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Trauer um Helmut Schmidt : Hamburgs Abschied von seinem Lotsen

Schweigeminute in der Hamburger Bürgerschaft Bild: dpa

Die Hansestadt trägt Trauer, die Fahnen sind nach dem Tod von Helmut Schmidt auf Halbmast gesetzt. Die Hamburger erweisen einem ihrer größten Söhne die letzte Ehre – mancher sogar mit einem Lieblingsutensil des ehemaligen Bundeskanzlers.

          Die Fahnen in Hamburg wie auch in Schleswig-Holstein sind auf Halbmast gesetzt, und so wird es Helmut Schmidt zu Ehren auch noch eine ganze Woche lang bleiben. In der Hamburger Rathausdiele liegen Kondolenzbücher aus. Als erste hatten sich Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD) und die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) eingetragen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) war noch in China. Veit schrieb: „Die Freie und Hansestadt Hamburg wird ihrem Lotsen stets ein ehrendes Andenken bereiten.“ Fegebank notierte: „Die Welt verliert eine Stimme der Vernunft, unsere Stadt einen geliebten Sohn.“

          Hunderte Hamburger standen anschließend im Nieselregen Schlange, um sich ebenfalls eintragen zu können. Am Rathaus lagen Blumen, Kerzen brannten. Auch ein Plakat war zu sehen: „Mach‘s gut, Helmut. Und grüß Loki.“ Sogar ein Päckchen Mentholzigaretten hatte jemand zwischen den Blumen abgelegt.

          Die Hamburger Zeitungen würdigten auf vielen Extraseiten Leben und Wirken Schmidts, das Hamburger Abendblatt sogar mit 24 Seiten, darunter alten Titelblättern aus der Ära von Kanzler Schmidt.

          Hamburger warten vor dem Rathaus, um sich in das Kondolenzbuch einzutragen. Bilderstrecke

          Die „Zeit“, der Schmidt als Herausgeber so besonders verbunden war, brachte eine Extraausgabe – mit 28 Seiten. Der Erlös soll der von Schmidt ins Leben gerufenen Stiftung zukommen. Im Foyer der Redaktion steht nun sein Bild und liegt ebenfalls ein Kondolenzbuch aus. Vor Schmidts Haus im Stadtteil Langenhorn gibt es inzwischen ein Blumenmeer. Immer wieder kommen Menschen dorthin, Fernsehteams und Fotografen dürfen dann nicht fehlen.

          Als die Hamburger Bürgerschaft wie üblich um 15 Uhr zusammentrat, begann die Sitzung mit einer Schweigeminute. Schmidts Tod ist ein Großereignis in Hamburg, denn zumindest mit dem späten Schmidt ist die Hansestadt in großer Liebe verbunden.

          Und auch für seine Beisetzung laufen die Vorbereitungen. Er selbst hat mit Vertrauten noch die Einzelheiten besprochen. Im Michel, der Hamburger St. Michaeliskirche, wird es eine Trauerfeier, einen Staatsakt geben – so wie schon 2010 für seine Ehefrau Hannelore „Loki“ Schmidt. Wann genau das sein wird, soll spätestens am Wochenende feststehen.

          Die Grabstelle auf dem Ohlsdorfer Friedhof ist vorbereitet – neben Loki, die am 21. Oktober 2010 hier beigesetzt wurde. Helmut Schmidt besaß ein großes Vermögen, erworben vor allem als gefragter Redner und als Publizist. Der größte Teil geht laut Schmidts Verfügung an die Helmut-und-Loki-Schmidt-Stiftung.

          Deren Zweck besteht darin, das Andenken „an Helmut Schmidts Wirken für Freiheit und Einheit des Deutschen Volks, für Europa und für die Verständigung und Versöhnung unter den Völkern“ zu bewahren. Außerdem dient sie dem Andenken an Loki Schmidts Arbeiten zum Schutz der Natur. Die Stiftung hat eine eigene Publikationsreihe, lädt zu Veranstaltungen ein und vergibt Forschungsaufträge.

          Die Stiftung wird auch das Haus in Langenhorn mit seinem Archiv, der Bibliothek und den vielen Andenken aus einem langen und wirkungsmächtigen Leben übernehmen.

          Vielleicht kann es künftig auch als Museum besucht werden. Schmidt jedenfalls hat sich das so gewünscht. Die Hamburger Jungsozialisten haben schon gefordert, den Hamburger Flughafen nach Helmut Schmidt zu benennen.

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