgermeisterin und überhaupt die erste Frau in diesem Amt. Eine grün-liberale Pragmatikerin. Gut sieben Monate sind es noch bis zur Wahl im Februar 2020.

          Die Grünen – die neue Hamburg-Partei?

          Am Tag nachdem der Wetterballon geplatzt ist, sitzt sie in ihrem Büro im Rathaus. In dem Imponierbau mit seinen bedeutungsschweren historischen Räumen und den langen Reihen früherer Bürgermeister in Öl hat sie ihr unspektakuläres Zimmer karg eingerichtet. Es ist ihr Büro als Zweite Bürgermeisterin, ihre Wissenschaftsbehörde liegt ein paar Kilometer weiter im Norden.

          Fegebank erzählt, dass sie sich Gedanken macht. Sie sagt, sie habe nach all den Robert-Habeck-Titelbättern der letzten Zeit noch einmal nachgeschaut, wie es damals war, nach Fukushima. Da gab es genauso viele Titel mit Jürgen Trittin, die Umfragen waren gut. Dann aber kam der Fall, und er dauerte lange. Noch im Bundestagswahlkampf 2017 hat sie gehört, die Grünen sollten froh sein, wenn sie es überhaupt wieder ins Parlament schafften. „Das lässt einen schon nachdenken, warum es damals so rapide bergab ging“.

          Und dann fallen Fegebank eine Menge Gründe ein, warum es diesmal nicht wieder so sein werde. Sie zählt auf: Das Thema Klimaschutz, das gekommen sei, um zu bleiben; die klare Haltung der Grünen gegen Nationalisten und Rassisten; die Spitze der Bundespartei mit ihren frischen Gesichtern; die schlechte Politik der großen Koalition in Berlin – und dann natürlich all das, was die Grünen in Hamburg geleistet hätten. Nach der Europawahl hat sie gesagt, dass die Grünen die neue Hamburg-Partei seien. Eine Stichelei gegen die SPD. Aber es formulierte auch einen Anspruch.

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