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Nach dem 7. Juni : Hamburg hält an Priorisierung im Impfzentrum fest

Das Hamburger Impfzentrum auf dem Messegelände am 12. April Bild: dpa

Am 7. Juni soll die Priorisierung enden. Im Hamburger Impfzentrum bekommen aber weiterhin nur die einen Termin, die Anspruch auf eine bevorzugte Impfung haben – weil es immer noch zu wenig Impfstoff gibt.

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          Im Hamburger Impfzentrum wird auch über den 7. Juni hinaus an der Priorisierung bei den Impfungen festgehalten. Das bestätigte die zuständige Hamburger Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Donnerstag der F.A.Z. Seit Tagen waren in Hamburg bereits skeptische Stimmen zu hören, nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Anfang der Woche angekündigt hatte, vom 7. Juni an die Impfpriorisierung in Arztpraxen und Impfzentren aufzuheben. Für die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson gibt es sie ohnehin schon nicht mehr, und einzelne Länder hatten die Priorisierung in den Arztpraxen auch für alle anderen Impfstoffe schon aufgehoben.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Hamburg positioniert sich nun eindeutig gegen die Aufhebung der Priorisierung nach dem 7. Juni. Im Impfzentrum der Hansestadt würden kurzfristig nur noch Termine an Menschen vergeben, „die gemäß der Impfpriorisierung einen Anspruch auf eine bevorzugte Schutzimpfung haben und bereits zur Terminvereinbarung aufgerufen wurden“, sagte Leonhard. „Viele Menschen hatten bisher noch gar keine Chance darauf, einen Termin zu vereinbaren, weil wir schlicht nicht genug Impfstoff haben. Wir wollen diesen Menschen weiterhin einen bevorzugten Zugang bieten, soweit möglich.“ Im Impfzentrum hätten sie daher zusätzlich zu den Arztpraxen eine Chance, sich impfen zu lassen.

          Zu wenig Impfstoff

          Am Anfang der Impfkampagne hatte man sich auf den Grundsatz geeinigt, bei knappen Impfstoffmengen zuerst jene zu schützen, die aufgrund ihres Alters, Gesundheitszustandes oder ihrer Arbeit besonders gefährdet sind in der Pandemie. Das Bundesgesundheitsministerium definierte in der Impfverordnung drei Prioritätsgruppen, die es zuerst zu berücksichtigen gelte. Nachdem es mit der ersten losgegangen war, und die Impfungen in der zweiten Gruppe auch weit vorangeschritten sind, wurde nun auch die dritte Prioritätsgruppe in allen Ländern aufgerufen – wenn auch nicht überall in gleicher Form und zur selben Zeit. In Hamburg sind bislang nur einzelne Gruppen aus der Prioritätsgruppe drei dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen.

          Schwierig ist, dass diese Prioritätsgruppe nicht nur die 60 bis 69 Jahre alten Menschen umfasst und jene mit Vorerkrankungen wie Asthma, starkem Übergewicht oder Bluthochdruck. Es kommen auch viele Menschen wegen ihrer Berufe hinzu, von Verkäufern im Lebensmitteleinzelhandel, Lehrern an weiterführenden Schulen bis hin zu Journalisten. So ist die Gruppe nicht nur sehr groß, sondern auch schwer abzugrenzen. Und so lässt sich auch nur schwer erfassen, wie weit die Impfungen in dieser Gruppe fortgeschritten sind.

          Das Problem, auf das nun Gesundheitssenatorin Leonhard in Hamburg hinweist, sind die Impfstofflieferungen. In Hamburg werden in den kommenden Wochen jeweils etwa 55.000 Dosen erwartet – zu wenige für zu viele Impfwillige. Hinzu kommt, dass, nachdem das Impftempo im April kräftig angezogen hat, in den nächsten Wochen ein sehr großer Teil der Dosen für die Zweitimpfungen benötigt wird. „Unsere Spielräume für Erstimpfungen sind begrenzt“, äußerte Leonhard.

          Auch der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft, Dirk Kienscherf, hatte die Aufhebung der Priorisierung kritisiert. Dass Spahn sie zu so einem frühen Zeitpunkt aufhebe, sei „vorschnell und kontraproduktiv“. Mit der Entscheidung aus Berlin beginne nun der große Kampf um knappe Ressourcen. Noch immer gebe es Menschen mit erhöhtem Risiko und Gesundheitsgefährdungen, die keinen Impftermin erhalten hätten.

          Viele Zweitimpfungen stehen an

          „Den wenigen Impfstoff ab 7. Juni für alle freizugeben, benachteiligt diejenigen, die dringender als andere auf eine Schutzimpfung angewiesen sind.“ Diese Entscheidung sei nicht im Einklang mit den Bundesländern getroffen worden, die dieses Vorgehen aufgrund des nach wie vor herrschenden Impfstoffmangels weitestgehend ablehnten. Kienscherf verwies darauf, dass in Hamburg in den kommenden Wochen fast 400.000 Zweitimpfungen vorgenommen werden müssten. Spahn schüre mit der Aufhebung der Impfpriorisierung Erwartungen, „die nicht erfüllt werden können – doch gerade jetzt brauchen wir auf allen Seiten Verlässlichkeit“.

          Als Spahn nach einer Runde mit den Gesundheitsministern der Länder am Montagabend mitteilte, dass vom 7. Juni an die Priorisierung falle, und sich auch all jene, die keiner Prioritätsgruppe angehörten, von da an impfen lassen könnten, hatte er gleichzeitig um Geduld gebeten. Nicht alle würden binnen weniger Tage geimpft werden können, die Impfungen würden bis weit in den Sommer hinein dauern. Vom 7. Juni an sollen auch Betriebs- und Privatärzte regulär mitimpfen, damit es noch schneller geht.

          Mit Blick auf den Zeitplan für die Impfzentren zeigten sich die Länder aber auch da schon zurückhaltender. Sie nähmen die Absicht des Bundes zur Kenntnis, auch dort ab 7. Juni die Reihenfolge aufzuheben, hieß es laut Deutscher Presse-Agentur in dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz. Den Ländern sei es aber „unbenommen, die Priorisierung im Rahmen der ihnen zugewiesenen Impfstoffdosen aufrechtzuerhalten“. So macht es nun Hamburg.

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