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Nach Gewalt in Hamburg : Polizei fahndet mit Fotos nach mutmaßlichen G-20-Randalierern

  • Aktualisiert am

Linksautonome randalieren im Juli am Rande des G-20-Gipfels im Hamburger Schanzenviertel. Bild: dpa

Nach den Ausschreitungen beim G-20-Gipfel im Juli fahndet die Hamburger Polizei ab heute öffentlich nach mutmaßlichen Gewalttätern. Die linksextreme Szene reagierte und stellte ihrerseits Fotos ins Netz – von Berliner Polizisten.

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          Rund fünf Monate nach den schweren Krawallen während des G-20-Gipfels in Hamburg suchen die Ermittler mit zahlreichen neuen Bildaufnahmen öffentlich nach weiteren Tätern. Polizei und Staatsanwaltschaft präsentierten am Montag in der Hansestadt Videosequenzen und Fotos, die Verdächtige beim Plündern von Geschäften oder dem Anzünden von Autos zeigen. Sie hoffen nun auf neue Hinweise.

          Die Aufnahmen wurden unter anderem auf den Internetseiten der Hamburger Polizei veröffentlicht. Sie befassen sich insgesamt mit fünf verschiedenen Tatkomplexen. Nach den Ausschreitungen beim G-20-Gipfel Anfang Juli fahndet die Sonderkommission „Schwarzer Block“ der Hamburger Polizei mit großem Aufwand nach den Tatverdächtigen.

          Berliner Linksautonome reagierten auf die öffentliche Fahndung, indem sie Bilder von 54 Berliner Polizisten veröffentlichten. Gleichzeitig drohten sie den Polizeibeamten auf der Internetseite indymedia.org indirekt. Die Polizeigewerkschaften reagierten am Montag entsetzt und sprachen von einer Gefahr durch „linksextremistische Terroristen“.

          Auf indymedia.org hieß es am Sonntagabend zu den Fotos der Polizisten, die an Räumungen in Häusern in der Rigaer Straße in Friedsrichshain teilgenommen haben sollen: „Wir freuen uns über Hinweise, wo sie wohnen oder privat anzutreffen sind. Neben der Teilnahme an der Räumung können sie bedenkenlos für die Gewalt der drei Wochen der Belagerung verantwortlich gemacht werden.“ Die Polizisten seien bei der Räumung eines teilbesetzten Hauses an der Rigaer Straße in Friedrichshain beteiligt gewesen, heißt es weiter.

          Etwa 3000 Ermittlungsverfahren wegen der Krawalle

          Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erklärte: „Diese Zeilen sind abscheulich, diffamierend und das Resultat gewaltverherrlichender und -ausübender Grundhaltung. Die Verantwortlichen, und damit meine ich Verfasser und Betreiber der Plattform, schüren Hass.“ Die Veröffentlichung müsse strafrechtliche und politische Konsequenzen haben, forderte die GdP. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) reagierte entsetzt: „Zum Schutz von Einsatzkräften gehört auch der Schutz der Privatsphäre und der Familien“, erklärte die Gewerkschaft und drang darauf, die Veröffentlichung schnell zu beenden.

          Rund um das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigen Industrie- und Schwellenländer in Hamburg hatte es Anfang Juli 2017 trotz des Einsatzes von mehr als 20.000 Polizisten schwere Krawalle gegeben. Randalierer lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, zündeten Autos an und plünderten mehrere Geschäfte. Es gab hunderte verletzte Einsatzkräften sowie hunderte Fest- und Ingewahrsamnahmen.

          Die 165 Ermittler der Soko „Schwarzer Block“ versuchen unter anderem, Verdächtige durch eine systematische Auswertung der bei den Ausschreitungen massenhaft entstandenen Video- und Fotoaufnahmen zu identifizieren. Unter anderem riefen sie Bürger auf, ihnen Bilder von ihren Smartphones zu schicken.

          Die Soko leitete bereits rund 3000 Ermittlungsverfahren wegen der Krawalle ein. Inzwischen gab es auch die ersten mehr als 20 Strafprozesse gegen Randalierer und Plünderer. Die bislang höchste Strafe dabei verhängte Strafe waren drei Jahre und drei Monate Haft. Sie ist aber bislang nicht rechtskräftig.

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