https://www.faz.net/-gpf-73qb2

Hamburg : Somalische Piraten zu Haftstrafen verurteilt

  • Aktualisiert am

In ihrem Schlussplädoyer baten die Angeklagten um Milde und erinnerten an die katastrophale humanitäre Lage in Somalia. Bild: dpa

Im Prozess gegen somalische Piraten hat das Hamburger Landgericht die zehn Angeklagten zu Haftstrafen zwischen zwei und sieben Jahren verurteilt. Im Frühjahr 2010 hatten sie einen unter deutscher Flagge fahrenden Frachter vor der Küste Somalias überfallen.

          1 Min.

          Das Hamburger Landgericht hat am Freitag zehn Piraten aus Somalia zu Haftstrafen zwischen zwei und sieben Jahren verurteilt. Nach einem fast zwei Jahre andauernden Prozess sprachen die Richter die etwa 19 bis 50 Jahre alten Männer des Angriffs auf den Seeverkehr und des erpresserischen Menschenraubs schuldig.

          Die Angeklagten hatten im Frühjahr 2010 den unter deutscher Flagge fahrenden Frachter „Taipan“ vor der Küste ihres Heimatlandes überfallen. Sie waren dabei von niederländischen Marinesoldaten gestellt und an Deutschland ausgeliefert worden. Es war der erste Piratenprozess in Deutschland seit Jahrhunderten.

          Staatsanwaltschaft forderte höhere Haftstrafen

          Das Gericht blieb mit dem Urteil zum Teil deutlich unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft zurück, die Haftstrafen zwischen vier und zwölf Jahren gefordert hatte. Die Verteidiger hatten in ihren Plädoyers die Einstellung des Verfahrens, Freisprüche oder deutlich niedrigere Strafen verlangt.

          2010: Niederländische Soldaten befreiten die Besatzung der „MS Taipan“.

          Einige der Angeklagten baten um Milde und erinnerten an die katastrophale humanitäre Lage in Somalia, in dem seit Jahrzehnten Bürgerkrieg, Hunger und Anarchie herrschen. „Mein Heimatland ist zusammengebrochen. Ich bitte den Herrn Vorsitzenden: Seien Sie gerecht“, sagte einer von ihnen nach Übersetzung des Gerichtsdolmetschers.

          Die Reeder in Deutschland wollen Piraten weiterhin vor Gericht sehen. „Piraterie ist ein Verbrechen, und Verbrecher gehören vor Gericht“, sagte Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbandes Deutscher Reeder (VDR). Da das überfallene Schiff „Taipan“ unter deutscher Flagge gefahren sei, habe der Prozess in Deutschland abgehalten werden müssen. Zwar gebe es Überlegungen, in der Piratenregion am Horn von Afrika ein Gericht der Vereinten Nationen anzusiedeln, das die Aburteilung gefangener Piraten übernehmen sollte. Es sei jedoch nicht absehbar, dass ein solches Gericht in absehbarer Zeit die Arbeit aufnehmen könnte.

          Weitere Themen

          Vereinigte Staaten und Mexiko auf Kuschelkurs Video-Seite öffnen

          Obrador in Washington : Vereinigte Staaten und Mexiko auf Kuschelkurs

          Mexikaner sind allesamt kriminell und Vergewaltiger? Beim Besuch des mexikanischen Staatschefs Andrés Manuel López Obrador in Washington war von Präsident Donald Trump nichts Ähnliches zu hören. „Wir haben ein herausragendes Verhältnis“, sagte Trump.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.