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Rote Flora in Hamburg : Mit den Waffen einer Floristin

Besetzt: Das Kulturzentrum Rote Flora in Hamburg Bild: dpa

Jahrelang hat eine Polizistin incognito in der Hamburger Roten Flora spioniert – auch unter Einsatz ihres Körpers. Die Geschichte kommt dem Senat ungelegen, denn vor Kurzem hat die Stadt die Immobilie wieder übernommen.

          Die Besetzer der sogenannten Roten Flora im Hamburger Schanzenviertel hatten den Fall schon vor drei Wochen selbst öffentlich gemacht. Sie wendeten sich zu diesem Zweck an die „Tageszeitung“ und berichteten, offenbar habe eine Polizistin vor Jahren als verdeckte Ermittlerin die Rote Flora ausspioniert. Sie sei jetzt wiedererkannt worden auf einem Foto, geschossen bei einem Polizeieinsatz. Sie habe über Jahre hinweg unter dem Namen Iris Schneider in der Szene eine Rolle gespielt. Sie habe sogar zwei Liebesbeziehungen mit „Floristen“ gehabt, dazu viele Freundschaften. Allerdings lag der Fall acht Jahre zurück, denn von 2006 an, so hieß es, soll Iris Schneider nicht mehr aufgetaucht sein.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Vielleicht waren die acht Jahre Abstand der Grund, dass es eine ganze Weile dauerte, bevor sich auch die Hamburger Politik für den Fall und vor allem seine rechtlichen Grundlagen zu interessieren begann. Jetzt gab es eine Bestätigung durch die Innenbehörde: Ja, eine verdeckte Ermittlerin sei in der Szene der Roten Flora aktiv gewesen. Der Senat beantwortete mit dieser Auskunft eine kleine Anfrage der Bürgerschaftsabgeordneten Christiane Schneider von der Linkspartei. Zunächst sei die junge Frau als „nicht offen eingesetzte Polizeibeamtin“ zur Gefahrenabwehr tätig gewesen, was immer das bedeuten mag. Nach einigen Monaten sei sie dann verdeckte Ermittlerin geworden. Das war im Jahr 2000. Und es gab für den Einsatz Gerichtsbeschlüsse. Zuerst war noch die Hamburger Innenbehörde verantwortlich, dann aber wurde der Einsatz von der Bundesanwaltschaft übernommen. Das geschah mit Blick auf den Straftatbestand der Bildung einer terroristischen Vereinigung.

          So waren die Zeiten. Immer wieder hatte es in Hamburg linksradikale Anschläge gegeben. 1999 etwa wurde der Dienstwagen des damaligen Innensenators Hartmuth Wrocklage (SPD) vor seinem Haus angezündet. Ein Jahr später brannte ein Lufthansa-Dienstwagen und flogen Farbbeutel auf das Wohnhaus von Jürgen Weber, des damaligen Lufthansa-Vorstandsvorsitzenden. Im Dezember 2006 brannte das Auto der Ehefrau von Thomas Mirow (SPD), der damals Finanzstaatssekretär im Bund war. All das stand unter Terrorismusverdacht. Und immer wieder war dann auch von der Roten Flora und ihrem gewalttätigen Umfeld die Rede.

          Bis 2006 jedenfalls war die heute 41 Jahre alte Polizistin im Einsatz. Von Iris Schneider stimmte dabei nur der Vorname, ihr Lebenslauf war für den Einsatz erfunden worden: Angeblich war sie 2000 von Hannover nach Hamburg gekommen. Sie bezog eine kleine Wohnung und arbeitete in der Flora im Café. Sie war überhaupt häufig in der Flora zu finden, nahm an Demonstrationen und vielen anderen Aktionen teil. Sie machte beim „Freies Sender Kombinat“ (FSK) mit, wo sie als Redaktionsmitglied etwa mit dem „Nachmittagsmagazin für subversive Unternehmungen“ zu tun hatte und selbst Sendungen moderierte. Sie bekam so tiefe Einblicke in die Strukturen der Flora. Und sie lernte die „Floristen“ kennen, manche sogar intim. Allerdings hatte es auch in der Roten Flora schon Zweifel gegeben, ob alles mit der jungen Frau seine Richtigkeit gehabt habe. Die dürftig eingerichtete Wohnung, der nicht nachprüfbare Lebenslauf, die vielen Fragen, die sie immer wieder stellte – das fiel auf.

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