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Hamburg : Streit über ein langes Seil

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Entwurf der geplanten Seilbahn Bild: Stage Entertainment

Ein unmoralisches Angebot? An der Elbe tobt der Streit über ein riesiges Seilbahn-Projekt. Am Wochenende dürfen die Hamburger abstimmen.

          Mitten in der Ferienzeit tobt in Hamburgs Mitte ein ungewöhnlicher Wahlkampf. „Künftig schweben wir zum Dom“, steht etwas großsprecherisch auf einigen Plakaten. Geworben wird für ein Seilbahn-Projekt, mit dem St. Pauli und Steinwerder über die Elbe hinweg verbunden werden sollen. Am 24. August wird per Bürgerentscheid über das Projekt abgestimmt, etwa 200.000 Bürger sind stimmberechtigt. Zweifellos: Das hätte etwas, in 80 Metern Höhe über den Häusern und den Schiffen im Hafen über die Elbe zu schweben. Die Gondeln sollen zwischen dem Millerntorplatz in St. Pauli und den Musicaltheatern auf Steinwerder verkehren.

          Mit riesigen Stützen: So sehen die Seilbahngegner das künftige Stadtpanorama. Bilderstrecke

          Da aber liegt der Haken. Der Stadtteil Wilhelmsburg südlich der Elbe wäre interessiert. Vorkämpferin für die Seilbahn als Teil des „Sprungs über die Elbe“ ist etwa die CDU-Politikerin Herlind Gundelach, früher Senatorin in Hamburg, heute Bundestagsabgeordnete. Sie lebt dort, sie hat dort ihren Wahlkreis. Auch die Hamburger Handelskammer erwärmt sich für den Plan, denn es geht auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. Ein Musical-Betreiber und ein österreichischer Seilbahn-Hersteller haben nicht nur den Plan vorgelegt, sondern dem Stadtteil St. Pauli auch eine Spende von bis zu zehn Millionen Euro versprochen, sollten sie die Seilbahn bauen dürfen – fünfzig Cent von jedem Fahrschein, zehn Jahre lang.

          Manche nennen das ein unmoralisches Angebot. Beide Unternehmen würden die Seilbahn auch aus eigenen Mitteln bauen – für etwa 35 Millionen Euro. Das Bezirksamt Mitte aber will davon nichts wissen. Zu groß wäre der Eingriff in das Stadtbild, zu unklar die Folgen, der Nutzen einseitig. Beim Verhindern könnte möglicherweise nun die Spende den Ausschlag geben, denn das Bezirksamt hat schon festgestellt, dass die Annahme des Geldes gegen die „Rahmenrichtlinie über Sponsoring, Spenden und mäzenatische Schenkungen für die Verwaltung der Freien und Hansestadt Hamburg“ verstoße.

          Das Vertrauen in die Unabhängigkeit des Verwaltungshandelns sei ein hohes Gut, sagte Andy Grote, SPD-Bezirksbürgermeister von Hamburg-Mitte. Es dürfe nicht der geringste Anschein entstehen, dass man in Hamburg durch ausreichend hohe Spenden Verwaltungsentscheidungen zu seinen Gunsten herbeiführen könne.

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